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„Wenn die Politik eingreift, kommt es zu Verwerfungen“

Ehmkenhagen/Kloster Wulfshagen „Wenn die Politik eingreift, kommt es zu Verwerfungen“

Milchpreiskrise, Streit um Glyphosat: Landwirte fordern Molkereien und Politik zum Handeln auf

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Hoch zu Ross zeigten die jungen Reiterinnen vom Gestüt Nordvorpommern das Märchen „Der gestiefelte Kater“. Fotos(5): Carlolin Riemer

Ehmkenhagen/Kloster Wulfshagen. Auch wenn in Ehmkenhagen und Kloster Wulfshagen und vielen anderen Landwirtschaftsbetrieben gestern gefeiert wurde, ohne Blick auf die aktuellen Probleme ging es trotzdem nicht. „Wir sind in schwerem Fahrwasser“, gab Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern zu bedenken. „Die Landwirtschaft befindet sich in der größten Marktkrise seit 25 Jahren“, sagte Landesbauernpräsident Detlef Kurreck, „wir brauchen einen funktionierenden Markt. Wenn die Politik eingreift, kommt es oft zu Verwerfungen.“

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Milchpreiskrise, Streit um Glyphosat: Landwirte fordern Molkereien und Politik zum Handeln auf

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Es sind vor allem zwei große Streitthemen, die die Landwirte im Moment beschäftigen: Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat und die Milchpreisentwicklung. Doch was in beiden Fällen richtig ist, darüber herrscht Unklarheit. Das, so viele Landwirte, hängt vor allem auch mit der Kompetenz der Entscheider in Sachen landwirtschaftlicher Themen zusammen. „Die, die Einfluss nehmen, müssen die entsprechende Kenntnisse haben“, fordert Ansgar Kurp, Chef des Gestüts Nordvorpommern. Deutschland enthält sich bei der Entscheidung um die Weiterzulassung des Mittels, ein Zeichen dafür, dass das Engagement, sich mit dem Thema ausreichend auseinanderzusetzen fehle.

Fehlende Sachkenntnis?

Doch nicht nur in der Politik fehle Sachkenntnis. „Die Politik muss auch dafür sorgen, dass der landwirtschaftliche Sachverstand in den Verwaltungen vorhanden ist“, sagt Christian Ehlers, Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordvorpommern.

Dann wäre vielleicht vieles leichter.Zumindest aus Sicht der Bauern und zumindest, was Glyphosat angeht. „Wenn Glyphosat in Lebensmitteln nachgewiesen wird, kann man die Angst der Menschen sicherlich nachvollziehen“, sagt Ansgar Kurp. Dennoch gebe es viele Auflagen, die in den vergangenen Jahren sogar noch strenger geworden seien. „Aber es gibt auch in der Landwirtschaft ein umdenken“, sagt Kurp.

Mit dem stärkeren Einsatz sogenannter Pflanzenschutzmittel sei pfluglose Bearbeitung des Ackerbodens vor Jahren fast schon Standard gewesen. Mittlerweile würde öfter gepflügt, was den Glyphosateinsatz verringert. „Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte“, sagt Wilfried Lenschow.

Der wiederum hat auch noch ein anderes Problem, die fallenden Milchpreise. Im Mai und Juni wurde der Milchpreis pro Kilogramm abermals von den Molkereien herabgesetzt. „Im Mai hatten wir 21 Cent pro Kilo, angedeutet wurde, dass er im Juni unter 20 Cent fällt“, so Wilfried Lenschow. 470 Kühe hat Lenschow, alles zusammengerechnet, macht er pro Kuh im Jahr einen Verlust von rund 1000 Euro. 470 000 Euro jährlich gehen so verloren. Aber einfach aufgeben, ist nicht. „Das wäre der letzte Schritt. Trotz aller Hürden werden wir auch dieses Jahr meistern“, sagt Wilfried Lenschow. Denn der Betrieb sei breit genug aufgestellt, um das Jahresergebnis aus dem Milchverkauf aufzufangen, noch.

Molkereien sind gefragt Doch was tun, um den Milchpreis zu stabilisieren? Bei den Gründen fällt immer wieder das Russlandembargo, das die Milchbauern stark getroffen hat. Bürokratie abbauen, gehört ebenfalls zu einer der Forderungen. Doch mehr könne die Politik eigentlich nicht machen, schließlich herrscht freie Marktwirtschaft. Deshalb seien die Molkereien gefragt. „Die Molkereien machen es sich zu leicht“, sagt Lenschow, der auch bei den Milchverarbeitern einen Strukturwandel fordert. Sprich: Auch die Molkerein sollten sparen. Und obwohl die Milchbauern genossenschaftlich organisiert sind, die Molkereien eigentlich also ihnen gehören, schaffen sie es nicht, genug Einfluss darauf zu nehmen. „Wir müssen den Druck auf die Molkereien und das Management erhöhen.“

4000 Gäste beim „Tag des offenen Hofes“

Da wirkte Wilfried Lenschow, Chef der Agrargenossenschaft Bartelshagen I, ein wenig gerührt, als ihm seine Mitarbeiter dankten, die geladenen Gäste gratulierten und das Publikum in dem großen Festzelt an der Milchviehanlage nicht aufhören wollte zu applaudieren. 25 Jahre Agrargenossenschaft Bartelshagen: Ein Grund zu feiern.

Wie passend, dass zum Tag des offenen Hofes auch noch rund 4000 Gäste gekommen waren.

„Wir sind stolz, Landwirte zu sein“, sagte Wilfried Lenschow. Seine 35 Kollegen seien immer mit Herzblut bei der Arbeit – auch in aktuell schweren Zeiten. Kaum Regen und wenig Gewinn für viel Arbeit.

Aber Lenschow wollte an diesem Tag nicht nur zeigen, mit wie viel Verantwortung Landwirte einen Acker bestellen, sondern auch, dass sie keine Angst haben, ihre Ställe zu öffnen. Und das taten sie.

Die absoluten Lieblinge auf dem Hof waren bei den Kindern wohl die zehn Tage alten Kälbchen, die die Gäste mit ihren großen Augen neugierig musterten.

Die Männer zeigten sich eher von den schweren Landwirtschaftsgeräten fasziniert, kletterten unermüdlich in die hohen Fahrerkabinen von Mähdrescher und Traktor und erlebten sie beim Schaudreschen in Aktion. „Das ist doch ein Beruf, den junge Männer lieben müssen – so viel moderne Technik. Gar nicht mehr mit der Arbeit in einer LPG zu vergleichen “, sagte Siegfried Siewert (59).

Neben dem modernen Fahrzeug demonstrierten Marko Schröder (40) und Christian Kirstein aus der Museumsscheune Ehlershof in Rostocker Wulfshagen, wie die Bauern in den 1920er Jahren mit einer Schlagleisten-Dreschmaschine Getreide droschen – eine Zeitreise durch die Geschichte der Landwirtschaft.

Dass die Zeiten hart sind, erfuhren die Gäste an einem Infostand: Während der Verbraucher beispielsweise für Rapsöl 1,15 Euro zahlt, bekommt der Bauer lediglich 14 Cent davon ab. Mit noch weniger Geld muss er auskommen, wenn er Gerste oder Weizen anbaut. Kostet ein Brot 2,80 Euro, wandern lediglich 16 Cent in die Kasse der Landwirte. Wilfried Lenschow empfand den Tag als „absolut erfolgreich“ und war nicht nur stolz auf seine Kollegen, sondern auch auf die Gäste, die sich so sehr für seinen Beruf interessierten. „Wann hat man schon die Möglichkeit, einen solchen Betrieb von Innen zu sehen? Ich bin heute das erste Mal auf einem derartigen Hof“, sagte auch Siegfried Siewert.

Und wer die Chance am Sonntag verpasst hat, bekommt sie auch nicht so schnell wieder. Ansgar Kurp, Leiter des Gestüts Vorpommern, öffnete in Kloster Wulfshagen zuletzt im Jahre 2001 seine Stalltüren – und gestern. Auch er war überwältigt von der Vielzahl der Gäste. Der Hof ist Zuhause für 100 Pferde. In der Reitanlage führten junge Reiterinnen auf ihren Pferden das Märchen „Der gestiefelte Kater“ auf und draußen beschlug Hufschmied Daniel Bülow einen acht Jahre alten Hengst unter neugierigen Besucheraugen.

Aber der Tag wurde nicht nur für unterhaltsame Showeinlagen genutzt, es wurde auch das Problem der Nachwuchs-Gewinnung angesprochen. Nur wenige junge Menschen möchten heutzutage noch eine Ausbildung zum Pferde-Land- oder Forstwirt absolvieren. „Viele junge Menschen entfernen sich immer weiter von den ländlichen Strukturen. Dabei sind es Berufe, die mit sehr viel moderner Technik verbunden sind.

Die Azubis müssen schon über einen gewissen Intellekt verfügen und nicht nur mit der Mistgabel über den Hof laufen“, erklärte Ansgar Kurp. Er hofft, dass sich junge Leute angesprochen fühlen und sich der nächste Pferdefachwirt am Tag des offenen Hofes bereits unter den Gästen befand.

Robert Niemeyer Carolin Riemer und Robert Niemeyer

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