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Vogelgrippe: Backhaus fordert Landkreis zum Handeln auf

Stralsund Vogelgrippe: Backhaus fordert Landkreis zum Handeln auf

Bürger hatten sich über laxen Umgang mit ihren Hinweisen beschwert / Auch Tierparks in Vorpommern-Rügen haben Schutzmaßnahmen ergriffen

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Hühner in Vorpommern-Rügen dürfen wegen der Vogelgrippe seit gestern nicht mehr draußen herumlaufen. FOTO: TILO WALLRODT

Stralsund. /Marlow. Im Umgang mit der sich ausbreitenden Vogelgrippe hat der Landkreis Vorpommern-Rügen eine Ermahnung aus Schwerin bekommen.

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Bürger hatten sich über laxen Umgang mit ihren Hinweisen beschwert / Auch Tierparks in Vorpommern-Rügen haben Schutzmaßnahmen ergriffen

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3 Gebiete im Kreis Vorpommern-Rügen stehen wegen der Vogelgrippe unter besonderer Beobachtung. Dazu gehören die Gemeinde Sundhagen, von der Gemeinde Garz die Halbinsel Zudar und der Gemeinde Poseritz der Ortsteil Üselitz.

Umweltminister Till Backhaus (SPD) wies Landrat Ralf Drescher (CDU) gestern persönlich an, Hinweise von Bürgern ernst zu nehmen. „Ich erwarte von den Behörden, dass sie sofort der Sache nachgehen, wenn tote Vögel gefunden werden“, sagte Backhaus. Für einen laxen Umgang mit den Anrufen habe er kein Verständnis. „Es geht hier um eine hochansteckende Seuche. Wir müssen alles dafür tun, dass sie nicht verschleppt wird.“

Anlass für die ministerielle Ansage waren Berichte von Bürgern aus Vorpommern-Rügen, die sich über die Vorgehensweise der Behörden am Wochenende beschwert hatten. Ein Stralsunder will einen toten Adler entdeckt haben. Auf seinen telefonischen Hinweis habe man nur geantwortet, dass man keine Zeit habe, rauszufahren. Das sagte er dem Sender „Ostseewelle“.

Einen weiteren Fall schildert der Vize-Wehrführer aus Groß Mohrdorf, Maik Kupz. Er hatte am Freitag drei tote Enten aus dem Barther Bodden bei Kinnbackenhagen geholt und beim Veterinäramt abgegeben.

„Ich habe dann gefragt, was ich machen soll, wenn ich am Wochenende tote Tiere finde. Man sagte mir, dann solle ich sie vor eine Hintertür legen“, berichtete Kupz. Kreissprecher Olaf Manzke bezeichnete die geschilderten Vorfälle gestern als „Missverständnisse“. Die Tiere sollen nicht irgendwo abgelegt werden. Wenn jemand einen toten Wildvogel finde, solle derjenige sich sofort bei den Behörden melden. „Insbesondere bei Greif- und Zugvögeln sind wir da sehr sensibel“, sagte Manzke. Dann werde ein Mitarbeiter losgeschickt, der den Kadaver zur weiteren Untersuchung einsammelt. Von Anrufen wegen toter Singvögel soll dagegen abgesehen werden, da von ihnen keine Gefahr ausgehe.

In MV sind am Wochenende mehrere tote Wildvögel gefunden worden. Darunter auch ein Mäusebussard bei Ummanz auf Rügen, der positiv auf den Erreger H5 getestet wurde. Derzeit wird untersucht, ob es sich um den hoch ansteckenden H5N8-Virus handelt. Der Erreger gilt als ungefährlich für Menschen, ist aber eine erhebliche Bedrohung für Hausgeflügel. Die Nutztierbestände in Vorpommern-Rügen sind bislang offenbar verschont geblieben, laut Kreissprecher Olaf Manzke gibt es keinen Verdachtsfall.

Seit gestern gilt in ganz MV die Stallpflicht. Beim Rügener Landwirt Holger Kliewe haben etwa 500 Gänse und 3500 Enten, die sonst unter freiem Himmel den Tag verbringen, ein Dach über dem Kopf.

Sie leben nun teilweise dort, wo Kliewe sonst Technik unterstellt. „Eine andere Wahl blieb uns nicht“, sagt Kliewe. Gleichzeitig macht er deutlich, dass aktuell mehr Tiere als sonst geschlachtet werden. „Damit die anderen in den Ställen mehr Platz haben.“ Es würden derzeit bis zu 800 Tiere pro Woche geschlachtet.

Auch die Tierparks müssen ihre Bewohner schützen. Im Vogelpark Marlow wurden alle gefährdeten Tiere bereits in der vergangenen Woche in die Ställe gebracht. „Gefährdet sind alle Wasservögel. Das sind etwa 40 bis 50 Tiere“, berichtet Pressesprecherin Franzi Zöger. Seit gestern sind zudem einige Anlagen für Besucher geschlossen. „Das sind aber alles reine Vorsichtsmaßnahmen“, sagt die Sprecherin.

Der Stralsunder Zoo nimmt keine hilflosen oder verletzten Wildvögel mehr auf, teilt Chef Christoph Langner mit. Wirtschaftsgeflügel wie Hühner, Enten und Gänse sei in Ställen untergebracht worden.

Bei großen Laufvögeln wie Emus funktioniere das nicht. „Wir reden mit den Ämtern wegen einer Ausnahmegenehmigung“, sagt Langner. Für Mitarbeiter und Besucher wurden Desinfektionsmatten aufgestellt.

Sonderschichten mussten Mitarbeiter und freiwillige Helfer auch im Grimmener Heimattierpark einlegen. Etliche Volieren wurden mit Planen überdacht. „So verhindern wir, dass Kot von Wildvögeln zu unserem Tierpark-Geflügel gelangt“, erklärt Zoo-Chefin Christine Trapp.

Alexander Müller

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