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Viele Tiere verwahrlosen in Wohnungen

Rostock/Schlage Viele Tiere verwahrlosen in Wohnungen

Amtstierärzte sind auf Hinweise angewiesen / Es gibt erschreckende Beispiele in der Region

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Auch Kaninchen sind oft verwahrlost. Tierschutzvereinschefin Angelika Streubel hat etliche aus einer Wohnung befreit.

Quelle: Foto: Claudia Tupeit

Rostock/Schlage. Blutig und offen klafft der Tumor an ihrem Hals. Die Hündin hat sich die juckende Wunde wahrscheinlich aufgekratzt. Mindestens seit ein paar Monaten muss es sie schon gequält haben. Doch ihre Besitzerin hat sie nicht zum Tierarzt gebracht. Ihr Leiden blieb geheim. Bis Angelika Streubel, frisch gewählte Vorsitzende des Rostocker Tierschutzvereins, einen Hinweis bekam und zu der Adresse fuhr. Das wahre Ausmaß der Erkrankung zeigt erst das Röntgenbild: Der Tumor steckt viel tiefer unter der Haut als zuvor gedacht. Heilungschancen? Fast null.

Hohe Dunkelziffer

8 Fortnahmen gibt es im Durchschnitt jährlich in Rostock aus privaten Haushalten. Meistens

handelt es sich um Hunde, seltener um Reptilien oder Katzen. Amtstierärzte können bei leichten Haltungsmängeln Auflagen erteilen. Schwere Missstände führen dagegen zur sofortigen Mitnahme der Tiere.

15 Quadratmeter Platz sind zum Beispiel für zwei Katzen zur Haltung vorgeschrieben.

So weit hätte es bei dem Tier nicht kommen müssen, sagt Amtstierärztin Dr. Heike Neumann. „Finanzielle Nöte und Angst vor Behandlungskosten des Tieres dürfen auf keinen Fall dazu führen, dass das Tier vernachlässigt wird.“ Oder gar stirbt. Besitzer sollten sich in solchen Fällen hilfesuchend an das Amt wenden. „Wir finden immer eine Lösung“, sagt Neumann. Beispielsweise über Spenden, die auch Angelika Streubel schon oft gesammelt hat, um Tieren in Not eine teure ärztliche Versorgung zu ermöglichen. „Doch dafür müssen wir solche Fälle auch erst einmal mitbekommen“, betont sie. Durch Familienangehörige oder aufmerksame Nachbarn etwa, wie in einem ihrer aktuellen Fälle: eine 90-Jährige, die seit vielen Jahren einen kleinen Rüden besitzt – und auffällig lange nicht mehr mit dem Tier Gassi gegangen ist. Der hilflose Vierbeiner verrichtete große und kleine Geschäfte in der Wohnung. „Es stank da so gewaltig“, erzählt die Vorsitzende des Tierschutzvereins erschüttert. Das Schlimme: Ein Pflegedienst besucht die Hundebesitzerin mehrfach täglich. „Und von denen kam an uns leider kein Zeichen, dass da was schiefläuft“, ist Streubel empört.

Doch nicht nur das Alter kann die Tierpflege negativ beeinflussen. Oft sind es psychische Probleme, Alkoholkonsum oder veränderte Lebensverhältnisse durch die Arbeit, bestätigt die Amtstierärztin.

Einen Hund tagelang allein in der Wohnung zu lassen, weil der Beruf den Halter plötzlich in eine andere Stadt führt – auch das sei Vernachlässigung. Ausschließlich aus privaten Haushalten hat Neumann in den jüngsten Jahren Tiere – vor allem Hunde – aus ihrer Verwahrlosung oder von Tierquälerei befreit. „Bei landwirtschaftlichen und gewerblich genutzten Tieren wie bei Sicherheitsfirmen kontrollieren wir die Haltung vom Amt aus regelmäßig“, erklärt sie. Doch bei Privaten sei das nicht möglich. Vor allem im Internet angebotene Tiere seien ein Problem, weil viele Anbieter ihre Tiere einfach nur loswerden wollen. „Abnehmer bekommen dadurch oft keine ehrlichen Angaben über den Charakter des Tieres. Die Abgeber wiederum interessieren sich in der Regel nicht für die Umstände, in die sie das Tier nun geben“, mahnt Streubel an. Aspekte wie ausreichend Zeit und Geld für ein Haustier sowie Platz gelte es zu bedenken, sagt Neumann weiter.

Während das Leid von Hunden und Katzen hinter den Wohnungstüren noch gut auffallen kann, quälen sich Kleintiere, Vögel und Reptilien oft unentdeckt. Durch den Hilferuf der Besitzerin konnten aus ihrer Wohnung aber 21 Meerschweinchen und Kaninchen geholt werden. Sie warten nun im Tierheim Rostock-Schlage auf neue Besitzer.

Claudia Tupeit

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