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Unbekannter Burgsitz der Rügenfürsten am Kap Arkona gefunden?

Rügen Unbekannter Burgsitz der Rügenfürsten am Kap Arkona gefunden?

Bei den Grabungen sind Archäologen auf Münzen gestoßen, die eine Nutzung der berühmten Anlage nach der Zerstörung im Jahr 1168 vermuten lassen

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Archäologen sichern mit ihrer Arbeit Zeugnisse der historischen slawischen Tempelburg.

Quelle: Foto: Stefan Sauer

Rügen. Die slawische Tempelburg am Kap Arkona könnte nach der Zerstörung des Heiligtums Swantevit im Jahr 1168 durch die Dänen weiter als Herrschaftssitz genutzt worden sein. Bei den Notgrabungen durch das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege sind die Archäologen neben frühmittelalterlichen Geldstücken auch auf Münzen gestoßen, die dem Geschlecht der Rügenfürsten unter Jaromar I. (gest. 1218), Witzlaw I. (gest. 1250) und Jaromar II. (gest.1260) sowie den pommerschen Herzögen zuzuordnen sind.

„Wir haben inzwischen rund zehn Münzen aus der Zeit von 1180 bis 1250 gefunden“, sagt der Grabungsleiter Fred Ruchhöft. „Der Fund so vieler, eigentlich sehr seltener Münzen lässt sich nicht dadurch begründen, dass ein Bauer sie zufällig dort verloren hat.“

In der letzten der bisher fünf Grabungen zur Notsicherung der Tempelburg-Reste entdeckten die Forscher drei Hohlpfennige, die aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammen und unter dem Fürstengeschlecht geprägt wurden. „Diese Münzen stammen aus einer Zeit, in der am Kap Arkona nichts mehr existieren sollte“, so Ruchhöft. „Die Funde sind Indizien dafür, dass Arkona nach 1168 weiter genutzt wurde.“ Eine dieser Münzen aus dem späten 12. Jahrhundert war bereits in den 1990er-Jahren gesichert worden.

Bislang gibt es in der Geschichte der Insel Rügen eine weiße Stelle: Nach der Eroberung der slawischen Tempelburg durch die Dänen 1168 wird in historischen Quellen die Insel erst wieder mit der Gründung des Klosters Bergen im Jahr 1193 erwähnt. Möglich sei, dass die Arkona-Anlage nach der Eroberung und der offiziellen Christianisierung durch die Dänen entweder als Burg der zwangschristianisierten Rügenfürsten oder gar als heidnische Kultstätte weitergenutzt wurde, sagt der Experte und verweist auf die Münzfunde.

Einen weiteren Hinweis auf eine Nutzung Arkonas nach der Eroberung gibt auch der Bericht des Geschichtsschreibers Saxo Grammaticus (1140-1220), der um 1200 die Ereignisse der Eroberung beschrieb. Dem Bericht Saxos zufolge soll der Dänenkönig Waldemar I. befehligt haben, aus den zerstörten Belagerungsmaschinen eine Kirche zu errichten. Und: Saxo berichtet im Zusammenhang mit der Eroberung zwar von einem verbrannten Burgtor und dem zerstörten Standbild des Swantevit, nichts aber von weiteren Zerstörungen in der slawischen Anlage. Somit scheint eine weitere Nutzung denkbar.

Aufschluss über das Schicksal der Tempelburg nach der Dänen-Eroberung erhoffen sich die Archäologen von der nächsten Grabungskampagne. Die beginnt im Frühsommer. Zu den wichtigsten Aufgaben gehört die Untersuchung des Walls, um Infos über Wallbau und Zerstörung der Anlage zu gewinnen.

Martina Rathke

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