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Sie gibt gefallenen Soldaten ihre Namen zurück

Ribnitz-Damgarten Sie gibt gefallenen Soldaten ihre Namen zurück

Anneliese Sahr startet im Oktober die 27. Sammelaktion für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

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Anneliese Sahr ist mittlerweile die älteste Sammlerin Mecklenburg-Vorpommerns. Durch ihre Arbeit haben schon etliche Hinterbliebene ihre Angehörigen wiedergefunden. Im Oktober startet sie ihre 27. Sammlung in Ribnitz-Damgarten.

Quelle: Fotos: Carolin Riemer

Ribnitz-Damgarten. Sie hilft, den Toten ihre Namen wiederzugeben: Anneliese Sahr engagiert sich seit 1991 im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK). Spenden sammeln an der Haustür. Angehörigen helfen, ihre Eltern, Großeltern oder Geschwister wiederzufinden, die seit dem Kriegsende verschollen sind – das hat sie sich seit 26 Jahren zur Aufgabe gemacht.

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Anneliese Sahr startet im Oktober die 27. Sammelaktion für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

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Älteste Sammlerin in MV

Ans Aufhören denkt die 83-jährige Ribnitzerin nur sehr selten. Mittlerweile ist sie die älteste Sammlerin Mecklenburg-Vorpommerns und nicht nur das: Sie ist auch eine der Besten und wurde in diesem Jahr vom Landesgeschäftsführer Karsten Richter für ihre Leistungen ausgezeichnet. 1550 Euro konnte sie während der Aktion im vergangenen Jahr einsammeln, eine beachtliche Leistung.

Vom 23. Oktober bis zum 19. November wird Anneliese Sahr wieder an den Ribnitzer und Damgartener Haustüren klingeln. Sie wird Menschen, die noch nie etwas von der Arbeit des Volkbundes hörten, erklären, warum ihre Spenden so wichtig sind, was mit dem Geld geschieht. Und sie wird über die düstersten Zeiten der deutschen Geschichte aufklären. „Seit 1992 hat der VDK dank der Spenden

795 727 Namen und Daten auf Grabsteinen und Gedenktafeln verzeichnet“, sagt die ehemalige Lehrerin. Es sind die Namen gefallener Soldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Der VDK arbeitet weltweit, pflegt überall auf der Welt Soldatenfriedhöfe und organisiert lehrreiche Jugendcamps. Die Mitarbeiter forschen nach den Namen der Vermissten, manchmal helfen Röntgenbilder von Knochen und Zähnen, manchmal hilft die Identitätsmarke, um herauszufinden, wo sich die Vermissten zuletzt aufhielten. Sei es in einem Lazarett oder in einer Einheit der Kriegsstaffel gewesen. Die Arbeit wird oft von Erfolg gekrönt. Der VDK führt die Angehörigen zu den Gräbern, sei es in Polen, Russland oder Japan. Sie organisieren Umbettungen und produzieren Namensbücher und Gedenktafeln.

Die Ungewissheit quält „Meine Verbundenheit mit dieser Arbeit sitzt sehr tief. Wenn ich die Gesichter der Angehörigen sehe, die beglückt sind, wenn sie erfahren, wo ein geliebter und vermisster Mensch ums Leben kam – dann kann man nicht einfach aufhören.“ Sie selbst spürte das Gefühl der Ungewissheit am eigenen Leib. „Wir wussten nicht, wo mein Vater gefallen ist oder wo er beerdigt wurde. Das war schlimm.“ Drei Jahre später, 1948, dann die Gewissheit: „Mein Vater fand seine letzte Ruhe auf einem Soldatenfriedhof in Hamburg Bergedorf. Vier Mal pro Jahr fährt Anneliese Sahr zu der Grabstätte. Sie ist froh, dass das Grab nicht nur ausfindig gemacht werden konnte, sondern dass es seitdem auch gepflegt wird. „Den Namen der Angehörigen erhalten, das ist sehr wichtig für die Hinterbliebenen“, betont sie. In ihrem ersten Jahr sammelte sie in Ribnitz-Damgarten 129 Mark für den Volksbund. Von Jahr zu Jahr wuchs die Summe. Und fast immer habe sie sich bei den Menschen, an deren Haustüren sie klingelte, willkommen gefühlt.

Gewissheit für Körkwitzerin Zuletzt konnte der Volksbund auf Anneliese Sahrs Initiative Rosalia Mandel aus Körkwitz weiterhelfen. Die 85-Jährige war zunächst skeptisch, ob man so viele Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch eine Chance habe, ihren Vater ausfindig zu machen. „Mein Sohn hatte selbst eine Zeitlang nach seinem Verbleib recherchiert, aber nichts herausgefunden“, erzählt sie. In Ermanglung eines Grabes besuchte Rosalia Mandel oft das Kriegerdenkmal in Körkwitz. Und dort traf sie auch Anneliese Sahr, die sie dazu ermunterte, den VDK nach dem vermissten Vater suchen zu lassen.

Vor einigen Wochen bekam Rosalia Mandel einen Brief vom Deutschen Roten Kreuz, mit dem der VDK eng zusammenarbeitet. Darin fand sich ein Foto ihres Vaters. Darunter steht, dass er als Aufseher arbeitete und in einer Schlacht im Frühjahr 1945 im Raum Brünn beziehungsweise Prag ums Leben kam. Er sei zuletzt in der SS Panzer Grenadier Schule 3 gewesen und es gebe keine Hinweise auf eine Gefangenschaft.

Rosalia Mandel ist erstaunt über die Rekonstruktion der letzten Tage ihres Vaters. „Es ist eine Erleichterung, dass ich nun weiß, wo er ist. Ich würde gern noch einmal in diese Gegend reisen“, sagt sie leise. Es sind schicksalsklärende Auskünfte, die der VDK erteilt – und vermutlich ist er das Beste, was aus den düstersten Zeiten Deutschlands hervorging.

Große Sammelaktion in Ribnitz-Damgarten

795 727 Namen und Daten konnte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge dank freiwilliger Spenden auf Grabzeichen setzen und vermissten Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkrieges somit nicht nur ihre Identität zurück geben, sondern auch den Hinterbliebenen Gewissheit schenken.

Vom 23. Oktober bis 19. November sammelt Anneliese Sahr an Ribnitzer und Damgartener Haustüren Spenden. Wer auch spenden möchte, kann sich gern bei Anneliese Sahr unter ☎ 03 8 21/81 09 98 melden.

Carolin Riemer

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