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Schwanger mit 15 – heute glücklich mit Tochter Mia

Rostock Schwanger mit 15 – heute glücklich mit Tochter Mia

Teenie-Mutter Nadine Nguyen hat es gepackt / Aufklärung für Achtklässler des ISG an der Rostocker Uni-Frauenklinik / Schwangerschaften Minderjähriger rückläufig

Rostock. Mia Leony ist heute fünf Jahre alt und ein fröhliches Kind. Ihre Mutter Nadine Nguyen war 15, als sie mit ihr schwanger wurde. „Ich ging in die achte Klasse“, denkt die junge Rostockerin zurück. „Es ist eben passiert“, sagt die 21-Jährige, die noch heute mit Mias Papa, Kevin Laabouchni, glücklich zusammenlebt. „Mein Freund hat mir damals sehr geholfen, die Elternzeit genommen, damit ich die neunte Klasse und die Berufsreife machen kann“, erzählt die Teenie-Mutter, die auch von ihrer Mutter sehr unterstützt wurde.

Mit Babybauch zur Schule? Das können sich die Achtklässler des Innerstädtischen Gymnasiums nicht vorstellen. Rund 150 Schüler aus sechs achten Klassen des ISG hatten zu Wochenbeginn im Hörsaal des Klinikums Südstadt „Aufklärungsunterricht“. Frauenärztin Dr. Angrit Stach bringt den Jugendlichen Wissenswertes und Wissenschaftliches zu Pubertät, Schwangerschaft, Verhütung, Krankheiten nahe.

„Elf Prozent der Mädchen und acht Prozent der Jungen unter 14 Jahren hatten bereits Geschlechtsverkehr“, sagt die Medizinerin der Uni-Frauenklinik. Und: „20 Prozent verhüten nicht beim ersten Mal.“

Das kann Folgen haben und auch hier verweist die Expertin auf die Bundesstatistik: Pro Jahr werden etwa 11000 Mädchen unter 18 Jahren schwanger. 6000 von ihnen kommen zum Schwangerschaftsabbruch.

„Die Zahlen sind leicht rückläufig“, räumt Dr. Stach ein und führt dies auf verstärkte Aufklärung zurück.

2015 haben in der Rostocker Frauenklinik 26 Minderjährige ein Kind bekommen, 2014 waren es 22. Die Zahl der Abbrüche sei ganz klar höher, sagt die Gynäkologin, die seit 20 Jahren in der Klinik arbeitet. Als vor zehn Jahren auch in Rostock vermehrt Teenie-Schwangerschaften auftraten, entwickelten Ärzte der Uni-Frauenklinik ein Projekt mit Schulen. „Wir wollten aus frauenärztlicher Sicht eine Ergänzung zum Unterricht anbieten“, sagt Angrit Stach. Alle Schulen seien angeschrieben worden, mit einigen wurde das Angebot in den ersten Jahren realisiert. Am Ball geblieben ist das ISG, das alljährlich mit achten Klassen die Vorträge im Hörsaal in der Südstadt wahrnimmt. „Die Schüler sind sehr interessiert“, sagt Klassenlehrerin Ines Gottwald. Es sei wichtig, dass diese Unterrichtsstunde außerhalb der Schule und mit Ärzten stattfinde, die die Problematik aus ihrer Erfahrung heraus erklären können.

Die verschiedenen Möglichkeiten der Verhütung, „da war mir einiges nicht bekannt“,sagt Lea Germanotta (14) nach dem Vortrag. Eva Freitag (13) waren die Krankheiten, die übertragen werden können, „nicht so bewusst“. Auch die Jungen fühlen sich aufgeklärter. „Wie wirkt die Pille im Körper der Mädchen, da sind wir jetzt schlauer“, sagen Jesse Koch (14) und Nick Haacker (14) nach der ungewöhnlichen Schulstunde.

Ein Kind in der Schulzeit, „das bedeutet viel Stress in der Familie“, weiß eine Mitschülerin zu berichten, deren Schwester mit 16 Jahren entbunden hat. „Bei uns ist ja alles gut verlaufen“, sagt Nadine Nguyen, die gerade in der Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement steckt. „Erst Schule und Ausbildung beenden“, rät sie den Mädchen aus heutiger Sicht. „Ein Baby zu haben, ist nicht einfach, das kostet Nerven“, sagt die junge Mutter, die in ihrer Schwangerschaft von einem Filmteam für die RTL-Serie „Teenie-Mütter“ begleitet wurde. Sie sei froh, Mias Vater an ihrer Seite zu haben. „Das ist in meinem Freundes- und Bekanntenkreis oft nicht der Fall“, sagt die 21-Jährige.

Der Vater macht sich aus dem Staub, die Schule wird nicht beendet, Großeltern nehmen ihre Rolle nicht an. Das seien häufig Probleme in Teenie-Schwangerschaften. „Zudem ist es für viele Mädchen ein Riesenkonflikt, mit den Eltern zu reden“, sagt Stach. Hier könnten Frauenärzte als professionelle Vermittler einspringen. Es gäbe viele soziale Hilfestellungen. „Ein Abbruch ist immer nur eine Notlösung, zu der man es erst gar nicht kommen lassen sollte.“

Doris Kesselring

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