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Romantik pur: Ja-Wort hoch am Himmel

Stralsund/Niepars Romantik pur: Ja-Wort hoch am Himmel

Hochzeitspaar lässt sich bei einer Ballonfahrt mit Blick auf den Strelasund trauen / Nieparser Standesbeamter überwindet seine Höhenangst

Stralsund/Niepars. Es klingt märchenhaft, und genauso muss es nach den begeisterten und bildhaften Beschreibungen des Bräutigams auch gewesen sein: Wie in Jules Vernes „Reise um die Erde in 80 Tagen“ winkt eine bunte Gesellschaft aus einem Ballonkorb. Auf dem Weg ins Glück.

Rüdiger Natzius (58) und Kristin Beckmann (53) gaben sich hoch am Himmel das Ja-Wort. Und das wiederum kommt so häufig nicht vor. Beim 258. Ballonaufstieg mit Pilot Ralf Erdenberger vom gleichnamigen Ballon-Unternehmen aus Pudagla passierte es zum ersten Mal. „Wir wollten das unbedingt“, schildert der gebürtige Stralsunder, der seit 1991 als Amtstierarzt im Märkisch-Oderland arbeitet und seit 1987 in Steinbeck lebt.

Auf die verrückte Idee kam das Paar, als Kristin Beckmann ihren Liebsten vor drei Jahren mit einer Ballonfahrt auf Usedom überrascht hatte. „Das war so wunderbar, dass wir gesagt haben, wenn wir einmal heiraten, dann so“, erzählt Rüdiger Natzius. Und unbedingt mit Blick auf Stralsund, denn dort ist der Sohn einer Landwirtsfamilie aufgewachsen. An der Hansa-Schule hat er das Abi gemacht und in der Marienkirche die Orgelregister gezogen.

Nach dem Hochzeitsantrag zu Weihnachten machten sich die Brautleute ans Werk der Vorbereitung und merkten erst einmal, dass es gar nicht so einfach ist, eine befugte Person zu finden, die aus diesem ganz besonderen Anlass auch tatsächlich mit ihnen in die Luft geht. Der Nieparser Standesbeamte Steffen Westphal (26) konnte am Ende der Überzeugungskunst von Rüdiger Natzius nicht widerstehen.

„Zuerst dachte ich, das ist nicht sein Ernst. Aber der Mann war so Feuer und Flamme, da musste ich es einfach machen“, meint Westphal. „Privat wäre ich nie in einen Ballon gestiegen. Ich habe Höhenangst, und mir wird schon schwummrig, wenn ich auf einen Stuhl steige“, gibt er zu.

Das ist doch mal Pflichterfüllung allererster Güte im Amt. Romantik ist Steffen Westphal selbst ohnehin nicht fremd. Der Vater einer Tochter hat seiner Frau, die er 2014 im eigenen Nieparser Standesamt heiratete, den Antrag nach einem Spiel mit seiner Mannschaft mitten auf dem Fußballplatz gemacht.

Auf die Ballon-Brautleute wartete noch eine weitere Zitterpartie: Das Wetter musste stimmen. Und da gab es an zwei Tagen gleich mehrere Termine zwischen Morgenrot und Abendglühen mit der Hoffnung, dass der Wind sich legt . Eins hatte Kristin, die in Rostock einen Frauenkulturverein leitet, aber von vornherein festgelegt: Wenn es mit der Ballonfahrt nichts wird, heiraten wollte sie am 19. Juni trotzdem, egal was kommt.

Dieses Datum steht nun auch in den Hochzeitsringen. „Das muss aber noch geändert werden, denn tatsächlich fand die Trauung am Tag vorher statt“, erzählt Rüdiger Natzius lachend. Weil eben genau am Abend des 18. Juni alles passte.

Trauzeugen, Standesbeamter und enge Freunde spielten mit. Vor der Ballonfahrt wurde die Unterschrift noch auf festem Boden geleistet – da kennt das Gesetz keine Gnade. Der offizielle Akt fand im Hochzeitspavillon des Naturcamps zu den zwei Birken in Duvendiek statt. „Die Ehe muss an einem amtlich bestätigten Ort geschlossen werden, sonst ist sie ungültig“, sagt Verwaltungsfachangestellter Westphal, der sich in einem Lehrgang für Personenstandswesen zum Standesbeamten qualifiziert hat und gerade dabei ist, seinen Verwaltungsfachwirt zu machen.

Die komplette Trauungs-Zeremonie hat der Nieparser dann tatsächlich hoch am blauen Himmel durchgeführt und den Brautleuten dort auch noch einmal das Ja-Wort abgenommen, das mit dem Hochzeitskuss besiegelt wurde. Und nach der Landung auf Rügen gab’s in der Stralsunder Brasserie die zünftige Ballonfahrer-Taufe.

Für das Ehepaar, das eine Fernbeziehung „zwischen Wasser und Wald, Ostsee und Oderbruch, zwischen Stadtwohnung und Landhaus“ führt, ist es die zweite Ehe. „Und die hält“, ist Rüdiger Natzius sicher.

„Wir wollen miteinander glücklich sein und für unsere Kinder, Enkel, Urenkel ... gute Unterstützer.“

Gern erzählt der Veterinärmediziner, was ihn und seine frisch Angetraute verbindet: „Die Liebe zur Musik, der Hang zum dolce vita, Neues entdecken, auf Reisen sein, Probleme lösen und der Humor.“

Freunde und Familie sind ihnen wichtig, sie haben gern Gäste und fahren oft Rad – mit und ohne Elektro-Antrieb. „Wir können prima gemeinsam lachen und weinen“, sagt Kristin Beckmann-Natzius. Er weiß

seine Frau mit Gedichten zu beeindrucken, die er aus dem Stand zitiert. Sie ist auf ihrer Jolle Kapitän. Später möchten sie gemeinsam am Meer leben. Stralsund steht ganz oben auf ihrer Liste.

Marlies Walther

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