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Wenn die Zeit auch noch für eine Umarmung reicht

Ribnitz-Damgarten Wenn die Zeit auch noch für eine Umarmung reicht

Elke Wittenborn arbeitet im Team der Häuslichen Krankenpflege Oettel in Ribnitz / Um 6 Uhr morgens macht sich die 51-Jährige auf den Weg, ein offenes Ohr inklusive

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Charlotte Winter (r.) und Elke Wittenborn sehen sich an manchen Tagen drei Mal.

Quelle: Fotos: Carolin Riemer

Ribnitz-Damgarten. Wer Charlotte Winter kennt, fürchtet sich nicht vor dem Alter. Die 95-Jährige sitzt im adretten Morgenmantel auf dem Bett, als Kranken- und Altenpflegerhelferin Elke Wittenborn (51) ihre Haustür öffnet. Es ist 7.30 Uhr. Seit neun Jahren nimmt Charlotte Winter drei Mal täglich die Hilfe von den Pflegern des Unternehmens Oettel in Anspruch.

OZ-Bild

Elke Wittenborn arbeitet im Team der Häuslichen Krankenpflege Oettel in Ribnitz / Um 6 Uhr morgens macht sich die 51-Jährige auf den Weg, ein offenes Ohr inklusive

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Ich bekomme Pflege, behalte aber meine Selbstständigkeit.“

Charlotte Winter (95)

Nicht immer ist es Elke Wittenborn, die der alten Dame bei der morgendlichen Wäsche, beim Anziehen und bei der Zubereitung der Mahlzeiten hilft. Nur die Haare, die frisiert sich die 95-Jährige stets allein. Dann formt sie die langen grauen Haare zu einem Dutt – seit Jahrzehnten ihr Markenzeichen. „Zu mir kommen verschiedene Pflegerinnen – aber ich mag sie alle“, sagt die Seniorin. Charlotte Winter kann auch mit den Augen lächeln. Ihr Leben lang leitete sie verschiedene Kindergärten in Ribnitz. Kinder liebt sie noch heute und sie ist froh, dass sie mittlerweile sechs Urenkel hat. Ihre Familie kommt oft zu Besuch.

Doch genauso wichtig wie die Unterstützung bei alltäglichen Handgriffen ist allen Klienten des Pflegedienstes die Unterhaltung mit den Schwestern. Da werden Neuigkeiten von den Kindern, Enkeln und den Nachbarn erzählt. Elke Wittenborn weiß, was die zu Pflegenden bewegt, wann sie eine Umarmung brauchen oder lieber schweigen möchten. Charlotte Winter ist an diesem Morgen die vierte Patientin, die von ihr versorgt wird.

Um 6 Uhr morgens startet Wittenborns Arbeitstag, um 4.30 Uhr klingelt der Wecker in ihrem Haus in Neuenlübke bei Trinwillershagen. Für Elke Wittenborn ist ihr Beruf der schönste auf der Welt. „Man muss es mit dem Herzen ausüben, alte Menschen mögen – dann bekommt man so viel von ihnen zurück“, sagt die Mutter zweier Kinder. Ihre jüngste Tochter entschied sich jüngst für den Beruf der Altenpflegerin. Obwohl es ein harter Job ist und sich Elke Wittenborn wahrscheinlich niemals als Millionärin zur Ruhe setzen wird.

Die Zeit ist immer ein bisschen knapp, es gibt zu viel zu erzählen. Rosemarie Kriegsheim wartet bereits im Nebenhaus auf Elke Wittenborn. Die 85-Jährige bekommt Hilfe bei der Pflege, bei der Einnahme ihrer Medikamente oder wenn, so wie heute, die Batterien ihres Hörgerätes ausgetauscht und der Blutdruck kontrolliert werden müssen. „Schreiben Sie unbedingt, dass die Betreuung und die Pflege dieses Dienstes vorbildlich sind“, sagt Rosemarie Kriegsheim. Zu 100 Prozent verlasse sie sich auf die Schwestern. Kriegsheim begrüßt „ihre“ Schwester Elke oft mit dem gleichen Satz: „Auf Sie habe ich schon gewartet, ich muss Ihnen was erzählen.“ Und das macht sie dann auch. Kummer, Sorgen, Freude – die beiden Frauen tauschen sich aus.

Seit zehn Jahren arbeitet die 51-jährige Elke Wittenborn in dem Unternehmen von Kerstin Oettel. Bei Wind und Wetter saust sie mit einem der kleinen Smarts durch die Ribnitzer Straßen und versorgt ihre Klienten. „Unsere Chefin versucht, den Stress klein zu halten. Das ist nicht überall so“, hat sie erfahren. Deswegen ist manchmal auch Zeit für einen Kaffee.

Ein Mal pro Woche kommt Gudrun Türk, ebenfalls Mitarbeiterin des Pflegedienstes Oettel, und holt beide Damen zu Spaziergängen ab. Betreuungszeit nennt sich das im amtlichen Deutsch. Einsam sind weder Charlotte Winter noch Rosemarie Kriegsheim. Dafür aber fit und froh – dank der Pflege.

Mobiler Dienst entlastet Heime

Ribnitz-Damgarten Kerstin Lindner-Oettel gründete den ersten privaten Pflegedienst in Ribnitz-Damgarten. Seit 23 Jahren gibt es ihr Unternehmen mittlerweile. Die OZ sprach mit ihr über den Mangel an Fachkräften und Neuerungen im Bereich der Pflege.Landesweit finden am heutigen Internationalen Tag der Pflege Ver.di-Kundgebungen für mehr Personal und Entlastung in Krankenhäusern und der Altenpflege statt.

Haben Sie genug Personal?

Kerstin Lindner-Oettel: Zurzeit haben wir ausreichend Fachpersonal. Aber in der Vergangenheit musste ich oft längere Zeit suchen, bis ich einen geeigneten neuen Mitarbeiter fand. Der Mangel an Fachkräften liegt meiner Meinung nach an den geburtenschwachen Jahrgängen und nicht daran, dass der Beruf unbeliebt ist. Viele Ausgebildete ziehen auch in andere Bundesländer oder Großstädte um.

Klagen Ihre Mitarbeiter manchmal, dass sie zu wenig Zeit für die Klienten haben?

Oettel: Nein. Die Zeit richtet sich danach, wie viel Hilfe der zu Pflegende benötigt. Manche Besuche gehen schnell, bei anderen bleiben wir bis zu eineinhalb Stunden.

Seit dem vergangenen Jahr steht allen Menschen, die eine Pflegestufe genehmigt bekamen, eine Betreuungszeit zu. Wird die Leistung gut angenommen?

Oettel: Diejenigen, die es wissen, nehmen diese Zeit gern in Anspruch. Zeit, in der sie mit einer Betreuungskraft spazieren gehen oder erzählen – das richtet sich nach ihren Wünschen.

Gerade diese Art der Betreuung genießen die Menschen. Sie freuen sich darauf. Und auch dieser Umstand ermöglicht ihnen, dass sie Zuhause und nicht im Heim alt werden können.

Carolin Riemer

Warum ein Tag der Pflege?

Seit dem Jahr 1967 gibt es den Internationalen Tag der Pflege. Er fällt auf den 12. Mai, dem Geburtstag von Florence Nightingale (1820 bis 1910 ), einer britischen Krankenschwester, die als Vorreiterin der moderenen Krankenpflege gilt. Sie bezog erstmals die Lebensumstände der Menschen, Ernährung, Wohnverhältnisse und ihren psychischen und physischen Zustand in die Pflege mit ein. Vor allem betonte sie die Bedeutung von Hygiene und Desinfektion. Die Krankenschwester griff auch Prinzipien der Statistik in die Krankenpflege auf und revolutioniert das Denken in der damaligen Zeit. Als Tochter aus reichem Hause waren ihre Eltern zunächst dagegen, dass sie den Beruf ausübt – Krankenhäuser verbanden die Menschen damals mit Gefahr. Doch sie setzte sich mit 17 Jahren durch, gründete später sogar ihre eigene Pflegeschule.Nightingale wurde vor allem nach ihren Lazarett-Tätigkeiten im Krimkrieg vereehrt.

Von Interview: Carolin Riemer

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Richard Simm, Geschäftsführer des Wismarer Pflegedienstes Hameyer, sitzt mit Kollegin Nadine Mews und den beiden Mietern Karl-Heinz Wegner und Margot Schaarschmidt im „Herzstück“ der WG, dem Gemeinschaftsbereich.

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