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Rostocks altes Gut: Sieben Jahre Streit um 60 neue Häuser

Rostocks altes Gut: Sieben Jahre Streit um 60 neue Häuser

Im April soll die Bürgerschaft „grünes Licht“ für Neubauten in Toitenwinkel-Dorf geben — und damit eine der langwierigsten Planungen der Stadt abschließen

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Die alten Ställe sind für den Ortsbeirat ein Schandfleck: Wenn der B-Plan beschlossen ist, könnten sie neuen Häusern weichen.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl

Rostock. Ein altes Gut, eine Kirche und viel Grün: Toitenwinkel-Dorf ist ein besonderer Ortsteil. Ländlich-idyllisch und doch nur einige Hundert Meter vom städtischen Leben entfernt.

OZ-Bild

Im April soll die Bürgerschaft „grünes Licht“ für Neubauten in Toitenwinkel-Dorf geben — und damit eine der langwierigsten Planungen der Stadt abschließen

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Kein Wunder also, dass Land in diesem Teil der Hansestadt bei Häuslebauern begehrt ist. Nur: Bauen darf in dem Dorf bisher niemand. Denn Anwohner und eine Bürgerinitiative, Ortsbeirat und Rathaus streiten seit mehr als sieben Jahren darüber, wo und wie viele neue Häuser in Toitenwinkel-Dorf entstehen dürfen. Im April soll die Bürgerschaft dem Streit endlich ein Ende setzen.

„Wir legen einen neuen Bebauungsplan für das Dorf zur Entscheidung vor. Das ist bereits der zweite Entwurf“, sagt Dürten Schölens, Planerin im Amt für Stadtentwicklung. Bereits vor gut vier Jahren — im Jahr 2012 — hatte die Verwaltung einen Plan für das Dorf vorgelegt. Doch nachdem eine Bürgerinitiative dagegen mobil gemacht hatte, lehnte die Bürgerschaft das Papier ab. „Wir haben damals mit bis zu 90 neuen Wohnungen im Dorf gerechnet. Das war der Bürgerinitiative zu viel“, so Schölens. Die Kritiker bemängelten, der Ortsteil könne seinen dörflichen Charakter verlieren. Und: Sie befürchteten das zusätzliche Verkehrsaufkommen durch rund 200 neue Bürger im Dorf. Dafür seien die Krummendorfer Straße und auch die Lindenallee nicht ausgelegt. Der Streit um die neuen Häuser drohte auch den Ortsteil selbst zu spalten: Denn nicht nur „Fremde“, sondern auch fünf „Dorf-Bewohner“ wollten in der Idylle neu bauen.

Das Rathaus reagierte auf die Kritik, überarbeitete die Pläne. „Wir haben wirklich alles getan, um die ländliche Struktur zu erhalten“, heißt es aus dem Stadtplanungsamt. Die Verkehrsentwicklung im Dorf soll alle fünf Jahre kontrolliert und ausgewertet werden, die Krummendorfer Straße wird beruhigt, für einige Bauvorhaben müssen Ausgleichspflanzungen vorgenommen werden und die Zahl der maximal zulässigen neuen Wohnungen wurde auf 66 reduziert. „Wir haben insgesamt 106 Stellungnahmen zum Plan berücksichtigt — allein von Bürgern“, erklärt Schölens. Nun hofft das Amt auf Zustimmung der Bürgerschaft: „Als Stadtplaner wollen und müssen wir Platz für neue Wohnungen, neue Häuser in der Hansestadt schaffen. Und zwar in ganz Rostock. Die Nachfrage ist enorm“, sagt Schölens. Es werde Zeit für eine Entscheidung. „Die Planungszeit und der Aufwand stehen in keinem Verhältnis zur Zahl der neuen Wohnungen.“ Selten waren Planungen für ein paar Häuser so aufwändig.

Die Bürgerinitiative Toitenwinkel-Dorf war für eine Reaktion auf die neuen Pläne aus dem Rathaus nicht zu erreichen. Anke Knitter, SPD-Politikerin und Vorsitzende des Ortsbeirates Toitenwinkel, wirbt jedoch um Zustimmung für den neuen Bebauungsplan und darum, eine der langwierigsten Planungen der Hansestadt endlich abzuschließen. „Wir reden seit mehr als zehn Jahren über neue Häuser im Dorf. Und wir haben wirklich genug diskutiert.“ Knitter fürchtet nämlich, dass es in Toitenwinkel-Dorf ohne einen neuen Bebauungsplan erst Recht „Wildwuchs“ geben könnte: „Die Bauherren könnten sich auch auf das Baugesetzbuch berufen und für jedes einzelne Neubau-Vorhaben einen Antrag stellen. Dann haben wir aber keine Handhabe mehr.“ Es sei daher besser, einmal den kompletten Ortsteil zu überplanen:

„Wir schaffen so klare Verhältnis — für alle, die bauen wollen, und für all jene, die schon seit vielen Jahren in Toitenwinkel-Dorf leben.“

Die Ortsbeiratschefin verspricht sich von den Neubau-Vorhaben sogar, dass der Ort noch schöner wird: „Es gibt einige Missstände, die im Zuge der Bebauung verschwinden sollen.“ Am alten Gutshof zum Beispiel. Dort stehen etliche Beton-Bauten leer. „Auch die alten Plattenwege werden hoffentlich ausgetauscht“, sagt Knitter. Auch sie will den jahrelange Streit um ein paar neue Häuser endlich beilegen.

Seit 1950 Teil der Stadt

800 Jahre ist das Dorf Toitenwinkel bereits alt. Ab dem 13. Jahrhundert wurde der Ort von Rittern aus dem alten Mecklenburger Adelsgeschlechts der von Moltkes beherrscht. Erst 1950 verlor das Dorf seine Selbstständigkeit und wurde Teil Rostocks.

13409 Einwohner lebten am 1. Januar 2015 im Stadtteil Toitenwinkel. Das große Bevölkerungswachstum im Quartier begann 1987 mit dem Bau der ersten großen Plattenbauten.

Von Andreas Meyer

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