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Tourismusverband: „Rostock muss sich begehrt machen“

Rostock Tourismusverband: „Rostock muss sich begehrt machen“

Trotz steigender Zahlen im Deutschland-Tourismus will die Hansestadt nicht aktiv um neue Hotels werben / TMV-Chef Bernd Fischer: Rostock braucht neue Attraktionen

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Michelle Wolter (19) serviert Gast Annika Müller (33) aus Hamburg im Motel One einen Kaffee. Das Hotel am Schröderplatz gehört zu den wenigen Hotel-Neueröffnungen in den vergangenen Jahren.

Quelle: Frank Söllner

Rostock. Beliebter als Bremen, als Heidelberg und als Münster: Rostock zählt zu den angesagtesten Zielen für Städte-Reisende in Deutschland. Und dennoch gibt es mehr und mehr besorgte Töne: Die Hansestadt ruhe sich zu sehr auf ihrem Erfolg aus — so jedenfalls lässt sich die Kritik des Tourismusverbandes MV an Rostock deuten. „Die Hansestadt muss sich die Frage stellen, wie sich entwickeln will — auch im Tourismus. Rostock muss sich wieder attraktiv machen. Für Gäste, für Anbieter und auch für neue Hotels“, sagt Bernd Fischer, der Geschäftsführer des Verbandes.

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Trotz steigender Zahlen im Deutschland-Tourismus will die Hansestadt nicht aktiv um neue Hotels werben / TMV-Chef Bernd Fischer: Rostock braucht neue Attraktionen

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Fast zwei Millionen Übernachtungen in 2015

1,93 Millionen Übernachtungen zählten die Hansestadt Rostock und Warnemünde in 2015.

14 164 Betten gab es im Dezember 2015 nach Angaben des Statistischen

Landesamtes in der Hansestadt.

Warum er neue Impulse fordert, kann Fischer mit Zahlen belegen: Die Urlauberzahlen in der Stadt steigen — aber nur noch leicht. Genau 1,93 Millionen Übernachtungen zählten die Stadt und das Seebad Warnemünde zusammen im vergangenen Jahr. Rostock droht aber die Stagnation. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der Urlauber andere Ziele — die Türkei zum Beispiel — meiden und verstärkt Urlaub an heimischen Küsten machen wollen. Rostock hat auf diesen Trend aber bisher nicht reagiert, keine zusätzlichen Kapazitäten geschaffen. Im Gegenteil: Laut Statistischem Landesamt gab es Ende 2015 genau 14164 Betten — das waren nicht mehr, sondern sogar 2,6 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor.

Dass die Zahl der Betten in den kommenden Jahr wieder spürbar steigen wird, ist derzeit jedenfalls nicht absehbar: Im Tourismus- Konzept der Stadt ist von Neuansiedlungen keine Rede. Der städtische Wirtschaftsförder Rostock Business habe nach Angaben der Stadt zwar Kontakt mit Hotels und Projektentwicklern, etwas „Spruchreifes“ gäbe es derzeit aber nicht. Seit Monaten hält sich lediglich das Gerücht, dass eine Kette auf dem Areal der alten Neptun-Werft am Stadthafen bauen will. Das war es dann aber auch schon. Rostocks Tourismus-Chef Matthias Fromm bestätigt auf Anfrage zudem, dass die Hansestadt keine „aktive Aquise“ von Hotels betreibe. Und das Amt für Stadtplanung plane auch nicht, konkrete Standorte für mögliche neue Herbergen auszuweisen.

Rostock gehe andere Wege, um im Tourismusgeschäft zu wachsen, sagt Fromm: „Wir haben eine jährlich Auslastung von 54 Prozent. Um diesen Wert zu steigern, liegt das Potenzial vor allem in der Entwicklung der Vor- und Nebensaison.“ Bis 2022 — solange ist das aktuelle Tourismuskonzept gültig — gehe es auch darum, die Qualität der Herbergen weiterzuentwickeln. Zudem lege die Stadt einen Schwerpunkt auf den Ausbau des Tagungs- und Kongresstourismus. Dafür wurde erst im vergangenen Jahr ein eigenes Tagungsbüro gegründet.

Auch der Landestourismusverband begrüßt diesen Schritt. Ausreichend sei der aber nicht: „Die Hansestadt darf die Tourismus- Entwicklung nicht länger losgelöst von der Stadtentwicklung betrachten“, fordert Bernd Fischer. „Die Hansestadt hat noch enormes Potenzial.“ Und damit meine er nicht allein den Bau neuer Hotels: „Welche Attraktionen, welche Anziehungspunkt will die Hansestadt ihren Gäste bieten? Womit will sie Menschen locken? Auf diese Fragen muss die Stadt Antworten haben.“ Bei der Entwicklung der Maritimen Meile im Stadthafen und der Mittelmole könne Rostock auch Akzente setzen, um für Urlauber attraktiver zu werden. Das gelte ebenso für den Iga-Park: „Ich denke, da ist mehr möglich als ,nur‘ ein paar Konzerte im Jahr. Das könnte ein Erlebnisbereich für das ganze Land werden.“ Wenn es der Stadt gelänge, dort neue Impulse zu setzen, würde sich auch der Tourismus langfristig entwickeln: „Wenn die Urlauber nach Rostock wollen, dann kommen auch die Hotels. Rostock muss sich begehrt machen“, so der TMV-Chef.

Rostocks Tourismus-Manager Fromm hat noch andere Ideen, wie das Wachstum auch in Zukunft gelingen soll: „Hohes Potenzial haben Bereiche, die sich an ganz bestimmte Gäste-Gruppen richten“, sagt er. Zum Beispiel müssten die Anbieter mehr barrierefreie Unterkünfte für ältere Gäste anbieten. Und: Rostock dürfe auch die Trends nicht verpassen. Ökologische Hotel-Konzepte oder allergikerfreundliche Zimmer könnten ein Weg sein.

Von Andreas Meyer

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