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Todesstürze an Kreideküste: Können Schock-Bilder helfen? Experten aus Politik, Polizei und Verwaltung ratlos angesichts Unvernunft

Sassnitz Todesstürze an Kreideküste: Können Schock-Bilder helfen? Experten aus Politik, Polizei und Verwaltung ratlos angesichts Unvernunft

Wer dieser Tage den Hochuferweg im Nationalpark Jasmund auf Rügen entlanggeht und dabei die Ernst-Moritz-Arndt-Sicht erreicht, wird ein mulmiges Gefühl in der Magengegend verspüren.

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Die Wurzeln der alleinstehenden Buche an der Ernst-Moritz-Arndt-Sicht greifen ins Leere. Dort, wo Spaziergänger sich sicher fühlen, ist der Untergrund bereits teilweise unterhöhlt.

Quelle: Foto: Christian Niemann

Sassnitz. Wer dieser Tage den Hochuferweg im Nationalpark Jasmund auf Rügen entlanggeht und dabei die Ernst-Moritz-Arndt-Sicht erreicht, wird ein mulmiges Gefühl in der Magengegend verspüren. Die besondere Attraktivität des Ortes war im April einer jungen Hamburgerin (20) und zuletzt einem 57-jährigen Mann aus Niedersachsen zum Verhängnis geworden. Allzu frisch ist die Erinnerung an die beiden in kurzer Folge zu beklagenden Todesfälle. Der plateauförmige Kreidevorsprung bietet einen wunderbaren Blick auf die steil zum Meer abfallende Kreideformation. Die Wurzeln der direkt am Rand wachsenden Bäume greifen dort ins Leere. So auch jene der markanten Buche, die einsam am äußersten Zipfel des Vorsprungs steht. Das macht den Ort besonders attraktiv für Naturliebhaber und Fotografen.

OZ-Bild

Wer dieser Tage den Hochuferweg im Nationalpark Jasmund auf Rügen entlanggeht und dabei die Ernst-Moritz-Arndt-Sicht erreicht, wird ein mulmiges Gefühl in der Magengegend verspüren.

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Politik, Polizei und Nationalparkverwaltung sind angesichts der Tatsache, dass Spaziergänger immer wieder die Wege verlassen, gleichermaßen ratlos. Hinweise, die Wege nicht zu verlassen, bleiben ebenso unbeachtet wie Schilder, die auf Abbruchgefahr hinweisen. „Wir haben bereits versucht,Trampelpfade mit Totholz zu blockieren oder hölzerne Absperrungen zu installieren“, sagt Ingolf Stodian, Dezernatsleiter des Nationalparks Jasmund. Alles vergebens. Um das Verhalten der Menschen zu dokumentieren, haben die Mitarbeiter des Nationalparks bereits angefangen, Wanderer beim Überklettern der Absperrungen zu fotografieren. Aufgestellte Schilder würden sogar abgebaut und Absperrungen zur Seite geräumt, so Stodian.

Nun mehren sich Stimmen, es vielleicht einmal mit Schock-Bildern nach dem Vorbild von Tafeln zu versuchen, die zuweilen am Straßenrand stehen, um Unfallschwerpunkte zu kennzeichnen. Davon jedoch verspricht sich Manfred Preetz, Niederlassungsleiter der Dekra in Rostock, keinerlei Effekt. „Wir machen in unseren von Notärzten, Rettungskräften und Eltern durchgeführten Präventions-Kursen seit Jahren die Erfahrung, dass Teilnehmer zwar umkippen, wenn sie Unfall-Bilder sehen, eine halbe Stunde später aber bereits wieder riskant überholen“, so Preetz. Ähnlich sieht es Matthias Ogilvie (CDU) , Bürgermeister der Jasmunder Gemeinde Lohme: „Das bringt ebenso wenig wie die Gedenkkreuze am Straßenrand oder Warnhinweise auf Zigarettenschachteln“, sagt er und fügt augenzwinkernd hinzu: „Eher würde es helfen, Selfie-Sticks zu verbieten, mit denen sich die Leute an die Abbruchkante stellen, um das ultimative Foto zu machen.“

Auch Manfred Kutscher, der von Anfang an im Nationalpark tätig war, sieht kaum Möglichkeiten, auf die Besucher einzuwirken. „Wir haben Büsche gepflanzt, Geländer errichtet und Schilder aufgestellt. Nichts hat gewirkt. Unfälle führen eher noch zu Sensationstourismus.“ Diese Erfahrungen führte 1993 zur Gründung einer Höhenrettungsgruppe durch die Sassnitzer Feuerwehr. Anlass war die Bergung zweier junger Männer , die versucht hatten, die Steilküste zu erklimmen.

Nach dem tödlichen Unfall vom April hatte Umweltminister Till Backhaus (SPD) zu einer Pressereise in den Nationalpark Jasmund eingeladen, um über Gefahren an der Kreideküste und „die Möglichkeit, die einzigartige Landschaft sicher zu erleben“, zu informieren. Die berühmten Kreidefelsen unterliegen einer ständigen Küstendynamik. Wenn dann Abbrüche die Sicherheit des Weges gefährden, werde deren Verlauf zurückverlegt. Oft würden jedoch die alten Wegverläufe nahe der Uferkante begangen, die bereits teilweise unterhöhlt sei.

Für Besucher des Nationalparks aber gilt: Wer die Warnungen der Fachleute respektiert, setzt sich keinem Risiko aus – und wer ganz sicher gehen möchte, kann sich einer der geführten Wanderungen oder Foto-Safaris anschließen.

Uwe Driest

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