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Torhüter sind hart im Nehmen

Ribnitz-Damgarten Torhüter sind hart im Nehmen

Die Schlussmänner vom Ribnitzer HV und PSV Ribnitz-Damgarten hauen sich mit allem rein, was sie haben

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Höchste Konzentration: RHV-Keeper Andreas Lürken fokussiert seine Augen auf den Ball. Fotos (4): Tommy Bastian

Ribnitz-Damgarten. Ein bisschen verrückt sind sie schon: Torhüter. Ob im Handball beim Ribnitzer HV (RHV) oder im Fußball beim PSV Ribnitz-Damgarten – die Schlussmänner stehen oft im Mittelpunkt, sind die letzte Hoffnung ihrer Mannschaften und müssen nicht selten richtig einstecken.

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Die Schlussmänner vom Ribnitzer HV und PSV Ribnitz-Damgarten hauen sich mit allem rein, was sie haben

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Tobias und Andreas sind ganz unterschiedliche Torwart-Typen. Aber sie ergänzen einander gut.“RHV-Trainer Thilo Meyer (49)

„Einen Ball ins Gesicht zu bekommen, tut zwar weh, aber dann geht er wenigstens nicht rein“, sagt RHV-Torwart Andreas Lürken, der jüngst beim 27:25-Erfolg in Güstrow mit starken Paraden zum Spieler des Tages avancierte. Seine Aussage gewinnt an Bedeutung beim Blick auf die Wurfgeschwindigkeiten, die im Handball erreicht werden. In der Bundesliga rauschen die Bälle mit bis zu 120 (!) Sachen auf die Torleute zu. In der MV- Liga, in der die Ribnitzer (6. Platz, 4:2 Punkte) morgen (18 Uhr, Sporthalle „Am Mühlenberg“) den Schwaaner SV (10., 2:4) empfangen, dürften noch mehr als 100 erreicht werden.

Das hindert sowohl den 25-jährigen Lürken als auch seinen Torwart-Partner Tobias Kleinecke (27) nicht daran, sich furchtlos den „Raketen“ in den Weg zu stellen. Genau jene Momente, wenn der gegnerische Spieler frei durch ist, er hinten ganz alleine steht und den Ball pariert, so Kleinecke, würden ihn reizen. „Das ist geil“, verdeutlicht der Ribnitzer Publikumsliebling, der die Fans mit vielen Emotionen und spektakulären Paraden begeistert. Der gelernte Kfz- Mechatroniker lebt seine Gefühle aus, feiert Paraden lautstark und gestenreich, sitzt nach misslungenen Aktionen und Niederlagen aber auch mit hängenden Mundwinkeln am Boden.

RHV-Coach Thilo Meyer honoriert den Einsatz. „Tobias spielt sehr unorthodox, handelt oft aus dem Bauch heraus und besticht mit seiner Dynamik“, lobt der 49-Jährige, der gegen Schwaan den dritten Saisonsieg anstrebt. Ob dann Kleinecke oder Lürken im Tor beginnt, will er kurzfristig entscheiden. Aus dem Bauch heraus.

Ein ganz anderer Torwart-Typ ist Andreas Lürken, den seine gute Technik auszeichnet. Der gebürtige Jülicher (Nordrhein-Westfalen), der in Rostock studiert und 2015 vom HC Empor II nach Ribnitz-Damgarten wechselte, ist deutlich ruhiger. Er liest das Spiel besser und weiß genau, wann er den Ball mit der Hand oder doch eher mit dem Fuß abwehren muss. Dabei bleibt nicht viel Zeit, nachdem das Spielgerät die Hand des Werfers verlassen hat. Aber nur 0,25 Sekunden beträgt die durchschnittliche Reaktionszeit eines Handball-Torwarts. Zum Vergleich: Die mittlere Reaktionsgeschwindigkeit beim Notbremsen im Straßenverkehr liegt bei 0,45.

Weil das Spiel so schnell ist, sind Handball-Torhüter besonders auf eine gute Zusammenarbeit mit ihrer Abwehr angewiesen. Sie kann mit ihrem Anlaufen der Gegner und einer kompakten Anordnung dafür sorgen, „dass Würfe berechenbarer werden“ (Lürken) und der Keeper sich nur auf eine Ecke des drei Meter breiten Tores zu konzentrieren braucht.

Deutlich größer sind die Tore beim Fußball (7,32 m breit, 2,44 m hoch), wo Hansa-Fan Tobias Kleinecke beinahe jedes Wochenende vorbeischaut. Wenn er nicht im Rostocker Ostseestadion ist, dann bestimmt im Stadion „Am Bodden“. Dort trägt die Landesliga-Elf des PSV Ribnitz-Damgarten, die wegen des Pokal-Wettbewerbs diesmal spielfrei hat, ihre Spiele aus.

Das PSV-Tor hüten in dieser Spielzeit Marco Kracht (30) und Gunnar Falck (28). Sie müssen in den 90 Spielminuten deutlich weniger Bälle abwehren als die Handball-Kollegen in 60. Trotzdem sind sie nicht wegzudenken – so unterschiedlich auch sie sind.

„Das Besondere an unserer Position ist, dass wir Spiele positiv wie negativ beeinflussen können. Und das in jeder Begegnung“, verdeutlicht Kracht, die Nummer 1, und ergänzt: „Du bist im Mannschaftssport und trotzdem meistens auf dich alleine gestellt, musst in Bruchteilen einer Sekunde Entscheidungen treffen oder reagieren.“

Der 1,95-Meter-Hüne Kracht ist der Motivator. Er treibt sein Team pausenlos verbal nach vorne. Falck, für einen Torwart mit 1,73 Metern recht klein, muss die fehlende Größe mit seiner Sprungkraft ausgleichen. Er ist auf den Zuschauerrängen kaum zu hören. Doch seine Kommandos kommen bei den Mitspielern an.

In den jüngsten zwei Spielen stand Falck in der Startelf und kam über die volle Distanz zum Einsatz, Kracht (Muskelfaserriss) fehlte verletzt. Beide Torhüter begegnen sich auf Augenhöhe. „Jeder kann sich auf den anderen verlassen“, meint Kracht, gibt aber zu: „Natürlich ist es für die Nummer 2 schwierig, wenig zu spielen. Aber wir sind ja beide nicht mehr die Jüngsten und leider schon verletzt gewesen, so dass beide zu ihren Einsätzen kamen.“ Anders als beim Handball wird im Fußball nicht hin- und hergewechselt. Der Trainer legt den ersten Torwart fest und wechselt nur dann, wenn dieser ausfällt.

Tommy Bastian

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