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Von weißen Flügeln, exotischen Konzert-Orten und 16 Takten

Rostock Von weißen Flügeln, exotischen Konzert-Orten und 16 Takten

Bei der 6. Auflage des Kulturtalks im OZ-Studio erzählte Klaus Kreutzer, Leiter des Rostocker Piano Centrums, Anekdoten und vermittelte Wissenswertes rund ums Klavier

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Im OZ-Studio (v.l.): Pianist Robert de Lux, Thorsten Czarkowski (OZ), Klavierbauer Klaus Kreutzer und Alexander Loew (OZ). Fotos (3): Dietmar Lilienthal

Rostock. Klaus Kreutzer ist ein Unikat: Er ist nicht nur gelernter Akkordeon-, Klavier- und Cembalobauer sondern auch noch studierter Jurist. Angst, verklagt zu werden, müsse trotzdem kein Kunde von ihm haben, betont er im OZ-Studio der OSTSEE ZEITUNG mit einem Augenzwinkern. Beim Kulturtalk mit Alexander Loew (OZ-Chefredaktion) und Thorsten Czarkowski (Kulturredaktion) plaudert der Leiter des Piano Centrums Rostock über seinen Alltag.

 

OZ-Bild

Ich wollte hören, was Klaus Kreutzer berichtet und war gespannt auf die Musik.“Besucherin Christiane Prechtel (64)

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„Ich wurde gefragt, ob ich hier was auf dem Klavier spielen kann. Aber ich bin ein Sechszehntel-Takt- Pianist“, sagt er. Was das sein soll? „Ich muss ja für die Kunden eine Kostprobe auf dem Klavier geben, kann aber nicht viel mehr spielen als die ersten 16 Takte. Zum Glück haben die meisten Leute nicht so viel Zeit“, verrät er. Ehrlich und unverkrampft erzählt Kreutzer im Laufe des Abends zahlreiche Anekdoten – zum Beispiel, wie er einen alten Bechstein- Flügel in letzter Minute vor dem Hammer eines Abrissunternehmers rettete, oder dass er seine Instrumente zur Miete bereits an exotischen Orten wie in Prerow am Strand aufgestellt hat. „Dabei habe ich weniger Angst vor Sand im Getriebe als vor dem exzessiven Spielen einiger Künstler“, gibt er zu. „Es gab schon welche, die Reis oder Keramikteile in das Instrument geworfen haben, um zu sehen, was das mit dem Resonanzboden macht.“

An seinen Tasteninstrumenten liebt Kreutzer vor allem deren Komplexität. Aus 9000 Teilen besteht ein Klavier. Und damit die auch nach Jahren noch am richtigen Ort die richtige Funktion erfüllen, sorgt Kreutzer obendrein für Wartung und Restauration. Dafür nehme er sich selbst als Geschäftsführer noch Zeit. Seit 2001 betreibt er sein Geschäft in der Langen Straße in Rostock, wo auf 250

Quadratmetern mehr als 60 Klaviere und 40 Digitalpianos stehen. 2005 ist eine Filiale in Leipzig hinzugekommen. 120 Klaviere und 30 Flügel verkauft er eigenen Angaben zufolge pro Jahr, mache damit einen Umsatz von rund zwei Millionen Euro.

Und: In sein Geschäft kommen die unterschiedlichsten Menschen. „Von der armen Kirchenmaus bis hin zu Kunden, die selbst nicht spielen können, sich aber einen weißen Flügel kaufen, weil er so gut zur Einrichtung passt“, sagt Kreutzer.

„80 Prozent aller Deutschen würden gern Klavier spielen, vier Prozent tun es tatsächlich und zwei Prozent haben ein eigenes Klavier“, schätzt er. Zu Ersteren gehört auch Besucher Bernhard Glück. „Als Junge hätte ich gern selbst Klavier gespielt, aber dafür war kein Geld da. Es hat leider nur für ein Akkordeon gereicht“, erklärt der 74-jährige Rostocker. Umso intensiver verfolgt er die Diskussion und genießt die musikalische Untermalung.

Und damit diese nicht mit einem Medley aus den ersten 16 Takten verschiedener Werke bestritten werden muss, hat Klaus Kreutzer kurzerhand seinen Lieblingspianisten Robert De Lux ins OZ-Studio mitgebracht. De Lux beglückt die Zuhörer nicht nur mit seinem Witz und Charme, sondern er reiht auch gekonnt und virtuos die verschiedensten Lieder und Musikstile in seinem Medley aneinander.

Dass Klaus Kreutzer auch in seiner Freizeit hin und wieder am Klavier sitzt und mit einer seiner drei Töchter vierhändig spielt, muss er schließlich mit Robert De Lux doch noch unter Beweis stellen.

Seine musikalische Vorliebe? „Bach“, sagt Kreutzer.„Früher mochte ich den nicht, heute weiß ich: Das hört sich alles einfach an, ist aber sehr schwer.“

Stefanie Büssing

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