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„Über die Sprache gelingt Integration“

Ribnitz-Damgarten „Über die Sprache gelingt Integration“

Seit einem Jahr geben 20 Ehrenamtliche in der Marienkirche Deutsch-Unterricht für Flüchtlinge

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Die Uhrzeit, das Alphabet oder Zahlen: Jehad Mohammad (r.) hat viel von Hansjürgen Frankenstein auf Deutsch gelernt.

Quelle: Ann-Christin Schneider

Ribnitz-Damgarten. Herzlich begrüßen sich Jehad Mohammad und Hansjürgen Frankenstein. Der Syrer und der Völkshäger tauschen sich über die Familien aus, fragen, wie es dem anderen geht. Der Flüchtling und der Rentner wirken vertraut – und das obwohl sie sich erst seit vier Monaten kennen.

Unterricht in der Kirche

221 Asylbewerber sind 2016 Ribnitz-Damgarten zugewiesen worden. Sie sind in Ribnitz-West und Körkwitz untergebracht.

80 Flüchtlingen halfen die 20 ehrenamtlichen Deutschlehrer in der Kirchengemeinde St. Marien. Montags und donnerstags üben sie mit den Asylbewerbern von 10 bis 12 Uhr.

Mohammad lernt bei Frankenstein und 19 anderen Ehrenamtlern Deutsch. Seit einem Jahr bietet die Evangelische Kirchengemeinde St. Marien Ribnitz die Übungsstunden an. Immer montags und donnerstags wird von 10 bis 12 Uhr in der Kirche Grammatik vertieft und Vokabeln gelernt.

„Es geht darum, die Angebote der Volkshochschule zu ergänzen“, erklärt Gemeindehelferin Janett Harnack. Da die Kurse und die Anzahl der Teilnehmer begrenzt sei, wollen die Ehrenamtlichen die Zeit zwischen den Deutsch-Seminaren überbrücken. Meistens arbeitet immer ein Helfer mit einem Flüchtling zusammen. So könne auf den jeweiligen Sprachstand aufgebaut werden.

Auch Mohammad und Frankenstein gehen gleich ans Werk. Der Asylbewerber, der vor neun Monaten mit seinen sieben Kindern und seiner Frau nach Deutschland geflüchtet ist, soll Sätze zu Krankheiten aufschreiben. „Ich lerne gern Deutsch“, sagt der 45-Jährige. „Ich bin traurig, dass ich gerade an der Volkshochschule keinen Kurs machen kann. Deswegen komme ich hierher.“

„Ich niese“ oder „Ich muss husten“ sind für den gelernten Homöopathen keine Schwierigkeit. „Deutsch ist dem Englischen ziemlich ähnlich“, nennt er als Begründung. Materialien wie Bilderkarten, Arbeitsblätter oder Lehrbücher für die Arbeit mit den Flüchtlingen haben die Helfer gespendet bekommen.

80 Asylbewerbern aus Syrien, Afghanistan, Albanien und dem Irak konnten sie damit schon weiterhelfen. Etwa zehn Personen kommen zu jedem Treffen, viele von ihnen regelmäßig. Ein Zertifikat können sie hier aber nicht erwerben. „Uns geht es auch hauptsächlich darum, dass die Flüchtlinge mit Einheimischen ins Gespräch kommen“, betont Janett Harnack. „Über die Sprache gelingt Integration, das merken wir hier ganz stark.“ So wurden die Ehrenamtler schon von ihren Schülern zu traditionellem Essen eingeladen, haben Ausflüge unternommen oder besorgten Fahrräder, Spiele und Babysachen. „Sie kennen ihre Geschichten“, erklärt die Gemeindehelferin. „Da ist es natürlich auch eine emotionale Belastung, wenn ihre Schützlinge dann doch abgeschoben werden.“

„Für mich ist das Helfen selbstverständlich“, sagt Frankenstein, dessen Frau Christel ebenfalls mithilft. Sie sind von Anfang an dabei und konnten ihre Erfahrungen als Lehrerin beziehungsweise als Handwerksmeister, der Meisterklassen an der IHK unterrichtete, nutzen. „Die Flüchtlinge sind immer top motiviert und das Unterrichten ist auch für mich eine sinnvolle Beschäftigung“, erklärt der 76-Jährige. Arabisch spreche er nicht, da werde manchmal schon mit Händen und Füßen erklärt. „Aber alle sind mit Herzblut dabei. Das freut mich.“

Und die Arbeit trägt Früchte: Najibula Mirajan aus Afghanistan steht kurz vor seiner Prüfung auf dem B1-Niveau. Das heißt, dass er fließend Gespräche verstehen kann, zusammenhängende Sätze spricht, Alltagstexte lesen und kurze Texte selbst schreiben kann. „Ich bin ziemlich nervös“, gibt der 24-Jährige zu, der erst seit sieben Monaten Deutsch lernt. Als er vor einem Jahr flüchtete, habe er auch nur seine Muttersprache Paschtu gesprochen. Über drei Wochen hat er fünf Tage in der Woche drei Stunden täglich Unterricht an der Volkshochschule gehabt. „Aber ich möchte lieber nochmal sicher gehen und hier noch etwas üben, damit ich auch bestehe.“

Ann-Christin Schneider

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