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Von Armut gezeichnet: Fotoschau in der Marienkirche

Ribnitz-Damgarten Von Armut gezeichnet: Fotoschau in der Marienkirche

Die Wanderausstellung „Gesichter der Armut“ der Awo macht Halt in Ribnitz-Damgarten / Jeder Fünfte im Land gilt als arm

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Karin Jürß lässt sich vom Fotografiker Bernd Lasdin die Geschichten hinter den Portraits in der Marienkirche erklären.

Quelle: Ann-Christin Schneider

Ribnitz-Damgarten. Voller Stolz blickt Margot Batz in die Kamera. Ihr 17-jähriger Sohn Chres hat eine Ausbildung begonnen. Behütend hat er einen Arm um sie gelegt.

„Mein Sohn muss mich ernähren“, schreibt Margot Batz zu dem Schwarz-Weiß-Bild, was ihre Familie in ihrem spärlich eingerichtetem Wohnzimmer zeigt. Margot Batz ist ausgebildete Bürokauffrau, erwerbslos, hat fünf Kinder, lebt in Mecklenburg-Vorpommern und gilt als arm. Sie ist eine von 30 Menschen, die mit einer Fotoschau der Armut im Land ein Gesicht geben. Seit Dienstag werden die Bilder „Gesichter der Armut“ von Fotografiker Bernd Lasdin in der Marienkirche gezeigt. Es ist ein Projekt des Landesverbandes der Arbeiterwohlfahrt (Awo), das bereits in Schwerin, Grimmen, Stralsund und Waren gastierte. Es ist von der Glücksspirale finanziert.

„Dass ein Azubi seine Mutter ernähren muss, ist schlimm“, sagt Inge Höcker, stellvertretende Kreisvorsitzende der Awo. „Es sind vor allem allein erziehende Mütter und Senioren, die in die Armut abrutschen.“ Jeder Fünfte gilt in MV als arm. Das bedeutet, dass sie weniger als 850 Euro im Monat haben. Eine Studie der Awo von 2013, bei der 60 Menschen aus Rostock und Neustrelitz befragt wurden, ergab, dass vor allem Mietpreise, Erreichbarkeit von Supermärkten, sozialer Anschluss und Scham zu den Probleme zählen. „Das war Anlass für uns, Bilder für das Thema sprechen zu lassen“, erläutert Inge Höcker.

Bei der Ausstellungseröffnung ist auch Karin Jürß sichtlich von den Bildern ergriffen. „Armut ist überall, doch oft erkennen wir sie nicht“, sagt die 76-Jährige. Vor allem erschreckt die Ribnitz-Damgartenerin, wie schnell Menschen in die Armut getrieben werden. „Krankheit, fehlender Abschluss oder Schwangerschaft – es kann so schnell gehen“, resümiert Jürß.

Der Neubrandenburger Bernd Lasdin war ein dreiviertel Jahr unterwegs, um seine 30 Protagonisten zu finden. „Die Hälfte meiner Anfragen wurden abgelehnt – die Scham war groß“, sagt der 67-Jährige.

Seit 30 Jahren fotografiert er für sozialpolitische Projekte und nutze sein Netzwerk zu Obdachlosen, Verbänden und Tafeln.

„Es ist aber beeindruckend, wie zuversichtlich viele doch in die Kamera blicken“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Antje Weilandt. „Sie kämpfen für sich und ihre Familien. Das ist stark.“ In den handschriftlichen Kommentaren unter den Bildern wünschen sich viele von ihnen einen Job oder Geld, um ihren Kindern ihre Wünsche zu erfüllen. Eine Mutter braucht ein Auto, um ihr schwerbehindertes Kind zu den Therapien fahren zu können. „Großartig ist, dass auch die zu Wort kommen, die sich bewusst gegen das Sozialsystem stellen“, sagt der Vorsitzende des Sozialausschusses der Stadt, Tino Leipold. Er meint das Portrait von Alexander Meinel. Leger sitzt der 26-Jährige im Schneidersitz mit seinem Hund auf der Couch. „Ich habe Zeit dem Geld vorgezogen“, erklärt Meinel, der seine Kochlehre abgebrochen hat unter seinem Bild. „Wer mich dafür verurteilt, kann dies gerne tun.“

Die Awo fordert, dass sich etwas an der Situation der Armen ändern muss. „Die Landesregierung sollte Armutsberichte veranlassen, um das Thema weiter in den Fokus zu rücken“, fordert Inge Höcker. Denn erst wenn das landesweite Problem erfasst sei, könnten Maßnahmen zur Bekämpfung ergriffen werden.

Ausstellung „Gesichter der Armut“bis zum 18. November, kostenlos, Mo-Fr 10 bis 16 Uhr in der Marienkirche.

Ann-Christin Schneider

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