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Tierseuche: Faulbrut bei Bienen entdeckt

Zingst/Ahrenshoop/Barth Tierseuche: Faulbrut bei Bienen entdeckt

Drei Standorte auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und in der Umgebung von Barth sind betroffen / Sperrbezirke eingerichtet / Menschen sind nicht gefährdet

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Erwachsene Bienen sind nicht von der Faulbrut betroffen.

Quelle: Hendrik Schmidt

Zingst/Ahrenshoop/Barth. Im Landkreis Vorpommern-Rügen ist in drei Bienenbeständen die Amerikanische Faulbrut festgestellt worden. Das teilte die Kreisverwaltung gestern mit. Bereits am vergangenen Freitag erfolgte die amtliche Feststellung. Es handelt sich um drei Bienenbestände auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst.

Der Landkreis hat daraufhin Sperrbezirke mit einem Drei-Kilometer-Radius um die Ausbruchstelle festgelegt. Dabei handelt es sich um die Gemeinden Ostseebad Wustrow, Ostseebad Ahrenshoop mit den Ortsteilen Ahrenshoop, Alt- und Nienhagen, Wieck a. Darß, Ostseeheilbad Zingst, die Stadt Barth mit den Ortsteilen Tannenheim, Planitz, Glöwitz und Fahrenkamp sowie die Gemeinden Divitz-Spolderhagen (hier nur die Ortsteile Divitz und Frauendorf), Kenz-Küstrow (nur die Ortsteile Kenz, Küstrow, Rubitz und Zipke) und Pruchten mit den Ortsteilen Bresewitz und Pruchten.

Wie der Name sagt, ist bei der Tierkrankheit die Brut der Bienen betroffen. Die Maden faulen dabei einfach ab. Wie sich die Tiere angesteckt haben, sei schwierig nachzuvollziehen, sagt Dr. Leonore Lange, Fachgebietsleiterin Tierseuchenbekämpfung und Tierschutz beim Veterinäramt. Die Sporen, die zu der bakteriellen Erkrankung führen, können sich jahrzehntelang halten. Erwachsene Bienen werden zwar nicht krank, können diese Sporen aber lange mit sich tragen und erst dann ihre Brut infizieren. „Wir müssen jetzt untersuchen, ob noch mehr Völker betroffen sind. Deshalb ist es wichtig, dass sich alle Imker aus den Sperrbezirken bei uns melden“, sagt Lange.

Die Krankheit ist anzeigepflichtig und meldepflichtig. Entdeckt worden war sie bei Routineuntersuchungen am Freitag. Der Landkreis prüft regelmäßig stichprobenweise Bienenvölker auf Erkrankungen. Für den Menschen besteht keine Gefahr. Auch der Honig dieser Bienen könne verzehrt werden. Nur an Bienen selbst darf er nicht verfüttert werden.

Bei der Bekämpfung der Seuche bestehen zwei Möglichkeiten. Die erkrankten Völker werden getötet und das benutzte Material penibel gesäubert und desinfiziert. Doch es bestehe auch die Chance, ein betroffenes Bienenvolk zu retten, indem die Brut entfernt wird und das sogenannte Kunstschwarmverfahren angewandt wird. Das Bienenvolk baut sich dabei quasi komplett neu auf, wird dabei auch die Sporen los. „Im ersten Fall muss man bei Null anfangen, das dauert etwa zwei Monate“, sagt Justus Mathies, Vorsitzender des Imkervereins Recknitztal. Im zweiten Fall würde es drei bis vier Wochen dauern. Der Schaden für den Imker sei jedoch enorm, könne in die Tausende gehen. Unterstützung bekommen die Imker von der Tierseuchenkasse, in die sie einzahlen. Mathies rät Imkern, Ruhe zu bewahren.

Auch der Imkerverein Recknitztal hat Mitglieder im betroffenen Gebiet.

Ein Problem, dass solche Krankheiten in der Region auftauchen, sieht Justus Mathies darin, dass es keine sogenannte Wanderordnung gibt. So ist es üblich, dass Imker ihre Bienenvölker zeitweise für einige Wochen an einem anderen Ort als dem heimischen abstellen, um dort beispielsweise Rapsblüten anzufliegen. Eigentlich müssten solche Wanderungen beim Veterinäramt angemeldet werden. „Das machen leider nicht alle.“

Ein zweiter Grund: Viele Imker würden Bienenvölker ohne Gesundheitszeugnis kaufen. „Aber für ein Gesundheitszeugnis müssen die Bienen auf Faulbrut getestet werden“, so Mathies.

Offen ist noch, ob noch mehr Bienenvölker betroffen sind. „Im besten Fall dauert es zwei bis drei Monate, bis die Seuche bekämpft ist“, so Leonore Lange. Sollten weitere Bienenvölker betroffen sein, könne sich das Prozedere auch noch weiter hinausziehen, sogar bis ins nächste Jahr. Auch die Sperrbezirke können sich im Laufe der Zeit noch verändern.

Regeln für die Sperrbezirke

Bienenhalter , die der Anzeigepflicht der Bienenhaltung bisher nicht nachgekommen sind, müssen sich unverzüglich beim Fachdienst Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Vorpommern-Rügen unter ☎ 03831/3572464 beziehungsweise ☎ 03831/3572453 melden.

Im Sperrbezirk gilt Folgendes: Alle Bienenvölker und Bienenstände müssen unverzüglich auf Amerikanische Faulbrut amtstierärztlich untersucht werden. Bewegliche Bienenstände, Bienenvölker, lebende oder tote Bienen, Waben, Wabenteile, Wabenabfälle, Wachs, Honig, der zur Verfütterung an Bienen bestimmt ist, Futtervorräte, Bienenwohnungen und benutzte Gerätschaften dürfen von ihrem Standort nicht entfernt werden. Bienenvölker oder Bienen dürfen nicht in den Sperrbezirk verbracht werden. Ausnahmen von den verordneten Maßnahmen sind bei der zuständigen Behörde schriftlich zu beantragen.

Bei der Faulbrut handelt es sich um zwei verschiedene bakterielle Brutkrankheiten der Honigbienen. Man unterscheidet zwischen der Europäischen Faulbrut und der Amerikanischen Faulbrut. Die relativ harmlose Europäische Faulbrut wird auch als Gutartige Faulbrut oder (aufgrund des entstehenden sauren Geruchs) als „Sauerbrut“ bezeichnet. Die Amerikanische Faulbrut hingegen wird auch Bösartige Faulbrut genannt und ist in Deutschland und Österreich anzeigepflichtig. Eine Gefahr für den Menschen besteht nicht.

Robert Niemeyer

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