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Wasserversorger kauft Ackerland

Ribnitz-Damgarten Wasserversorger kauft Ackerland

Um das Grundwasser zu schützen, hat die Boddenland GmbH bereits mehr als 30 Hektar Land erworben

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In Alt Guthendorf besichtigten Landwirte eines der Wasserwerke der Boddenland GmbH.

Quelle: Peter Schlag

Ribnitz-Damgarten. Ackerkauf für den Trinkwasserschutz: Im Zuge der Gefährdung des Grundwassers durch Nitrate kauft der Wasserversorger Boddenland GmbH aus Ribnitz-Damgarten rund um seine Brunnenstandorte Flächen auf. „Bisher sind es um die 30 Hektar Wiesen und Ackerflächen, die wir erwerben konnten“, erläutert Geschäftsführer Hans Köhler. So habe es Ankäufe zum Beispiel in Ehmkenhagen (1,6 Hektar) und Dettmanndorf (1,1 Hektar) gegeben.

Es wird immer schwie- riger, Land in der Trinkwasser- schutzzone II zu erwerben.“Hans Köhler, Geschäftsführer Boddenland

Seit 2012 versucht so die Boddenland GmbH, in der sogenannten Schutzzone II (Umkreis 100 Meter um den Brunnen), in der ohnehin bereits Einschränkungen für die Landwirte gelten, das Grundwasser noch stärker zu schützen. Auf den aufgekauften Flächen hat alles zu unterbleiben, was zu einer Verunreinigung des Trinkwassers führen könnte. So ist hier beispielsweise das Ausbringen von Pestiziden und Düngen mit Gülle grundsätzlich verboten.

Ziel ist es, das Eindringen von Nitraten und Sulfaten sowie weiterer Schadstoffe ins Grundwasser zu verhindern. Das wird von der Boddenland aus einer Tiefe von 20 bis 25 Metern aus insgesamt 78 Brunnen gewonnen und zu den jeweiligen Wasserwerken gepumpt, wo es dann ohne Zusätze zu Trinkwasser aufbereitet wird.

Noch sind die Nitratwerte im Trinkwasser der Wasser- und Abwasser GmbH Boddenland aufgrund der günstigen geologischen Situation — 90 Prozent der Wasserleiter sind durch mächtige Ton- und Mergelschichten geschützt — nachweislich gering.

Bei einer Probenentnahme im Wasserwerk Ribnitz beispielsweise waren im Oktober vorigen Jahres 2,41 Milligramm pro Liter gefunden worden, in Zingst waren es nur 2,36 Milligramm pro Liter. Zum Vergleich: 50 Milligramm pro Liter beträgt laut EU-Richtlinie die Obergrenze für Nitrat im Grundwasser.

Dort allerdings, wo die schützende Deckschicht fehlt, wie in Barth, gibt es große Probleme. Bei der Untersuchung einer Probe von der Wasserentnahmestelle Sundischer Berg wurden immerhin 42,5 Milligramm Nitrat pro Liter festgestellt.

Hans Köhler: „Auch wenn die meisten der von uns angezapften Wasserleiter durch mächtige Ton-Mergelschichten geschützt sind, heißt das nicht, dass diese undurchdringbar sind für Nitrate oder andere Stoffe, die wir nicht im Wasser haben wollen. Wenn den Menschen auch noch in einigen Jahrzehnten sauberes Wasser zur Verfügung stehen soll, müssen wir bereits heute handeln.“

Allerdings werde es immer schwieriger, Land zu erwerben, erläutert der Boddenland-Geschäftsführer weiter. Denn kaum ein Eigentümer wolle noch verkaufen, und wenn, dann müsse man aufgrund der enorm gestiegenen Preise für Ackerland sehr hohe Summen zahlen. Da sei man mittlerweile bei Preisen von bis zu 20000 Euro pro Hektar angekommen.

Die aufgekauften Flächen werden der Landwirtschaft im Übrigen nicht entzogen, betont Köhler. Sie werden wieder an die Landwirte verpachtet. Da der Trinkwasserversorger Boddenland aber Eigentümerin dieser Flächen sei, könne man Verbote und Nutzungseinschränkungen gegenüber den Landwirten besser durchsetzen. „Damit ist es möglich, quasi Bio-Standards zu sichern“, so Hans Köhler.

Landwirtschaft trifft Wasserwirtschaft

Die Belastung des Grundwassers belastet auch die Landwirte in der Region. Denn die wollen die Kritik nicht so einfach hinnehmen. „Wir Landwirte sind ja auch Verbraucher, wir machen uns schon Gedanken“, sagte Peter Kröher, Landwirt aus Gerdeswalde, jetzt bei einer Runde von Vertretern der Wasserwirtschaft und Landwirtschaft in Marlow. Wer nachhaltig wirtschafte, achte auch auf eine vernünftige Humus-Bilanz, fügte Kröher hinzu. Christiane Opitz aus Leyerhof erklärte das detaillierte Vorbereiten der Ackerflächen: „Da wird schlaggerecht gedüngt.“

Wilfried Lenschow nannte noch ein anderes Argument: „Der Dünger ist so teuer, dass keiner mehr düngt, als sein muss“, gibt der Bartelshäger zu bedenken.

Im Rathaussaal von Marlow saßen die Landwirte mit Hans Köhler und Eugen Turnow von der Boddenland GmbH zusammen. Zuvor hatten sie das Wasserwerk im benachbarten Alt Guthendorf besichtigt.

Es ging um den Austausch von Standpunkten, Erfahrungen und Meinungen zum Thema Trinkwasser. Zuvor war auch im Umweltausschuss des Kreistages die Trinkwassersituation in der Region bereits Thema gewesen — unter anderem in Verbindung mit der zunehmenden Belastung des Grundwassers mit Sulfaten und Nitraten.

Für die Boddenland ist die Wasserentnahmestelle Sundischer Berg nahe Barth ein großes Sorgenkind. Aufgrund der Nitratbelastung sind nur noch zwei der vier Brunnen in Betrieb, das Aus für diese Wasserfassung droht. Damit würden täglich 800 Kubikmeter Wasser nicht mehr zur Verfügung stehen. Gerade im Sommer, wenn wegen der Urlauber der Wasserverbrauch in der Region hochschnellt, ein schlimmes Szenario. „Wir müssen die Wasserfassung wahrscheinlich aufgeben“, befürchtet Eugen Turnow.

Fairerweise müsse man zum Sundischen Berg auch erwähnen, dass es dort einen nicht abgedeckten Grundwasserleiter gibt, merkte Christian Ehlers, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, an. Nicht abgedeckter Grundwasserleiter bedeutet, dort fehlt eine Schutzschicht im Boden, Stoffe können leichter ins Grundwasser gelangen, was die hohen Nitratwerte in der Entnahmestelle Sundischer Berg erklärt.

Christian Ehlers hatte sich schon in der Umweltausschusssitzung anhören müssen, dass übermäßiges Düngen durch die Landwirte ein Hauptgrund für die Probleme mit Sulfat- und Nitratbelastung der Böden sei. Nicht nur er, auch die anderen Landwirte wollen das nicht stehen lassen.

Letztlich wolle jeder gutes Trinkwasser haben. Und da hat Deutschland einen sehr hohen Standard, betont Hans Köhler. Abgesehen vom Sundischen Berg seien ansonsten die Nitratwerte der anderen Wasserentnahmestellen erfreulich gut.

Pro Jahr 3,4 Millionen Kubikmeter Trinkwasser

Mit 14 Wasserwerken , 2 Druckstationen, 83 Brunnen, 850 Kilometer Versorgungs- und 390 Kilometer Anschlussleitungen versorgt die Boddenland GmbH weit über 61 000 Einwohner mit über 20000 Abnahmestellen. Zusätzlich betreibt die Boddenland fünf Abwasserbetriebe für insgesamt 25000 Einwohner. Pro Jahr verkauft das Unternehmen rund 3,4 Millionen Kubikmeter Wasser.

Trinkwasser-Brunnen sind durch Schutzzonen gesichert. Im Umkreis von 20 Metern darf landwirtschaftlich gar nichts passieren (Schutzzone I), im Umkreis von 100 Metern (Schutzzone II) ist eine eingeschränkte Nutzung möglich .

Von Peter Schlag Edwin Sternkiker

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