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Saaler Bodden unter dunklen Segeln

Althagen Saaler Bodden unter dunklen Segeln

37 Zees- und zwei Netzboote sind bei der Althäger Regatta am Wochenende gestartet / 3000 Besucher haben die Wettfahrt auf dem Saaler Bodden verfolgt, sie hält eine Tradition am Leben

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Klaus Holst zählte mit dem „Nordischen Löwen“ nicht zu den schnellsten Teilnehmern.

Althagen. Obwohl die Startglocke längst ertönt ist, hat es Kapitän Klaus Holst nicht eilig. Gemächlich setzt er sich hinter das Ruder, während Sohn Ingo und Enkel Hendrik langsam die braunen Segel klarmachen. An der Steuerbordseite zieht ein Zeesboot nach dem anderen an ihrem acht Meter langen „Nordischen Löwen“ vorbei – auf der Jagd nach dem ersten Platz bei der Althäger Fischerregatta. Holst, schick herausgeputzt im maritimen Blau, blickt der Konkurrenz gelassen hinterher: „Wir können eh nicht gewinnen“, winkt der 79-Jährige ab. „Die großen Boote rasen davon, die kleinen dackeln hinterher.“

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37 Zees- und zwei Netzboote sind bei der Althäger Regatta am Wochenende gestartet / 3000 Besucher haben die Wettfahrt auf dem Saaler Bodden verfolgt, sie hält eine Tradition am Leben

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Frauen-Power: „Gertrud“ vor „Marie“ und „Hanna“

15 Seemeilen mussten die Zeesboote bei der Regatta absolvieren. Mit mehr als drei Minuten Vorsprung haben die Sieger der 23. Althäger Fischerregatta die Ziellinie passiert: Die Crew der „Gertrud“ brauchte 1:49:04 Stunde für den Kurs auf dem Saaler Bodden. Platz zwei holte sich die „Marie“

(1:52:27), Rang drei die „Hanna“ (1:56:05).

Auf alten Eichenplanken und unter braunen Segeln fahren am Sonnabend 37 Zees- und zwei Netzboote über den Saaler Bodden. 15 Seemeilen liegen vor ihnen bei Windstärke fünf, teilweise sechs. Die ordentliche Brise sorgt für Schaumkronen auf dem Wasser und rüttelt an den Schiffen. Doch ihre zwei bis zehn Mann starken Crews sind regattaerfahren. Sie wissen, wie man den Luftzug am geschicktesten in die Segel lockt. Mal ziehen sie an Seilen, mal lassen sie sich vom Wind treiben, mal kreuzen sie ihn. „Die kleinen Boote können sechs Knoten erreichen, die großen acht“, erklärt Andreas Schönthier. Er hat die Regatta in diesem Jahr zum 23. Mal organisiert – damit eine alte Tradition nicht in Vergessenheit gerät. Ein Großteil der Boote mit den stolzgeblähten rot-braunen Segeln ist mehr als 100 Jahre alt. Früher haben Fischer damit Schleppnetze über den Grund gezogen und somit „gezeest“.

Auch Wettfahrten haben eine lange Tradition. 1909 wurde die erste Regatta mit zehn Zeesbooten ausgetragen, seit 1964 gibt es die jährlichen Rennen in unterschiedlichen Revieren Mecklenburg-Vorpommerns. Die Abschlussveranstaltung ist am dritten Septemberwochenende vor Althagen, einem Ortsteil von Ahrenshoop auf dem Fischland-Darß-Zingst. Urlauber und Einheimische pilgern jedes Jahr in den kleinen Hafen, um maritimes Flair zu genießen.

Für das sorgt auch Uwe Kabelitz aus dem Nachbarort Wustrow. Mit schneeweißem Vollbart sitzt der 76-Jährige beinahe regungslos auf der „Westward“. Er nuckelt an einer Tabakpfeife, zwischen seinen Füßen steht eine halbvolle Whiskyflasche. „Ich bin der olle Uwe und Dekoration“, sagt er. Und tatsächlich, keine Minute vergeht, in der der Seemann nicht fotografiert oder gefilmt wird. „Wenn ich von jedem einen Groschen kriege würde, wäre ich steinreich“, lacht der Hafenmeister. Und wie auf Kommando stehen gleich sechs Leute um ihn herum. „Trink doch mal einen Schnaps“, ruft ihm ein Mann zu.

Doch der olle Uwe verharrt wie in Stein gemeißelt am Heck des Bootes, während dazu das passende Lied zu hören ist: „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“.

Mit Shantys, Fischerliedern und Piratengesängen nehmen die Veranstalter Kurs auf die Seemannsherzen der Besucher. Die sind vornehmend älterer Generation, so wie Rainer Blonkowski. Der 66-Jährige aus der Nähe von Dortmund urlaubt zum vierten Mal in Zingst. Den Ausflug nach Althagen genießt er ausgiebig: „Das ist meine erste Regatta, sie ist wunderschön.“ Neugierig schaut er dem Regattafeld hinterher. Selbst in ein Zeesboot steigen will Blonkowski während seiner Ostseeferien auch noch, um sich vom Wasser aus Kraniche anzuschauen.

Den besten Ausblick bei der Wettfahrt konnte wohl Franziska Voß von der eichengeplankten „Irmchen“ genießen. Mit dem Bootsmannstuhl war sie vor dem Start etwa sieben Meter den Mast heraufgezogen worden, um das Seil auszutauschen, das das Segel hochzieht. „Es ist nicht mehr ganz in Ordnung, bei dem Wind heute wäre es verantwortungslos, damit loszufahren“, sagt die Rostockerin.

Eine Stunde später, Punkt 13 Uhr, fällt der Startschuss, gegen 15 Uhr erreichen die ersten Zeeser das Ziel, „Irmchen“ als Neunte. Einige Boote schaffen es nicht in die Wertung. Sie sind einem havarierten Schiff zu Hilfe geeilt. Eine Böe hat die „Eiken Hans“ kentern lassen. An Land bekommen die Gäste davon nicht viel mit. Sie werden von 30 Händlern und einer Volkstanzgruppe unterhalten.

Abends können die Besucher selbst unter dem Sternenhimmel tanzen. Kurdirektor Roland Völcker ist zufrieden. Rund 3000 Gäste sind gekommen.

Kerstin Schröder

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