Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Ab sofort: „Rauchverbot“ in Gärten

Bergen/Stralsund/Barth Ab sofort: „Rauchverbot“ in Gärten

Der Landkreis untersagt das Verbrennen von pflanzlichen Abfällen.

Voriger Artikel
Jetzt wird die Seebrücke richtig teuer
Nächster Artikel
Amt Recknitz-Trebeltal muss in seine Schulen investieren

Diese Szenen gehören der Vergangenheit an: Heiko Schramm verbrennt Pflanzenabfall aus seinem Kleingarten.

Quelle: Foto: Peter Franke

Bergen/Stralsund/Barth. Karl Z. (vollständiger Name der Red. bekannt) könnte vor Wut platzen. Der Bergener Kleingärtner wollte helfen und für Ordnung sorgen, und nun hat er den Schlamassel. „Ende vergangenen Jahres haben wir die verwilderte Parzelle unseres Nachbarn mit aufgeräumt.“ Die jahrelang vernachlässigten Sträucher und Bäume wurden kräftig zurückgeschnitten. Den Riesen-Haufen wollten sie im März anzünden. Doch das Feuer wird aus bleiben müssen: Der Landkreis hat das Verbrennen von Gartenabfällen ab sofort ausdrücklich untersagt – und zwar ganzjährig.

Das Verbot sei an sich ein alter Hut und das Verbrennen schon lange in der Landespflanzenabfallverordnung geregelt, sagt der Sprecher der Kreisverwaltung, Olaf Manzke. In der 2001 vom damaligen Ministerpräsidenten Harald Ringstorff unterzeichneten Verordnung heißt es unter anderem: „Pflanzliche Abfälle (. . .) dürfen verbrannt werden, wenn eine Entsorgung (. . . ) oder eine Nutzung der von den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern durch Satzung anzubietenden Entsorgungssysteme nicht möglich oder nicht zumutbar ist.“ Das sei aber spätestens mit der Einführung der Biotonne im gesamten Landkreis nicht mehr der Fall. Seitdem werde flächendeckend eine Entsorgungsmöglichkeit für Bioabfall angeboten, sagt Dr. Bernd Liebelt, Fachgebietsleiter für Umweltschutz in der Kreisverwaltung. Und diese Möglichkeit, sprich: braune Tonne, müsse auch genutzt werden.

Entsorgung bislang unterschiedlich gehandhabt

Bislang wurde die Entsorgung von Gartenabfällen in den früheren Kreisen Rügen und Nordvorpommern sowie der Hansestadt Stralsund unterschiedlich gehandhabt. Im Bereich Nordvorpommern war mangels Biotonne das Verbrennen pflanzlicher Abfälle vom 1. bis 31. März und vom 1. bis 31. Oktober werktags während zwei Stunden täglich in der Zeit von 8 bis 18 Uhr erlaubt. Auch auf Rügen ließen viele sperrige Äste oder größere Mengen an Heckenschnitt verbrennen – mit ausdrücklicher Duldung des Kreises.

„Das ist seinerzeit nicht ganz korrekt gewesen im Sinne der Verordung“, sagt Bernd Liebelt. Dass es nun plötzlich ganz akurat und nach dem Buchstaben der Verordnung zugehen soll, hat seinen Worten zufolge mehrere Gründe. Zum einen sei die Biotonne „flächendeckend im Kreis eingeführt“.

Zum anderen gebe es von Jahr zu Jahr mehr Anzeigen von Einwohnern, die sich durch kokelnde Nachbarn belästigt fühlten. Oftmals landeten auch riesige Laubhaufen im Feuer, die es erstickten und dessen Qualmwolken über ganzen Wohngebieten hingen.

Um das zu verhindern, hat das Umweltamt des Landkreises vor allem in den Monaten März und Oktober die Einhaltung der Verordnung kontrolliert. Man habe verstärkt auf Aufklärungsarbeit gesetzt.

Mit offenbar mäßigem Erfolg. „Das ist mir völlig neu“, sagt der Bergener Peter Heinemann. Er ist nicht irgendein Kleingärtner, an dem dieses Verbot vorbeigegangen ist: Er ist der Vorsitzende des Landesverbandes der Gartenfreunde. Die Rügener Laubenpieper seien bislang davon ausgegangen, dass sie im März wieder – wie gehabt – einen Teil der Gartenabfälle verbrennen könnten.Wie der Kreis sich die Entsorgung vorstellt, ist Heinemann schleierhaft. Allein in seiner Sparte gibt es über 200 Gärten.

„Sollen die alle eine Biotonne bekommen und am Abfuhrtag gleichzeitig rausstellen? Das ist doch gar nicht praktikabel“, wehrt er ab. Und alles könne man nun mal nicht kompostieren, zum Beispiel Pflanzenteile, die von Krankheiten befallen seien. Beim Landkreis will man solche Einwände nicht gelten lassen. Genehmigungen zum Verbrennen werde es nur noch in Ausnahmefällen geben. Astwerk und ähnliches könne man zerkleinern und über die Biotonne entsorgen, ebenso wie kranke Pflanzen, etwa die von der Miniermotte befallenen Blätter der Rosskastanie. „Wenn die Menge zu groß ist, muss man sie vielleicht auf dem Grundstück zwischenlagern und nach und nach in die Tonne werfen“, sagt Liebelt. Oder man könne zu einem der Wertstoffhöfe fahren. Dort muss für die Entsorgung der Reste aus dem Garten allerdings ins Portemonnaie gegriffen werden.

Ausnahmegenehmigungen können beantragt werden

Torsten Sund, Vorsitzender der Barther Gartenanlage „Uns Ruh“, hat kein Problem mit dem Verbot. „Bei uns in der Anlage wird schon seit langem auf das Verbrennen von Gartenabfällen verzichtet. Die 17 Gärten liegen sehr dicht an offentlichen Wegen. Wir wollen niemanden zumuten, den Qualm einatmen zu müssen.“ Wer seine Gartenabfälle nicht selbst kompostiert, nutzt den im Januar 2016 vom Landkreis eröffneten Wertstoffhof. Der habe allerdings leider nur einmal im Monat auch am Samstag geöffnet, sagt Sund.

„Für die Gartenfreunde, die über die Woche arbeiten und nur sonnabends die Möglichkeit haben, die Gartenabfälle beim Wertstoffhof abzuliefern, ist das natürlich ungünstig.“

Wertstoffhof oder Maisstärkesack

7 Wertstoffhöfe gibt es im gesamten Landkreis Vorpommern-Rügen: in Sagard, Samtens, Stralsund, Barth, Ribnitz-Damgarten, Camitz und in Grimmen. Dort können Grundstücks- und Gartenbesitzer pflanzlichen Abfall selbst abliefern – gegen eine zusätzliche Gebühr, die nach Menge bzw. Gewicht berechnet wird. 2,62 Euro werden beim Wertstoffhof für Gartenabfall kassiert, der in den Kofferraum einer Limousine oder eines Coupes passt.

Wer seinen Kombi oder einen einachsigen Hänger vollgeladen hat, muss 8,19 Euro bei der Ablieferung der Fuhre zahlen. Ein Ladung vom Kleintransporter oder zweiachsigen Hänger kostet 19,67 Euro. Ab 400 Kilo Abfall wird nach Gewicht berechnet.

Kostenlos kann zusätzlicher Gartenabfall über Maisstärkesäcke entsorgt werden, die einfach zum Abfuhrtermin neben die braunen Tonnen gestellt werden. Diese Säcke müssen sich die Kunden selbst besorgen.

Maik Trettin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Wendisch Baggendorf

Mit Richarda Zamzau und Igor Hein bewerben sich zwei Kandidaten um das Bürgermeisteramt

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Politik
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Leserbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.