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Zur Schule ging es in Holzpantoffeln

Dörfer der Region: heute Todenhagen — rockige Klänge, rekonstruierte Turmhügelburg, ursprüngliche Natur Zur Schule ging es in Holzpantoffeln

Herbert Bladt ist im Dorf geboren und gehört zu den ältesten Einwohnern / Seit 55 Jahren lebt Ehefrau Margit an seiner Seite

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Margit und Herbert Bladt fühlen sich wohl in der Natur. So haben sie sich auch auf ihrem Anwesen ihren kleinen Wald geschaffen.

Quelle: Fotos: Wilma Welzel

Todenhagen. Freundlich lächelnd empfängt Herbert Bladt (79) nach überstandener schwerer Krankheit seine Gäste, noch gestützt auf seinen Gehstock „Gustav“, den er selbst geschnitzt hat. „Der Griff ist eine Sprosse vom Hirschgeweih“, sagt er schmunzelnd: „So, wie sich das für einen richtigen Jäger gehört. Deshalb trage ich auch am liebsten Grün. Die Natur liegt mir sehr am Herzen.“ Der Senior wird jedoch bald nachdenklich, zeigt auf sein großes, gepflegtes Anwesen, das von Wiesen und Wald umgeben ist. „Schön ist es hier, Ruhe, unberührte Natur, freundliche Menschen. Dort im Haus gegenüber wurde ich geboren, hier ist meine Heimat. Und alles möchte ich noch lange genießen.“ Ehefrau Margit Bladt (79), die während seiner Krankheit stets an seiner Seite war, blickt ihn liebevoll an und sagt: „Das wollen wir, hier ist unser Zuhause, unser Leben.“

Schön ist es hier. Die Natur liegt mir sehr am Herzen.“

Herbert Bladt, Rentner

Herbert Bladt liebt die Natur seit seiner Kindheit, an die er sich gern erinnert: „Sie war das Beste, was man sich vorstellen kann. Was für Freiheiten hatten wir damals hier auf dem Land.

Nach der Schule wurde die Mappe in die Ecke gelegt, und es ging es mit sieben, acht Freunden zum Spielen, fast immer barfuß. Wir streiften durch den Wald, spielten Völkerball, badeten im Sommer im Dorfteich, und im Winter spielten wir auf dem Eis.“ Im Teich habe er übrigens schwimmen gelernt, so der Senior. „Das hat uns Lehrer Adam beigebracht, mit einer Wäscheleine um den Bauch ging es ab ins Wasser. Wenn die Luft knapp wurde, zog er uns wieder heraus. Aber so haben wir schwimmen gelernt.“ Zur Schule ging es nach Ahrenshagen. „Zu Fuß in Holzpantoffeln, bei Wind und Wetter! Und wenn wir den Fahrer des Milchwagens freundlich grüßten, nahm er uns in seinem Wagen mit.“ Die Todenhäger Schule, die seine Mutter noch besucht habe, sei bereits Siedlerstelle gewesen, erzählt er.

Schön sei es gewesen, in der Adventszeit den Weihnachtsbaum in dem tief verschneiten Wald zu schlagen und nach Hause zu holen. Auch das Schweineschlachten in den Wintermonaten sei immer etwas Besonderes damals gewesen. Zu Hause habe er natürlich mit seinen drei Geschwistern mit zupacken müssen, denn die Eltern arbeiteten tagsüber. „Das war einfach selbstverständlich. Von den Erträgen unseres Ackers lebten wir und versorgten unsere Tiere, Schweine, Kaninchen, Hühner“, so der Senior. Besonders hing sein Herz am Haushund der Familie. Deshalb ist seitdem immer ein Hund an seiner Seite, heute sein Jagdhund Birka.Wenn er zurück denkt, fällt ihm auch sein erstes Fahrrad ein, das er von seinem ersten Lehrlingsgeld in der Lehre als Stellmacher bei Hartmut Dahn gekauft hat.

„Dreimal am Tag habe ich es geputzt und gewienert“, sagt er lachend. „Mein Beruf war genau der richtige, mit Holz zu arbeiten ist bis heute neben der Jagd mein zweites Hobby.“

Vor 55 Jahren heiratete der Senior seine Margit, die nach dem Krieg als Flüchtling aus dem Sudetenland nach Schlemmin kam. „Verliebt habe ich mich in sie an einer Eiche vor dem Schlemminer Schloss. Dort reichte sie mir nach einer Radtour ein Glas Wasser, um meinen Durst zu löschen“, erklärt er und schaut seine Frau lächelnd an: „Nun leben wir seit 1962 hier in unserem Haus.“

Als Margit Bladt das erste Mal mit dem Fahrrad nach Todenhagen kam, war ihr erster Eindruck: „ Ein lang gestreckter Ort, ein typisches Bauerndorf, keine festen Straßen. Aber es war viel Leben im Dorf, Feste wurden gefeiert, die heute noch vom Dorfverein und der Feuerwehr organisiert werden. Besonders gefiel mir die wunderschöne Landschaft. Und durch die freundliche Aufnahme im Dorf wurde ich schnell heimisch.“ Nach der Wende seien feste Straßen gebaut, eine neue Straßenbeleuchtung installiert und zahlreiche Häuser gebaut beziehungsweise saniert worden. Auch Herbert und Margit Bladt modernisierten ihr Haus. „Heute sind wir froh darüber, schön und bequem haben wir es hier im Alter“, betont die Ehefrau.

Kurz nach der Wende wurde die LPG, in der die Eheleute lange gearbeitet hatten, umstrukturiert. Seitdem kümmern sie sich um Haus, Hof, Garten und ihre Haustiere. „Das ist unser Leben geworden“, sagt Margit Bladt. „Obwohl wir nicht mobil sind, werden wir durch Verkaufswagen mit Lebensmitteln wöchentlich versorgt.“

Auch Sohn Heiko Bladt (46), der in Damgarten lebt, kümmert sich um die Eltern. „Ja, unsere beiden Söhne mit ihren Familien sind unser Glück“, sagt Herbert Bladt, der auch von Nachbarn und Jagdfreunden gern besucht wird. Dann sitzen sie im Jagdzimmer, den seine Jagdtrophäen zieren: etwa 200 Rehbockgeweihe, präparierte Füchse oder Fischotter. „Ja, ich möchte bald wieder zur Jagd gehen, Auto fahren, durchs Dorf gehen“, sagt der Todenhäger, der sich bisher mit viel Energie ins Leben zurückgekämpft hat. „Immer weiter machen. Nicht aufgeben“, so sein Lebensmotto.

 



Wilma Welzel

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