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„Patient“ Ostsee ist noch lange nicht gesund

Rostock „Patient“ Ostsee ist noch lange nicht gesund

Experten diskutierten im OZ-Studio über Verschmutzung, Schifffahrt, Fischerei und Meeressäuger

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Diskutierten im OZ-Studio: BSH-Vizechef Dr. Mathias Jonas, der stellvertretende IOW-Direktor Detlef Schulz-Bull, der Leiter des Thünen Instituts, Christoph Zimmermann, OZ-Chefredakteur Andreas Ebel und Meeressäuger-Experte Michael Dähne (v.l.).

Quelle: Dietmar Lilienthal

Rostock. Wie geht es der Ostsee? Diese Frage hat gestern eine Expertenrunde im OZ-Studio beschäftigt. Chefredakteur Andreas Ebel hatte kurz vor dem Ostsee- Tag (siehe Kasten) vier Koryphäen der Forschungseinrichtungen in MV zu einer Podiumsdiskussion geladen. Dabei wurde deutlich, dass der „Patient“ Ostsee zwar grundsätzlich auf dem Weg der Besserung ist. Es gibt aber noch einige Krankheitssymptome, die dringend behandelt werden müssen.

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Experten diskutierten im OZ-Studio über Verschmutzung, Schifffahrt, Fischerei und Meeressäuger

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Professor Detlef Schulz-Bull, stellvertretender Direktor des Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) betonte, die Ostsee biete zwar für den Badegast eine gute Wasserqualität. Andererseits sei das Meer durch Schadstoffe, Überdüngung und Schifffahrt weiterhin belastet. „Um bei diesen Problemen Verbesserungen zu erreichen, braucht es einen langen Atem.“

Allerdings gebe es auch Belastungen für die Ostsee, die nicht vom Menschen herrührten, sagte Schulz-Bull. „Die sogenannten Todeszonen, in denen kein Leben möglich ist, sind eher ein Wetterphänomen als vom Menschen gemacht.“ Das gelte auch für den Salzgehalt, der für das Leben in der Ostsee große Bedeutung habe.

Wichtig wäre es dem Experten zufolge, den Schadstoffeintrag zu verringern, etwa durch die Begrenzung von Pestiziden in der Landwirtschaft oder eine Verbesserung der Schiffssicherheit.

Dr. Mathias Jonas, Vize-Präsident des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), nahm die Schifffahrt in Schutz: „Die Schifffahrt ist neben der Fischerei die älteste Nutzungsform der Ostsee.“ Sie müsse aber so betrieben werden, dass ihre Auswirkungen auf die Umwelt möglichst klein gehalten werden können. Dabei müssten besonders die Fähr- und Kreuzfahrtschiffe betrachtet werden, die pro Jahr 80 Millionen Passagiere befördern, deren Hinterlassenschaften zum Teil in der Ostsee landen.

Am meisten beunruhige ihn allerdings das Einschleppen von fremden Arten in die Ostsee in den Ballastwassertanks oder an der Außenhaut der Schiffe, sagte Jonas. Ein Beschluss der Internationalen Seefahrtsorganisation IMO zur Eindämmung dieser Gefahr sei bis heute nicht von ausreichend vielen Ländern ratifiziert worden, so dass er bislang nicht für alle bindend sei.

Dr. Christoph Zimmermann, Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, sprach über die Entwicklung der Fischbestände in der Ostsee. „Fast alle Bestände haben sich so gut erholt, dass die Fangquoten verdoppelt werden könnten.“ Es gebe allerdings eine Ausnahme, die vor allem die Fischer in MV schwer treffe: „Dem Dorschbestand in der westlichen Ostsee geht es sehr schlecht. 2015 ist der Nachwuchs fast komplett ausgefallen. Wir haben daher empfohlen, die Fangquote um 88 Prozent zu reduzieren.“ Die Gründe für diesen Einbruch seien noch nicht bekannt. „Es gab in letzter Zeit drei große Salzwassereinbrüche in die Ostsee, was die Bedingungen für den Dorsch verbessert hat. Eigentlich hatten wir daher mit mehr Nachwuchs gerechnet“, sagte Zimmermann. Ähnlich unterschiedlich wie bei den Fischen entwickeln sich auch die Populationen der Meeressäuger. Dr. Michael Dähne, Kurator für Meeressäuger am Deutschen Meeresmuseum Stralsund, machen vor allem die Schweinswale Sorgen: „Die Population in der inneren Ostsee ist vom Aussterben bedroht.“ Der aktuelle Bestand werde auf etwa 500 Tiere geschätzt. „Es ist überhaupt nicht absehbar, wie er sich weiter entwickelt“, betonte Dähne.

Zu schaffen machen den Schweinswalen die Stellnetze der Fischer, aber auch die Bauarbeiten für Windräder auf hoher See.

Die Kegelrobbe habe sich dagegen gut erholt. „Früher galt die Kegelrobbe bei uns als ausgerottet, inzwischen wurden bei Thiessow auf Rügen wieder 95 Tiere gesichtet.“ Den Ringelrobben wiederum mache der Klimawandel zu schaffen: „Sie brauchen Eis für die Höhlen, in der sie ihre Jungen aufziehen.“ Im fachkundigen Publikum entspann sich nach den Statements der Experten eine angeregte Diskussion, vor allem über das Thema Plastikmüll im Meer. Einig war man sich darüber, dass es mehr Aufklärung braucht, um die wachsende Vermüllung der Ozeane und die Belastung der Tiere zu stoppen. Dähne betonte: „Wir brauchen ein Umdenken. Jede einzelne Plastiktüte, die wir verwenden, vergrößert das Problem.“

So läuft der Ostseetag

Der UN-Welttag der Ozeane ist am Mittwoch, 8. Juni. Begangen wird er von 10 bis 18 Uhr im Stadthafen.

Startschuss: 10.30 Uhr im großen Saal der Bühne 602.

Open Ship: Die Forschungsschiffe Deneb, Elisabeth Mann Borgese und Solea können besichtigt werden. Forscher beantworten Fragen.

Bürgerdialog Ostsee: An der Kaikante laden – ebenfalls den ganzen Tag – verschiedene Themeninseln zum Gespräch mit Wissenschaftlern über aktuelle Forschung ein.

Kleines Ostseetier – ganz groß: Kinder der ersten bis sechsten Klasse in Mecklenburg-Vorpommern haben sich mit kleinen Ostseebewohnern bei einem Wettbewerb kreativ auseinandergesetzt. Die Preisverleihung findet um 12 Uhr in der Bühne 602 statt.

Podiumsdiskussion „Ostseeforschung – Ostseenutzung – Ostseeschutz: gemeinsame oder getrennte Wege?“: Mit einem hochkarätigen Podium setzt der Ostseetag einen wichtigen wissenschaftspolitischen Akzent für interessiertes Laien- und Fachpublikum. Beginn ist um 14 Uhr in der Bühne 602.

Axel Büssem

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