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Todesflug endete in Bartelshagen

Bartelshagen I Todesflug endete in Bartelshagen

Am 15. Februar 1944 stürzte ein englischer Bomber nahe eines Bauernhofes ab / Die OZ ging auf Spurensuche

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Dietmar Stäge (52) und seine Tante Ingrid Schreiber (76) unweit der Absturzstelle nahe des Gehöftes Schulstraße 24 in Bartelshagen I.

Bartelshagen I. Obwohl sie damals erst vier Jahre alt war, haben sich die Ereignisse der Nacht des 15. Februar 1944 tief in das Gedächtnis von Ingrid Schreiber eingegraben. In jener Nacht stürzte in der Nähe des Bauerngehöftes ihres Großvaters Alfred Döll in Bartelshagen I ein britischer Bomber ab. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich neben den Familienmitgliedern auch mehrere polnische Fremdarbeiter auf dem Hof.

OZ-Bild

Am 15. Februar 1944 stürzte ein englischer Bomber nahe eines Bauernhofes ab / Die OZ ging auf Spurensuche

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Brennende Maschine flog knapp am Wohnhaus vorbei

Ingrid Schreiber erinnert sich: „An diesem Tag war geschlachtet worden und die Erwachsenen hatten deshalb noch bis in die späten Abendstunden hinein zu tun. Wir Kinder schliefen längst, als sich der angeschossene Bomber dem Gehöft näherte. Er kam den Gebäuden so nahe, dass zwei Reihen Dachziegel vom Schweinestall heruntergerissen wurden. Ein Teil der Maschine hatte die Treppe getroffen. Wie dicht das Flugzeug dem Wohngebäude gekommen war, wurde daran deutlich, dass ein Teil der Hausfassade durch den Rauch der brennenden Maschine rußgeschwärzt war. Wir hatten also großes Glück, dass das Flugzeug nicht ins Haus hineingerast war, sondern auf dem Acker herunterkam. Die Besatzungsmitglieder hatten allerdings kein Glück, sie überlebten den Absturz nicht.“

Während der Rumpf nur wenige hundert Meter auf dem Acker hinter dem Hof zum Liegen kam , bohrte sich das abgerissene Heckteil nur 50 Meter weit entfernt vom Wohngebäude in die Erde.

Mehrere Männer verloren

damals ihr Leben

Nach ihrer Erinnerung seien es vier Männer gewesen, die ihr Leben in jener Nacht verloren hatten, erzählt Ingrid Schreiber weiter. Zwei Besatzungsmitglieder wurden aus der Kanzel geborgen, einer der Männer hatte offenbar noch versucht, sich mit dem Fallschirm zu retten, doch das misslang. Er wurde später in der Nähe des Dunghaufens entdeckt. Ein weiteres totes Besatzungsmitglied befand sich in dem Heckteil.

Die Bartelshägerin erzählt weiter, dass sie durch den Krach aufgewacht sei. Sie könne sich noch an die Heuschober erinnern, die durch brennende Trümmerteile der Maschine Feuer gefangen hatten. Die Hitze sei so groß gewesen, dass selbst Koppelpfähle aus Eiche lichterloh gebrannt hätten.

Den Neffen von Ingrid Schreiber, Dietmar Stäge, hat diese Geschichte immer interessiert. Als Kind habe er von seinem Opa Heinrich Meyer, der nach dem Krieg den Hof von Alfred Döll übernommen hatte, davon gehört. Sein Großvater sei zum Zeitpunkt des Absturzes in Frankreich stationiert gewesen und habe kurzfristig Urlaub erhalten, nachdem ihn die Nachricht vom Absturz des Bombers erreicht hatte.

„Aus diesem Grunde konnte er von dem Wrack ein Foto machen“, erzählt Dietmar Stäge weiter. Aber dieses Foto geriet in Vergessenheit. Bis zu dem Zeitpunkt, als im Sommer 2013 in der OSTSEE-ZEITUNG über einen Bomber der Royal Air Force geschrieben wurde, der am 15. Februar 1944 auf dem Einsatzflug von Großbritannien nach Berlin nach Beschuss durch einen deutschen Nachtjäger zwischen Tribohm und Gruel abgestürzt war. Dabei handelte es sich, wie sich später herausstellte, um eine Halifax Mk III.

Recherchen bis ins australische Militärarchiv ausgedehnt

„An diesen Artikel musste ich immer wieder denken und beschloss, die Fotos meines Großvaters durchzuschauen. Dabei fand ich dann die Aufnahme von dem abgeschossenen Bomber, der meiner Familie fast zum Verhängnis geworden war. Mein Interesse war wieder geweckt, ich wollte gern wissen, ob die Maschine, die hinter unserem Hof abgestürzt war, und die Maschine, deren Flug am 15. Februar 1944 zwischen Gruel und Tribohm endete, möglicherweise zum selben Verband gehörten und natürlich interessieren mich auch die Namen der Besatzungsmitglieder.“

Auskunft darüber geben kann der Ribnitz-Damgartener Hobby- Historiker Mario Günther. Der 43-Jährige hatte nach Erscheinen des OZ-Artikels im Sommer 2013 zu den Ereignissen am 15. Februar 1944 gemeinsam mit einem Luftfahrtarchäologen aus Wermelskirchen (Nordrhein-Westfalen) Nachforschungen angestellt und seine Recherchen bis in das australische Militärarchiv ausgedehnt.

Er konnte nicht nur die Namen der Besatzungsmitglieder der zwischen Gruel und Tribohm abgestürzten Halifax Mk III ermitteln, sondern auch herausfinden, dass an jenem 15. Februar 1944 eine weitere Maschine der Royal Air Force bei Tribohm abgestürzt war. Seine aufwändigen Recherchen haben weiterhin ergeben, dass auch bei Freudenberg an diesem Tag eine Maschine nach Beschuss abgestürzt war. Bei den beiden zuletzt genannten Flugzeugen handelte es sich um Maschinen des Typs Lancaster Mk III.

Vier Flugzeuge stürzten am

15. Februar 1944 ab

Jetzt ist klar: Mit der Bartelshäger Maschine waren es vier Flugzeuge, die am 15. Februar 1944 in der Region abgestürzt waren.

„Bei der Bartelshäger Maschine handelt es sich um eine Halifax Mk II. Sie war an diesem Tag um 17.15 Uhr von Pocklington aus gestartet und wurde wahrscheinlich durch Rostocker Flak abgeschossen“, erläutert Günther. Ihre Kennung lautet: DY-F, die Seriennummer LW 339.

Pilot der Maschine war der 23-jährige Arthur Hilton. Zur Besatzung gehörten weiterhin: Richard James Paige (22 Jahre), Robert Frederick Sykes (25 Jahre), Lewis Francis Carr (Alter unbekannt), Frederick Alfred Paskell (20), Arthur Dean (21) und E.A. Gosling (Alter unbekannt).

Wie Mario Günther weiter herausfinden konnte, hat als einziges Besatzungsmitglied Bordmechaniker Sergeant E.A. Gosling den Absturz überlebt. Er kam als Kriegsgefangener in das Stalag „Kopernikus“ in Thorn (heute Torun, Polen).

Schicksal mehrerer Flugzeugbesatzungen ist geklärt

Die Halifax war ein britischer viermotoriger Bomber des Zweiten Weltkriegs und wurde ab März 1941 vom RAF Bomber Command eingesetzt. Entwickelt von der Handley Page Aircraft Company, wurden von 1940 bis 1946 in verschiedenen Versionen 6178 Maschinen hergestellt. Der bis März 1952 verwendete Typ war neben der Avro Lancaster (7377 Maschinen) und der Short Stirling (2380 Maschinen) der dritte viermotorige schwere Bomber der Royal Air Force.

Während der am 15. Februar 1944 in Bartelshagen I abgestürzte Halifax Mk II Bomber zuvor von der Flak beschossen worden war, wurde die Halifax Mk III der Royal Air Force , die an diesem Tag zwischen Gruel und Tribohm abgestürzt war, von einem Nachtjäger der Nachtjagdgruppe 3 getroffen, ergaben die Nachforschungen von Mario Günther. Fast zur selben Uhrzeit stürzte bei Tribohm an diesem 15. Februar 1944 auch eine Lancaster Mk III auf ihrem Flug nach Berlin ab. Auch diese Maschine wurde von einem Nachtjäger abgeschossen. Als Schütze gilt Hauptmann Paul Z. Er gehörte als Staffelkapitän der Nachtjadggruppe 3 an. DerAbschuss des britischen Bombers bei Tribohm war der 25. Abschuss für Paul Z.

Edwin Sternkiker

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