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Sturmflut spült Touristen auf den Darß

Prerow Sturmflut spült Touristen auf den Darß

Vor 145 Jahren brach eine Sturmflut über die Region herein. In Prerow war das die größe bekannte Katastrophe. Gleichzeitig eröffnete das Ereignis neue Wege.

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Marion Kistner und Werner Kuhn enthüllen am Montag die neue Hochwassermarke an der Friedhofsmauer in Prerow. Die Bronzetafel markiert den Stand der Flut vom 13. Novemebr 1872. Damals stieg das Wasser 2,17 Meter über Normalnull.

Quelle: Richter, Timo

Prerow. Es ist die größte Katastrophe in der Geschichte Prerows (Vorpommern-Rügen), zehn Einwohner kommen ums Leben, der Hausrat etlicher Familien treibt durch überflutete Straßen, zwölf Seemänner sterben in zwei Schiffen, die der Sturm auf den Strand wirft – die Nacht vom 12. auf den 13. November 1872 bringt Schrecken und Zerstörung über die Region. Und sie läutet ein neues Zeitalter ein.

 

2,17 Meter über Normalnull türmt der Sturm in jener Nacht die Ostsee auf. Am frühen Morgen bricht die See durch die Dünen in Zingst, da steht Prerow schon längst unter Wasser. Die Menschen flüchten in die Seemannskirche. Die steht leicht erhöht, bietet Sicherheit. Ein Nagel in der Friedhofsmauer zeigt, wie hoch das Wasser steht, das Unheil über das heutige Ostseebad bringt – und am Ende neue Chancen eröffnet.

Sturmflutmarke weckt Erinnerungen

Eine deutlich sichtbare, bronzene Sturmflutmarke lässt am Montag Erinnerungen an jene Todesnacht wach werden. Und sie mahnt an einen besonnenen Umgang mit der Natur. Bürgermeister René Roloff (Prerows Zukunft) zeichnet mit Augenzeugenberichten Angst und Schrecken nach, die Wasser und Sturm über Zingst und Prerow bringen. Wellen und Gischt vor den Fenstern und in den Häusern sorgen dafür, dass rund 4000 Menschen zwischen Pramort und Ahrenshoop auf Dächern Zuflucht suchen. In Prerow und Zingst retten sich etliche Frauen und Männer in die erhöht gebauten Kirchen.

Dennoch: In Prerow reißt die Flut zwei Familien aus ihren Häusern in den nassen Tod. In Kirchenbüchern findet Roloff die Namen, die er während der Feierstunde in der Seemannskirche nennt.

Neue Deiche geplant

Heute würde ein Hochwasser damaligen Ausmaßes keine größeren Schäden in dem Ostseebad verursachen. Deiche sind erhöht, werden geplant. So soll ein neuer Riegeldeich durch den Darßwald die Südostflanke des Ostseebades schützen. Gebaut ist der noch nicht, aber immerhin fest geplant.

Die verheerende Sturmflut hat Auswirkungen bis heute. Schnell nach dem Ereignis wird der Prerowstrom zugeschüttet. Voreilig, wie René Roloff heute empfindet. 1874 wird der Lückenschluss noch gefeiert. Es dauert nicht lange bis zum Katzenjammer: Der Zufluchtshafen für Prerower Fischer ist von der Ostsee getrennt. Erste Überlegungen für eine neuerliche Öffnung – heute Durchstich genannt – werden schon zu Kaiserzeiten angestellt. Roloff mahnt jedenfalls an, auch in schwierigen Situationen, Entschuldungen reiflich zu überdenken.

Tourismus nimmt Fahrt auf

Viel mehr wirkt sich die Sturmflut mit ihren Zerstörungen auf die Entwicklung des Ortes aus. Die Schäden machen den Darß binnen kürzester Zeit deutschlandweit bekannt. Erst fließt Spendengeld. Immerhin 200 000 Taler machen die Menschen in ganz Deutschland für den Wiederaufbau Prerows locker. Die Provinzialregierung in Stralsund stellt zusätzliche 130 000 Taler zur Verfügung. Für Roloff ein bemerkenswerter Akt der Solidarität.

Und vielleicht sind es die ersten Katastrophentouristen, die in der Folge der Sturmflut 1872 den Tourismus auf dem Darß, aber auch in Zingst begründen. Das Interesse an einen Aufenthalt an der Ostsee steigt nach der Flut sprunghaft an.Der Schirmherr des Fördervereins der Seemannskirche, Werner Kuhn, und die stellvertretende Vorsitzende Marion Kistner enthüllen schließlich die neue Bronzetafel. rund 1000 Euro hat sich der Förderverein das kosten lassen.

Timo Richter

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