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Verkorkste Saison: Besonders die RHV-Routiniers enttäuschen

Ribnitz-Damgarten Verkorkste Saison: Besonders die RHV-Routiniers enttäuschen

Handballer werden in aufgewerteter MV-Liga den eigenen Ansprüchen nicht gerecht

Ribnitz-Damgarten. Die Klasse gehalten, aber das ursprünglich ausgegebene Ziel („oben mitspielen“) deutlich verfehlt. Die OSTSEEZEITUNG analysiert das verkorkste Spieljahr der MV-Liga-Handballer des Ribnitzer HV und blickt voraus, was in Zukunft drin ist.

MANNSCHAFT

Die Mischung aus Jung und Alt im Team stimmt. Doch besonders erfahrene Kräfte wie die Rückkehrer Michael Jacobsen und Sebastian Nucklies enttäuschten über weite Strecken der Saison.

Erst in der Schlussphase steigerten sich die Routiniers, die 2014/15 mit Warnemünde sogar Erfahrung in der Oberliga sammelten. „Keine Ahnung, woran es gelegen hat, aber lange Zeit ist es bei mir nicht gelaufen“, sagt der 29-jährige Jacobsen.

Einigen Akteuren fehlte die Fitness, um an bereits gezeigte Leistungen anknüpfen zu können. Talent Ole Johannsen (19) verabschiedete sich zwischenzeitlich sogar ganz vom Team, nachdem er die hohen Anforderungen von Ex-Trainer Jörn Schläger nicht erfüllen konnte. Alexander Dukart (22) knüpfte nicht an seine starken Leistungen der Vorsaison an, verletzte sich und fehlte mehrere Wochen.

Hoffnungsträger Benjamin Hinz, der 2015 mit Erst- und Zweitliga-Erfahrung vom Drittligisten Stralsunder HV kam, verließ den RHV bereits nach sechs Monaten wieder zurück in Richtung der Sundstädter.

TRAINER

In die Saison gingen die Ribnitzer mit dem früheren Nationalspieler Jörn Schläger als Coach. Der ehrgeizige Stralsunder, seit Juli 2013 im Amt, führte den RHV 2014 zum größten Erfolg der Klubgeschichte, dem Landespokalsieg in Grimmen. In der Liga belegten die Bernsteinstädter unter der Leitung des gebürtigen Berliners im ersten Jahr den vierten und im zweiten einen überraschend starken sechsten Platz.

Vor der abgelaufenen Saison waren mit den Verpflichtungen gestandener Spieler die Erwartungen gestiegen. Schläger selbst erwartete eine Steigerung, wollte zumindest um die Medaillenränge mitspielen.

„Unser Ziel war es, oben mitzuspielen und die Mannschaft weiterzuentwickeln. Das ist nicht gelungen, deshalb muss ich mich hinterfragen“, sagte er im Dezember 2015 nach seinem Abgang, der mit beiderseitigem Einverständnis erfolgte, selbstkritisch. Da waren die Ribnitzer Tabellenvorletzter und schwebten in Abstiegsgefahr. Das Verhältnis zwischen Schläger und Mannschaft stimmte nicht mehr.

„Es hatte damals einfach nicht mehr gepasst“, erinnert sich Vereinsmanager Stefan Stuht (44).

Schlägers Nachfolger wurde Co- Trainer Thilo Meyer, der die „Erste“ bereits in der Saison 2012/13 gemeinsam mit Jörg Hubinger (aktuell Nachwuchskoordinator) betreut hatte. Meyer versuchte, den Spielern mehr Sicherheit zu geben, indem er ihnen feste Positionen zuwies. Doch auch unter dem 49-Jährigen ging die Berg- und Talfahrt der Ribnitzer weiter. Auf einen Sieg folgte meistens eine Niederlage oder sogar mehrere. Erst im Februar feierte der RHV erstmals zwei Erfolge nacheinander (26:21 in Schwaan und 39:30 gegen Parchim). Trotz fehlender Konstanz hielt Meyer mit Ribnitz die Klasse, konnte die Tabellensituation aber nicht entscheidend verbessern.

UMFELD

Organisatorisch sind die Ribnitzer gut aufgestellt. Physiotherapeut Klaus Bergmeier (75) betreute zwei Jahrzehnte die deutsche Handball- Nationalmannschaft, gehörte 1978 sogar zum Weltmeisterteam. Der rüstige Rentner, der in Zingst lebt, kann nicht von „seinem Sport“ lassen. Er ist meistens einmal pro Woche beim Training und so oft es geht bei den Spielen dabei. „Was die Leute um Stefan Stuht, Thilo Meyer und Betreuer Volker Bastian in Ribnitz ehrenamtlich leisten, das kann man gar nicht hoch genug anrechnen. Das ist professioneller als in so manchem Bundesliga-Verein“, lobt Bergmeier, den alle nur „Hügel“ rufen.

Unternehmer und Klubvorstand Stuht nutzt seine wirtschaftlichen Kontakte, um Sponsoren für den Verein zu gewinnen. Die Spieler sind top ausgerüstet, werden an Spieltagen mit Essen und Getränken versorgt. Das Zuschauerinteresse in Ribnitz-Damgarten ist nach dem Umzug von der Freundschafts- in die Mühlenberghalle gestiegen. Beinahe jedes Heimspiel des RHV war ausverkauft. Rund 200 Fans kamen im Schnitt (Vorjahr: 140) — gemeinsam mit Grimmen Ligabestwert. Der Klub kann sich und seine Sponsoren in der neuen Arena besser präsentieren.

AUSBLICK

In der aufgewerteten MV-Liga, deren Niveau im abgelaufenen Jahr besser geworden ist und die durch Oberliga-Absteiger Greifswald/Loitz noch stärker werden dürfte, dauerhaft dabei zu sein, ist ein Erfolg für den Handball-Standort Ribnitz-Damgarten. Dass die Erwartungen an den RHV gestiegen sind, spricht für die gute Arbeit in der jüngsten Vergangenheit. Das Ziel der Ribnitzer war es, das Niveau im Land mitzubestimmen und zwar mit einer guten Mischung aus eigenen Talenten und dazugeholten Akteuren, die sich mit dem Verein identifizieren. Ein guter Ansatz, den das Publikum honoriert. Ob in der neuen Saison mehr drin ist, als „nur“ um den Klassenerhalt zu spielen, liegt an den Aktiven: Bleiben sie zusammen und holen alles aus sich raus, ist eine Top- sechs-Platzierung möglich. Der Oberliga-Traum wird wohl (vorerst) nicht in Erfüllung gehen.

Von Tommy Bastian

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