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„Dass in Damgarten immer mehr Läden schließen, tut mir in der Seele weh“

„Dass in Damgarten immer mehr Läden schließen, tut mir in der Seele weh“

Bürgermeister Frank Ilchmann hat heute die Hälfte seiner Amtszeit erreicht – Zeit für eine Zwischenbilanz

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Bürgermeister Frank Ilchmann (60, parteilos) am Brunnen auf dem Ribnitzer Markt. Er sagt nach dreieinhalb Jahren im Amt: „Wir haben einiges geschafft. Die Stadt entwickelt sich gut.“

Quelle: Fotos: Virginie Wolfram (1), Olaf Hackethal (1), Carolin Riemer (3)

Ribnitz-Damgarten Bergfest im Rathaus: Heute vor dreieinhalb Jahren begann Frank Ilchmanns (parteilos) Amtszeit als Bürgermeister in Ribnitz-Damgarten. Die OZ sprach mit dem 60-Jährigen über fehlendes Geld, marode Schulen und die Sorgen der Damgartener.

Herr Ilchmann, welche Diagnose würden Sie als früherer Arzt Ihrer Stadt heute bescheinigen?

Frank Ilchmann: Ich würde sagen, die Stadt Ribnitz-Damgarten ist gesund, für ein langes unbeschwertes Leben fehlt aber an einigen Stellen das nötige Geld. Insgesamt denke ich, geht es trotz erschwerten Bedingungen weiter vorwärts. Wir haben einiges geschafft, aber nicht alles, was wir gern schaffen würden.

Was empfinden Sie als „erschwerte Bedingungen“?

Ilchmann: Die Geldzuweisungen vom Land sind weniger geworden, auch die Fördermittel gehen zurück. Hatte man früher 80 oder 90 Prozent Förderung bei Projekten, sind es jetzt oft nur 50 oder 60 Prozent oder noch weniger. Der Anteil, den wir selbst stemmen müssen, ist einfach höher und die Abgabelasten steigen immens. Das macht sich bemerkbar.

Großprojekte wie das Haus des Gastes am Ribnitzer Hafen haben Sie also abgeschrieben?

Ilchmann: Abgeschrieben nicht, bei mir ist es nach wie vor auf der Agenda. Ich halte es für eine gute Sache, nur können wir es momentan nicht umsetzen. Außerdem haben mögliche Hotelinvestoren gesagt, sie würden wegen der Nutzung des Spa-Bereiches einen Standort für ein Hotel in Nähe der Bodden-Therme bevorzugen, also noch weiter westlich der Marina.

Auch am Damgartener Hafen bewegt sich nichts. Wo hakt es da?

Ilchmann: Wir haben durch den Abriss des Speichers und des ehemaligen BHG-Gebäudes das Areal beräumt, die Fahrrinne in der Ribnitzer See zwischen Damgarten und Ribnitz ist ausgebaggert und nun könnte sich dort etwas ansiedeln. Was Maritimes wie eine kleine Werft könnte ich mir beispielsweise vorstellen. Wir haben es im Internet und mit Schildern beworben, bisher gibt es leider keinen Interessenten. Trotz Abrisses hat, auch nach Meinung vieler Bürger, der Hafen Damgarten gewonnen.

Apropos fehlende Interessenten. In Damgarten schließt das älteste Geschäft. Viele Wähler dort haben sich von Ihnen als Damgartener viel erhofft. Manche sind enttäuscht.

Ilchmann: Der Stadtkern stirbt immer mehr aus und die Bürger denken oft, die Stadt kann da viel machen. Aber das ist nicht der Fall. Dass das Geschäft der Firma Matheus schließt, und vielleicht auch weitere Läden, ist schade und tut mir in der Seele weh. Aber die Stadt kann keine Geschäfte eröffnen und wenn die Damgartener woanders einkaufen gehen, nach Stralsund oder Rostock fahren, ärgert mich das. Die Läden machen keinen Umsatz mehr und können dann leider nicht überleben.

Wie sieht es mit Straßen und Gehwegen in Damgarten aus?

  Ilchmann: Da wird einiges passieren. In der Barther Straße wird von der Wasser- bis zur Waldstraße die Fahrbahn saniert und die Bürgersteige werden gemacht. Auch der Abschnitt von der Schillerstraße bis zur Wasserstraße wird in Rücksprache mit den Anwohnern geplant. Den baulichen Mängeln im Stadtteil bei der Glashütte und auf Privatgrundstücken wie zum Beispiel beim Alten Kino wollen wir uns verstärkt widmen.

Außerdem freue ich mich sehr, dass in Damgarten ein neuer Kindergarten aufmachen wird. Nach meinem letzten Stand startet der Krippenbereich zum 1. Dezember. Das ist auf jeden Fall eine gute Sache für die Familien und wertet den Standort Damgarten auf.

Bei einigen Schulstandorten in Ribnitz sieht es ja wiederum gerade nicht so rosig aus . . .

Ilchmann: Die Bildung in der Stadt ist mir wichtig. Wir haben für die Schulen viele Laptops und PCs und andere Lernmittel angeschafft. In Damgarten wurden Schulräume saniert. Jetzt geht es um die Mühlenberg-Schule und die in der Demmler-Straße. Da muss dringend was passieren, so geht es nicht weiter. Wir prüfen noch den Abriss und Neubau oder die Sanierung in der Demmler-Straße. Bei Neubau würden wir dauerhaft weniger Betriebskosten haben. Wir arbeiten auf jeden Fall an der zügigen Sanierung der Schulen entsprechend Schadstoffgutachten. Auch an den schulischen Sportstätten gibt es Handlungsbedarf.

Etwas Positives am Standort der Bernsteinschule: Das Begegnungszentrum wird morgen eröffnet. Das erste große Projekt, das in Ihrer Amtszeit fertig wird.

Ilchmann: Es ist schön geworden, hat insgesamt etwa drei Millionen Euro gekostet. Ein Projekt, das gut ist für die Schüler, die nun Aufenthaltsräume haben und auch für die Bürger, die das schöne Café nutzen und Veranstaltungen besuchen können.

Was erfreut Sie am meisten in Ihrer Stadt?

Ilchmann: Ich freue mich über den großen Zuzug in Ribnitz-Damgarten, uns werden die Baugrundstücke ja förmlich aus den Händen gerissen. Das ist schön.

Gute Nachrichten gab es aus Sicht der Stadt für das Großprojekt Pütnitz in den letzten Wochen. Das Raumordnungsverfahren ist abgeschlossen. Wie geht es weiter?

Ilchmann: Wir suchen jetzt intensiv das Gespräch mit Investoren und Betreibern und sind offen für Ideen. Als Auflage für den „Landschaftspark am Bodden“ müssen wir allerdings noch bis 2018 Gefahrenpunkte auf dem Areal beseitigen. Beispielsweise muss ein großes Tanklager beseitigt werden. Ob sich das dann parallel mit Veranstaltungen auf Pütnitz realisieren lässt, muss sich zeigen.

Kritik gab es vor einiger Zeit an Ihrer Personalpolitik, die unerwarteten Extra-Ausgaben. Sind die inzwischen eingedämmt?

Ilchmann: Jein. Ich habe zwar keine neuen Leute eingestellt. Aber die Mitarbeiter werden nach Tarif bezahlt und der steigt nun mal. Und es gibt heute deutlich weniger geförderte Arbeitskräfte.

Bei der Bürgermeisterwahl vor dreieinhalb Jahren gab es auch Kritik daran, dass Sie antreten. Einige glaubten, Sie packen das nicht gesundheitlich. Was sagen Sie denen heute?

Ilchmann: Gesundheitlich geht es mir sehr gut, ich habe null Probleme. Im Gegenteil: Ich habe in diesem Jahr so viele Tage gearbeitet, dass noch 21 Urlaubstage übrig sind.

Apropos Urlaub. In dreieinhalb Jahren ist Ihre Amtszeit um. Hand aufs Herz: Ist dann Schluss oder könnten Sie sich eine weitere Amtszeit vorstellen?

Ilchmann (lacht): Ja, warum nicht? Ich habe ein gutes Team, auf das ich mich verlassen kann, fähige Leute, die mich beraten. Nur altersmäßig wird es schwierig. Ich bin dann 64 Jahre. Da müssten dann, glaube ich, die Stadtvertreter zustimmen . . .

Interview von Virginie Wolfram

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