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Verschönerungskur für Prerower Wahrzeichen „Vogels Warte“

Prerow Verschönerungskur für Prerower Wahrzeichen „Vogels Warte“

15 Jugendliche der Jugendbauhütte Stralsund-Szczecin erledigten Abrissarbeiten auf dem Gelände / Restaurator Wolfram Vormelker bot ihnen ein Seminar an

Prerow. Durch Theateraufführungen im August vergangenen Jahres rückte „Vogels Warte“ in der Prerower Lentzallee erstmalig in den Fokus der Öffentlichkeit. Vor der improvisierten Bühne im Garten zwischen Rosen und Jasmin erlebten die Besucher professionelle Schauspiele. Den Defa-Film „Rapunzel“ sah eine große Kinderschar rückseitig am zinnenbekrönten 20 Meter hohen Turm. Doch das 1475 Quadratmeter große Grundstück wirkte verwildert und durch mehrere Schuppen, die in DDR-Zeiten entstanden, rumplig.

OZ-Bild

15 Jugendliche der Jugendbauhütte Stralsund-Szczecin erledigten Abrissarbeiten auf dem Gelände / Restaurator Wolfram Vormelker bot ihnen ein Seminar an

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Doch jetzt rückten 15 Jugendliche der Jugendbauhütte Stralsund-Szczecin in der Woche vor dem Tag des offenen Denkmals mit ihrem Leiter Christian Barth zu einem Arbeitseinsatz an. Seit dem 1.

September absolvieren sie ein freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege. In Prerow war es für sie das erste Bildungsseminar, das Museumsleiterin Antje Hückstädt mit dem Förderverein vom Darß-Museum organisierte, dem Bürgermeister René Roloff vorsteht.

Die Jugendlichen erledigten unter baufachlicher Anleitung von Maurermeister Otto Semmler und drei Architekten – Karl Köder, Ingelore Braun und Grit Martens – Abrissarbeiten. Sie befreiten den Garten von wucherndem Bewuchs, entfernten im Haus nachträglich eingebaute Leichtbauwände, Stromkabel und Sanitäranlagen, legten die alten, mit Klinkern belegten Wege frei, entrümpelten fünf Schuppen und rissen sie ab. Firma Gielow brachte einen Baustromkasten, entfernte die fünf Fernsehschüsseln vom Gebäude, Firma Döring entsorgte den Bauschutt, Nachbar Henry Plottka sponserte den Strom. „Doch die Jugendlichen sollten auch etwas lernen“, sagte Antje Hückstädt. Restaurator Wolfram Vormelker bot dazu ein Seminar an. Er demonstrierte, wie man Farbschichten und Tapetenschichten abträgt, dokumentiert und untersucht, um zu der originalen Fassung zu gelangen. Mit ihm entdeckten sie Reste ursprünglicher Schablonenmalerei, farblich gefasst, ein Stück der ursprünglichen Jugendstiltapete, ein altes, völlig komplettes Fenster mit Rollladen und einen Stahltresor. Allerdings ohne Tür und Inhalt.

Gefördert werden die Jugendlichen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Mit einer Teilnehmerurkunde und einem neuen T-Shirt zogen sie weiter zu einem neuen Projekt.

Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatten zehn junge Studenten der Innenarchitektur von der Hochschule Wismar, Fakultät Gestaltung, das gemeindeeigene Gebäude belebt. Mit Kamera, Stift und Skizzenblock begutachteten sie sämtliche Räume, um Ideen für ein Nutzungskonzept zu sammeln. Betreut wurden sie von ihrer Professorin Architektin Bettina Menzel und vom Architekten Karl Köder, der in Prerow lebt. Ausgehend vom Turm erarbeitete jeder Student sein eigenes Nutzungskonzept. Dabei ging es darum, die historische Baukultur zeitgemäß weiter zu entwickeln. Ein Semester, 16 Wochen, tüftelten sie an dem Projekt. Die Präsentation erfolgte am 6. Februar im Kunstmuseum Ahrenshoop.

Nun ist die Gemeinde Prerow gefragt. Was wird aus „Vogels Warte“? Lässt sich eins der Nutzungskonzepte umsetzen? Oder gibt es andere Ideen, um dieses einmalige, den Ort prägende Gebäude zu erhalten?

Museumsleiterin Antje Hückstädt: „Es ist eine besondere Architektur, deshalb möchten wir eine besondere Nutzung. Das Herzstück soll eine Stätte für die Kultur der Ostseeanlieger sein, um sie auf vielseitige Art zu präsentieren. Dazu Gastronomie, Wohnung für den Betreiber oder Hausmeister, auch Außenstelle des Standesamtes. Wir haben angefangen. Die Gemeinde soll spüren, hier sind viele Leute, die sich dafür engagieren.“

Zur Geschichte

Der Gerichts-Administrator Vogel aus Berlin ließ sich um 1880 seine Villa als Sommerresidenz im Burgenstil errichten und „Vogels Warte“ sichtbar an der Fassade anbringen. Ostflügel und Turm für die Wasserversorgung wurden 1910 angebaut. Vogel verkaufte die Villa an Familie Dr. Leberecht Janssen. Nach 1945 wohnten Flüchtlinge darin und Prerower Familien, 2009 zogen die letzten Mieter aus. Seither ist das „Märchenschloss“ unbewohnt.

Elke Erdmann

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