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Trinkwasser: Zoff um geplanten Brunnenbau

Dettmannsdorf/Ribnitz-Damgarten/Zingst Trinkwasser: Zoff um geplanten Brunnenbau

Der Wasserversorger Boddenland will in Wöpkendorf täglich 3000 Kubikmeter Trinkwasser fördern. Die Gemeinde Dettmannsdorf/Kölzow fordert dafür eine Entschädigung.

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Trinkwasser ist ein hohes Gut. Mit den Brunnen in Wöpkendorf will die Boddenland GmbH die Versorgung in ihrem Verbreitungsgebiet stabilisieren.

Quelle: Oliver Berg

Dettmannsdorf/Ribnitz-Damgarten/Zingst. Zwischen der Gemeinde Dettmannsdorf/Kölzow (Vorpommern-Rügen) und dem regionalen Wasserversorger Boddenland GmbH aus Ribnitz-Damgarten gibt es Zoff ums Trinkwasser. Die Boddenland GmbH plant, in Wöpkendorf mehrere Brunnen samt Wasserwerk zu bauen. Die Gemeinde wehrt sich, befürchtet wirtschaftliche Einbußen. Am Montag nahm die Gemeindevertretung Stellung zu dem Vorhaben der Boddenland GmbH, auf einem Grundstück zunächst einen Brunnen bauen zu dürfen. „Wenn wir uns nicht wehren, wird uns das Fell über die Ohren gezogen“, sagte Bürgermeister Stefan Schmidt (Bauernverband). Dementsprechend lehnten die Gemeindevertreter das Vorhaben ab.

Als Begründung führte Schmidt an, dass durch den Brunnen und vor allem durch künftige Trinkwasserschutzzonen Grundstücke an Wert verlieren würden, die Ansiedlung von Industrie nicht mehr möglich sei und auch die Landwirtschaft zurückstecken müsse, da in diesen Gebieten weniger gedüngt werden dürfe. „Wir dürfen das so nicht hinnehmen“, so Schmidt. „Es kann nicht sein, dass wir für die Umsetzung eines Geschäftsmodells missbraucht werden.“

Das sehen auch Anwohner so. „Ich halte davon nichts, es ist richtig, sich dagegen zu wehren“, sagt Ralf Pahlke, der mit seiner Familie in einem Haus in direkter Nachbarschaft zu dem Grundstück lebt, auf dem der Brunnen gebaut werden soll.Mindestens vier Brunnen sollen in Wöpkendorf entstehen, inklusive Trinkwasserschutzzonen. Das bestätigte Boddenland-Geschäftsführer Hans Köhler. Auch ein Wasserwerk soll auf dem Grundstück gebaut werden. Mehrere Millionen Euro werde die Boddenland GmbH investieren.

Wasser für Touristen

Hintergrund ist, dass im vergangenen Jahr die Wasserfassung Sundischer Berg bei Barth aufgrund zu hoher Nitratwerte im Trinkwasser aufgegeben werden musste. 800 Kubikmeter wurden dort täglich gefördert. In Wöpkendorf liege das Potenzial bei mehr als 3000 Kubikmetern täglich. Die Vorbehalte könne der Boddenland-Chef nicht nachvollziehen. „Trinkwasser ist Daseinsvorsorge. Die Nutzung der Wasserreserven in Wöpkendorf ist erforderlich, um die Versorgung der Bevölkerung zu stabilisieren“, so Köhler. Im vergangenen Jahr wurde dafür bereits die Versorgungstrasse von Ribnitz-Damgarten nach Barth für rund 1,5 Millionen Euro ausgebaut.

Stefan Schmidt allerdings vermutet, dass mit dem Wöpkendorfer Wasser der Tourismusboom auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst unterstützt werden soll. „Wasserversorgung ist eine Frage der Solidarität, aber nur in gewissem Maße. Wir sind hier wirtschaftlich benachteiligt.“

Hans Köhler hält entgegen, dass gerade in den Tourismusgebieten durch die vielen Urlauber im Sommer mehr Wasser verkauft werde als im südlichen Teil des Versorgungsgebietes. Nur dadurch könne der Trinkwasserpreis niedrig gehalten werden.

Stefan Schmidt fordert dagegen einen Schadensausgleich, den entweder die Boddenland GmbH oder die profitierenden Gemeinden an Dettmannsdorf zahlen sollen. „Zingst und Prerow sollen sagen, was sie jedes Jahr bereit sind, dem Gemeindehaushalt Dettmansdorfs zuzuführen“, so der Bürgermeister.

Kein Solidaritätsausgleich

Ein Zahlung vonseiten des Wasserversorgers sei nicht möglich, so Hans Köhler. „Wir zahlen ja selbst für das Wasser.“ Zehn Cent pro gefördertem Kubikmeter gehen an das Land, dem das Trinkwasser gehört. Im vergangenen Jahr waren das insgesamt etwa 400000 Euro. „Schade, dass ein Gesellschafter meint, dass er andere Gesellschafter erpressen kann.“ Stefan Schmidt ist für seine Gemeinde ebenso im Aufsichtsrat der Boddenland GmbH Mitglied wie die Gemeinden Zingst und Prerow.

„Ein solcher Solidaritätsausgleich entzieht sich meiner logischen Konsequenz“, sagt auch Andreas Kuhn, Bürgermeister der Gemeinde Zingst, der ebenfalls auf die niedrigen Trinkwasserpreise verweist, die nur vor allem durch den hohen Absatz in den Urlaubsgebieten zustande kommen. Außerdem gebe es für eine solche Ausgleichszahlung keine gesetzliche Grundlage.

Letztlich dürfte die Gemeinde Dettmannsdorf wohl auch kaum Möglichkeiten der Gegenwehr haben. Im Zweifelsfall kann die Untere Wasserbehörde eine sogenannte Duldungsanordnung erlassen, um den Bau eines Brunnens auch gegen den Willen der Gemeinde zu genehmigen. Bis 2020 soll der Brunnen stehen und eine Trinkwasserschutzzone ausgewiesen sein. Alles weitere werde noch ein paar Jahre dauern, so Hans Köhler.

Robert Niemeyer

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