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Rollstuhlfahrer stoßen an Grenzen

Ist Ribnitz-Damgarten barrierefrei? Stufen und steile Rampen behindern Rollstuhlfahrer Rollstuhlfahrer stoßen an Grenzen

An einigen Stellen fehlt Hinweis auf behindertengerechten Eingang / Öffentliche Einrichtungen schneiden gut ab

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In der Langen Straße in Ribnitz sind einige Geschäfte nicht barrierefrei. Stufen hindern Michael Otto daran, mit seinem Rollstuhl dort hineinzufahren. Fotos (3): Anika Wenning

Ribnitz-Damgarten. Michael Otto schaut die Lange Straße in Ribnitz entlang. „Überall Stufen“, sagt der Rollstuhlfahrer. „In viele Geschäfte komme ich überhaupt nicht hinein. Ich habe meinen Frisör und mein Café, die behindertengerecht sind. Aber eine große Auswahl habe ich nicht.“ Auch zu „Uhren und Schmuck Alms“ führen Stufen. Da das Ladenlokal nur gemietet sei, könne man keine baulichen Veränderungen vornehmen, erklärt eine Mitarbeiterin gegenüber der OZ. Bisher habe es aber immer eine Lösung gegeben. Notfalls würden die Kunden vor der Tür bedient.

OZ-Bild

An einigen Stellen fehlt Hinweis auf behindertengerechten Eingang / Öffentliche Einrichtungen schneiden gut ab

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Der Marketingchef der Bäckerei Junge, Gerd Hofrichter, kennt das Problem der Ribnitzer Filiale. „Wir suchen nach einer Lösung und sind an der Sache dran. Einen genauen Zeitpunkt kann ich allerdings noch nicht nennen. An einen barrierefreien Zugang hängen noch Folgekosten, unter anderem muss man dann auch barrierefreie Toiletten vorhalten.“

Generell sei man bestrebt, dass die angemieteten Objekte barrierefrei seien — sowohl für Rollstuhlfahrer als auch für Eltern mit Kinderwagen.

Doch nicht nur in der Langen Straße steht der Rollstuhlfahrer vor Problemen. Schlecht sieht es für den 46-Jährigen auch aus, wenn die Apotheke am Bahnhof in der Ulmenallee Notdienst hat. Die Rampe, die zu der Apotheke führt, sei viel zu steil. „Dabei wäre genug Platz gewesen, um sie nicht so steil zu bauen. Wochentags kommt man von hinten über das Ärztehaus zu der Apotheke, aber am Wochenende ist das Ärztehaus geschlossen“, sagt Michael Otto. Yvonne Didlaukat, pharmazeutisch-technische Assistentin, kennt das Problem. „Wir haben den Vermieter schon mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass die Rampe sehr unglücklich gebaut wurde. Selbst mit einem Kinderwagen kommt man dort nicht runter.“ Getan habe sich aber leider trotzdem nichts.

Und auch vor einem weiteren Gebäude in der Ulmenallee hält Michael Otto an und schüttelt den Kopf. Zwei Arztpraxen sind in dem Gebäude in der Ulmenallee 5 bis 7. „Es gibt zwar eine Rampe, aber wenn ich sie hochfahre, bekomme ich die Tür nicht mehr auf. Nur wenn ich rückwärts fahre, funktioniert es“, erklärt der Ribnitzer. Hat man diese Hürden überwunden, landet man allerdings in einem Hausflur ohne Fahrstuhl. Erst als der Rollstuhlfahrer um das Gebäude herumfährt, entdeckt er einen Hintereingang mit Fahrstuhl. „Es fehlt aber ein Hinweisschild. Das ist leider häufig der Fall. Die Rampe am Vordereingang wäre gar nicht notwenig.“ Noch so eine überflüssige Rampe gebe es nach Ansicht von Michael Otto am Eingang des Ribnitzer Bahnhofs. „Der Hinterausgang ist barrierefrei. Da würde am Haupteingang auch ein Hinweisschild reichen. Diese Rampe hätte man dann lieber woanders hinbauen können.“

Alle öffentlichen Einrichtungen seien in der Bernsteinstadt behindertengerecht. „Ins Ribnitzer Rathaus komme ich beispielsweise mit meinem Rollstuhl über den Hintereingang. Das funktioniert sehr gut.“ Bei Veranstaltungen im Stadtkulturhaus wird bei Bedarf eine mobile Rampe aufgestellt. „Rollstuhlfahrer sagen meist schon beim Vorverkauf Bescheid“, erklärt Silke Griwahn. „Aber auch spontan ist es überhaupt kein Problem. Wir haben natürlich auch eine behindertengerechte Toilette.“ Besucher des Ribnitzer Bernsteinmuseums haben ebenfalls keine Schwierigkeiten. Hier gibt es direkt am Haupteingang eine Rampe. „Sie ist sehr breit und auch nicht zu steil“, lobt Michael Otto. Er ist gerade oben angekommen, als ihm auch schon eine Mitarbeiterin die Tür öffnen will.

Pool-Lift in der Boddentherme kaputt

Das Schwimmen fällt wohl nun für längere Zeit ins Wasser. Seit Jahren treffen sich Mitglieder des Behindertensportvereins (BSV) und andere gehandicapte Menschen an jedem Donnerstag in der Boddentherme, um gemeinsam eineinhalb Stunden lang Sport zu treiben.

Viele von ihnen sind auf den Pool-Lift am Beckenrand angewiesen, um ins Wasser zu gelangen. Doch die zehn Jahre alte Einstiegshilfe gab im Oktober des vergangenen Jahres den Geist auf. Damals ermöglichten die Spenden der OZ-Leser zur Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ den Kauf des Gerätes.

Einmal pro Jahr veranlasste Brelle die Wartung — und trotzdem, die Reparatur wäre nun fast so teuer wie die Anschaffung eines neuen Lifts. Anfangs war der 63-jährige Vorsitzende noch voller Hoffnung und rechnete mit Unterstützung, um bald ein neues Gerät kaufen zu können. 6000 Euro müsste der Verein dafür aufbringen. Doch das gestaltet sich schwierig.

Da die Wiederanschaffung bei weitem die finanziellen Möglichkeiten des Vereins übersteigt, schrieb Peter Brelle unter anderem die Stadt Ribnitz-Damgarten, das Innenministerium, Gerichte (aus eingenommenen Bußgeldern können gemeinnützige Aktionen finanziert werden), die Sparkasse und den Lions-Club an. In dem Brief machte er deutlich, wie sehr nicht nur der Verein, sondern auch gehandicapte Menschen aus der Region und Urlauber auf den Lift angewiesen sind.

Doch lediglich der Lions-Club reagierte auf das Anschreiben und sicherte Brelle zu, dass sie die Anschaffung mit 1000 Euro unterstützen, wenn der Verein von anderen Spendern bereits 5000 Euro erhielt. Dass der Lions-Club auf den Hilferuf reagierte, freut Brelle natürlich. Dass alle anderen den Hilferuf ignorierten, löst bei ihm jedoch Unverständnis aus. „Wenigstens eine Absage hätten sie formulieren können“, findet er. Nun versucht er durch die „Aktion Mensch“ etwas Geld zusammen zu bekommen, Hoffnung hat er jedoch wenig.

Für die behinderten Menschen ist das Fehlen des Lifts eine Katastrophe. „Querschnittgelähmte, Spastiker, Menschen mit steifen Gliedmaßen — sie sind auf die Therapie im Wasser angewiesen und müssen nun darauf verzichten.“ Auch für die Boddentherme ist es ein herber Verlust.

Auf ihrer Homepage wirbt sie mit Barrierefreiheit, denn das Schwimmbad konnte den Lift des Vereins mitnutzen.

Wer helfen und einen kleinen Beitrag zur Anschaffung leisten möchte, kann unter der

☎ 0173/3756631 Kontakt aufnehmen.

Wheelmap

Wheelmap.org ist eine Onlinekarte, auf der Freiwillige rollstuhlgerechte Orte bewerten können. Nutzer aus aller Welt markieren mit einem Ampelsystem, welche öffentlich zugänglichen Orte — Restaurants, Cafés, Arztpraxen und andere Gebäude — rollstuhlgerecht sind und welche nicht. Ebenso kann angegeben werden, ob eine rollstuhlgerechte Toilette verfügbar ist. Bereits eingetragene Orte können ohne Anmeldung von Nutzern markiert werden.

Ribnitz-Damgarten ist bei Wheelmap eingetragen. Grün (voll rollstuhlgerecht) markiert ist unter anderem die öffentliche Toilette am Markt, rot (nicht rollstuhlgerecht) der Parkplatz an der Mauerstraße.

Von Caro Anika Wenning

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