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Öko-Konten sollen Geld in die Kassen spülen

Bad Sülze Öko-Konten sollen Geld in die Kassen spülen

Naturschutzprojekte in Vorpommern-Rügen können in bares Geld verwandelt werden / Einige Konten dienen aber auch dem Eigenbedarf

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Projekt Polder 3 – das Bild zeigt den Auslaufgraben zur Recknitz.

Quelle: Kreisverwaltung

Bad Sülze. Öko-Konten sind gut für die Umwelt – und für’s Portemonnaie. Denn sie können in bares Geld umgemünzt werden. Mittlerweile gibt es in Vorpommern-Rügen 36 derartiger Öko-Konten, unter anderem für Kommunen und den Landkreis.

Überblick

36 Öko-Konten werden derzeit in Vorpommern-Rügen geführt. 16 Konten können gehandelt werden, auf der Homepage der Landgesellschaft MV gibt es dazu den Überblick, auch mit Ansprechpartnern. Sechs der Konten sind bereits verbraucht. Vier Konten sind in der Zustimmungsphase.Bei zehn Konten sind die Punkte nicht handelbar, da sie dem Eigenbedarf dienen.

Am Beispiel von Bad Sülze lässt sich das gut erklären. Dort stand im vergangenen Jahr die Renaturierung eines großen Polders an, des sogenannten Polder 3. Ein aufwendiges Projekt, immerhin ging es um 326 Hektar. Dort wurden die natürlichen Abflussverhältnisse zur Recknitz wieder hergestellt, die Deiche zurückgebaut und der Polder vom Schöpfwerk abgekoppelt. Ziel dabei: Tiere und Pflanzen der dortigen Feuchtwiesen sollen mehr Lebensraum haben (siehe unten stehenden Beitrag).

Ein Naturschutzprojekt ohne Verpflichtung zum Ausgleich. Deshalb ist im Nachgang dafür ein Öko-Konto angelegt worden. Das wiederum ist in einem digitalen Verzeichnis beim Land einzusehen. Die Öko-Punkte auf dem Konto können nun gehandelt werden. Durchschnittlich ist solch ein Öko-Punkt zwei bis drei Euro wert. An der Ostseeküste gibt’s mit drei bis vier Euro etwas mehr, im vorpommerschen Flachland wird ein Öko-Punkt dagegen eher mit zwei bis 2,50 Euro gehandelt.

Für wen ist das interessant? Wer beispielsweise eine Baumaßnahme plant, muss Ausgleich schaffen. Das kann die Pflanzung von Hecken sein. Nicht immer ist ein Ausgleich aber möglich, zum Beispiel, wenn der Eigentümer keine Fläche hat, um dort etwas zu anzupflanzen. Stattdessen kann er dann bei anderen Kommunen Öko-Punkte kaufen und verwenden, erläutert Umweltexperte Hardo Wanke vom Landkreis. Auch der Kreis hat übrigens selbst zwei Öko-Konten, unter anderem für 6,3 Hektar Naturwald bei Willershusen bei Griebenow. Die Öko-Punkte sollen eingesetzt werden, wenn zum Beispiel bei Straßenbauarbeiten des Landkreises ein Naturausgleich nicht möglich ist. Woraus sind noch Öko-Konten entstanden? Ein Konto des Bundes bezieht sich auf das ehemalige Militärgelände nahe Abtshagen. Auf Rügen gibt es bei Prosnitz eine Naturwaldparzelle, eine rund 13 Hektar große Fläche ist dort dauerhaft aus der Nutzung herausgenommen worden. Gleiches gilt für eine 4,3 Hektar große Fläche bei Klein Kedingshagen in der Gemeinde Kramerhof. Ein weiteres Öko-Konto resultiert aus Naturwald bei Barth / Tannenheim.

Übrigens sind nicht alle 36 existierenden Öko-Konten im Landkreis handelbar. Das sind mit 16 knapp die Hälfte. Womit hängt das zusammen? „In einigen Fällen dienen die Öko-Konten dem Eigenbedarf“, erklärt Hardo Wanke. Eigenbedarf hat etwa die Stadt Ribnitz-Damgarten, die Öko-Punkte ihrer Konten einsetzt, wenn Ausgleichsmaßnahmen bei eigenen Bauvorhaben nicht möglich sind. Angelegt wurden diese Öko-Konten zum Beispiel dank Maßnahmen in Freudenberg (Streuobstwiesen) und am Klosterbach. In Vorbereitung ist mit den Fischlandwiesen eine weitere Naturschutzmaßnahme, als Gemeinschaftsprojekt von Ribnitz-Damgarten und Wustrow, daraus wird dann ein weiteres Öko-Konto entstehen.

Bad Sülze hat viele Anfragen für Verkauf

Das umfangreichste Öko-Konto in Vorpommern-Rügen ist das für Polder 3. Von den 326 Hektar gehören 229 der Stadt Bad Sülze, weitere 97 Hektar gehören der Landgesellschaft. „Anfang Dezember haben wir den Anerkennungsbescheid für das Öko-Konto bekommen“, erläutert Anke Haß, Verwaltungschefin im Amt Recknitz-Trebeltal, zu dem Bad Sülze gehört. Insgesamt sind für das Öko-Konto 2,9 Millionen Punkte anerkannt. Mittlerweile gibt es eine Kooperationsvereinbarung zwischen Landkreis, Landgesellschaft und Stadt. Die Landgesellschaft übernimmt die Vermarktung. Wobei ein Teil der Kompensationsflächenäquivalente (ein anderer Ausdruck für die Öko-Punkte) nicht gehandelt wird. „500 000 werden für eigene Projekte behalten“, erklärt Anke Haß. Und es muss auch daran gedacht werden, dass bei den erfolgten Naturschutzmaßnahmen Geld für Pflegearbeiten zurückgelegt wird. Im Fall von Polder 3 gilt dies zum Beispiel für das Warten der Pegel und das Grundwasser-Monitoring. Auf eine Laufzeit von 30 Jahren berechnet werden deshalb neun Cent je Öko-Punkt zurückgelegt. Das sind brutto dann immerhin 334 000 Euro. „Es gibt viele Anfragen“, schildert Anke Haß das Interesse an den Öko-Punkten. Da die Stadt Bad Sülze Eigentümer von rund 70 Prozent der renaturierten Fläche ist, stehen ihr auch 70 Prozent vom Erlös zu. Das wären rund 4,3 Millionen Euro. In Zusammenhang mit einem Projekt im benachbarten Tribsees sind Öko-Punkte bereits verkauft worden. Dies bezieht sich auf den Ersatz alter Windkraftanlagen durch neue.ps

Peter Schlag

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