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Schwalben auf Baustelle getötet

Barth Schwalben auf Baustelle getötet

Bei Bauarbeiten am Speicher II im Barther Osthafen wurden dutzende Schwalbennester mit Jungvögeln gewaltsam entfernt. Zeugen sind schockiert von dem Vorfall.

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Jürgen Börmel vor dem Speicher im Barther Osthafen. Er ist nicht der einzige Zeuge.

Quelle: Carolin Riemer

Barth. Wenn Jürgen Börmel (69) die Ereignisse der vergangenen Wochen beschreibt, benutzt er Worte wie „barbarisch“ oder „grausam“. Noch vor zwei Wochen genoss er das regelmäßig wiederkehrende Naturschauspiel am Barther Osthafen. Abends traf er sich mit Bekannten aus Nordrhein-Westfalen auf dem Restaurantschiff „Granitz“. Zusammen beobachteten sie etliche Schwalben am Abendhimmel, die ihren Nachwuchs fütterten. Mindestens 25 Nester gab es da noch an der Verladebrücke des alten Getreidespeichers II. „Wie viele Nester sich am restlichen Gebäude befanden, kann ich gar nicht schätzen.“

Jungtiere verhungerten oder wurden vom Hochdruckstrahler weggeschossen

Diese Beobachtungen sind jetzt Geschichte. Keine Nester. Keine Schwalben. Was bleibt, ist das Unverständnis und die Wut. Der einstige Speicher wird derzeit umgebaut. 71 luxuriöse Ferienwohnungen entstehen hier. „Die Arbeiter stellten ein Baugerüst auf und spannten einen Staubschutz davor“, beobachtete Börmel. Und nicht nur das: Viele Anwohner wurden seitdem Zeugen umherirrender Schwalben, die ihre Nester und ihren Nachwuchs nicht mehr erreichen konnten. Damit nicht genug: „Sie haben die mit Jungtieren besetzten Nester mit Hochdruckstrahlern von den Wänden geschossen. Wenn die kleinen Vögel nicht schon vorher verhungert waren, spätestens bei diesem Einsatz sind sie gestorben.“ Jürgen Börmel ist fassungslos, als er von dem Erlebten berichtet. Etliche Gespräche habe er mit anderen Barthern geführt, die ähnliches beobachteten. Er zeigte den Vorfall bei Dr. Andreas Osterland von der Umweltbehörde des Landkreises an.

Anzeige wird bearbeitet und weitere Zeugen werden gesucht

„Dieses Vorgehen ist absolut unverständlich“, sagt sein Kollege Jan Trenkmann, der in Grimmen als „Fachdienstleiter Umwelt“ arbeitet. Die Anzeige von Jürgen Börmel wird derzeit bearbeitet. Beweise werden gesammelt, Zeugen gesucht und der Straftatbestand geprüft. „Dann wird der Fall an den Staatsanwalt weiter gegeben“, informiert Trenkmann. Hat die Firma vorsätzlich gehandelt, muss mit einer Strafe von etwa 10 000 Euro gerechnet werden. Schwalben stehen, wie andere Singvögel auch, unter Naturschutz. „Wir werden vor Ort prüfen, ob die Schwalben dort gänzlich vertrieben wurden. Wenn nicht, müssen an dem Gebäude Ausgleichsmaßnahmen getroffen werden.“ Dass Schwalben ihren Nachwuchs zwischen Juni und August groß ziehen und die Jungen in dieser Zeit besonders hilflos sind, weil sie noch nicht fliegen können, bestätigt auch Frank Effenberger, der als Biologe bei der Umweltbehörde arbeitet. Auch Ralf Schmidt, Mitarbeiter des Naturschutzbundes in Barth bestätigt, dass an dem lange ungenutzten Gebäude seit Jahren Kolonien der Mehlschwalben nisteten. „Eine Gutachter hätte das prüfen müssen bevor die Baugenehmigung erfolgte“, sagt er. Zu spät. Die Tiere sind weg.

Jungtiere wurden für Profitgier geopfert

Diese Fakten brechen Jürgen Börmel schier das Herz. „Wir befinden uns kurz vor der Kernzone zum Naturschutzgebiet Vorpommersche Boddenlandschaft und wollen Touristen einerseits eine intakte Natur präsentieren. Andererseits werden schutzbedürftige Lebewesen mit Hochdruckstrahlern getötet – aus Profitgier. Die Bauarbeiten hätten warten müssen, bis die Vogelbrut beendet ist. Bauaufsicht und Stadt haben versagt.“ Vor zehn Jahren zog der 69-jährige, der früher als technischer Angestellter in einem Energiekonzern arbeitete, vom Ruhrgebiet in die Vinetastadt. „Ich habe mich immer an der Landschaft erfreut und sorge mich langsam, dass auch hier alles zerstört wird – nur um Wohnraum zu schaffen, den sich sowieso kein Barther leisten kann.“ Nach dem Willen der Investoren sollen in dem alten Getreidespeicher bis zum nächsten Jahr 71 Ferienappartements, ein Restaurant und eine Bar entstehen.

Carolin Riemer

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