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Terror-Verdacht: Einsatz in Evershagen

Rostock Terror-Verdacht: Einsatz in Evershagen

Entwarnung nach Durchsuchungen bei zwei jungen Syrern: Verdacht auf „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ hat sich nicht bestätigt

Rostock. Spektakulärer Polizeieinsatz in Evershagen: Es ist noch früh am Donnerstagmorgen, als schwer bewaffnete und vermummte Spezialkräfte der Polizei vor einem Hochhaus in dem Rostocker Stadtteil vorfahren. Die Beamten des SEK stürmen eine Wohnung in dem Hostel. In der leben zwei Syrer – und die sind ins Visier der Rostocker Staatsanwaltschaft geraten. Der Anfangsverdacht: Die Männer sollen eine „schwere staatsgefährdende Gewalttat“ – mit anderen Worten: einen terroristischen Anschlag – vorbereitet haben. Stunden nach dem spektakulären Einsatz geben die Ermittler aber Entwarnung.

Den Begriff „Terror-Gefahr“ nimmt Harald Nowack, Sprecher der Staatsanwaltschaft Rostock, nicht in den Mund. Doch genau darum ging es bei dem Einsatz in Evershagen: Ein Bürger hatte sich bei den Behörden gemeldet und vor den jungen Männern – 21 und 23 Jahre alt – gewarnt. Der Zeuge sagte nach Angaben Nowacks aus, dass die beiden Migranten mit radikalen islamistischen Organisationen sympathisieren sollen. Offenbar waren diese Hinweise so konkret, dass die Behörden sofort handelten: „Wir konnten nicht ausschließen, dass an den Hinweisen etwas dran ist. Es besteht eine Anfangsverdacht“, sagt Nowack. Die Staatsanwaltschaft fordert das SEK an, ließ die Wohnung der beiden Männer durchsuchen. Allerdings ohne Ergebnis. In den Räumen wurden keinerlei Hinweise auf die Vorbereitung einer Straftat entdeckt. Keine Waffen, kein Sprengstoff. „Anhaltspunkte für eine dringende Gefahr für die Öffentlichkeit lagen zu keinem Zeitpunkt vor“, so die Staatsanwaltschaft in einer ersten Stellungnahme. Gegen die beiden jungen Syrer wurde auch kein Haftbefehl beantragt, sie sind auf freiem Fuß.

Aus Sicht der Ermittler sei der Einsatz dennoch gerechtfertigt gewesen: „Auch wenn es derzeit so aussieht, als ob sich der Verdacht nicht erhärtet, dauern die Ermittlungen an“, so Behördensprecher Nowack. „Wenn wir Hinweis bekommen, dass jemand mit radikalen Organisationen sympathisieren könnte und eine schwere Gewaltat vorbereitet, müssen wir dem nachgehen und das aufklären“ Die Sicherheitsbehörden – auch in Rostock – seien nach den Vorfällen der vergangenen Wochen für das Thema sensibilisiert. „Und das ist auch gut so.“ Auch der Einsatz des Sondereinsatzkommandos der Landeskriminalamtes aus Schwerin sei richtig gewesen, sagt Nowack: „Bei dem Verdacht auf eine staatsgefährdende Tat kommen immer Spezialkräfte zum Einsatz.“

Erst kurz vor der Hanse Sail im August hatte es für einige Stunden Terror-Alarm in Rostock gegeben: Die Polizei hatte die Wohnung einer 24 Jahre alten Frau aus Tschetschenien gestürmt und durchsucht. Auch damals hatten die Behörden von Bürgern den Hinweise auf radikale Tendenzen bei der jungen Migrantin erhalten. Doch die Ermittler fanden auch bei ihr nichts, was Anschlagspläne deuten würde. Dass erneut junge Migranten – Stand Donnerstagabend zu Unrecht – unter Terror- Verdacht gestellt worden, bereitet Maher Fakhouri Sorge. Der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde in der Hansestadt bittet alle Bürger in Rostock um „etwas mehr Gelassenheit“. Die Stimmung gegenüber Migraten sei derzeit sehr negativ. Er spüre auch in Rostock eine „gewisse Nervosität“ bei den Menschen. „Aber dafür gibt es keinen Grund“, versichert Fakhouri. Die allermeisten Muslime, die in Rostock leben, seien friedliche und gesetzestreue Bürger. „Es ist nicht richtig, diese Menschen in einen Topf mit einigen wenigen Radikalen zu werfen und unter Terror-Verdacht zu stellen“, warnt er. „Natürlich müssen alle Bürger wachsam sein in diesen Zeiten. Aber ich vertraue auf die Polizei. Sie macht einen sehr guten Job.“

Andreas Meyer

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