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Wer war eigentlich Tycho Brahe?

Rostock Wer war eigentlich Tycho Brahe?

Zu Ehren des Astronomen wird heute eine Ausstellung eröffnet / In der kommenden Woche werden seine wissenschaftlichen Erkenntnisse auf einem Symposium diskutiert

Rostock. Ein Krater am Mond trägt seinen Namen, zudem weisen eine Bronzetafel in der Buchbinderstraße sowie ein Relief über dem Eingang der Volksbank auf ihn hin – der Däne Tycho Brahe (1546-1601) war einer der bekanntesten Studenten der Universität Rostock, seine Immatrikulation liegt rund 450 Jahre zurück. Anlässlich des 597. Geburtstags der Uni wird heute in der Schatzkammer des Hauptgebäudes eine Ausstellung zu Ehren des Astronomen eröffnet.

„Wir möchten das nahende große Universitätsjubiläum auch nutzen, um auf herausragende Köpfe und wissenschaftliche Leistungen aufmerksam machen“, sagt Rektor Wolfgang Schareck. Dennoch scheint einer der einflussreichsten Personen in der Geschichte der Hansestadt bei der Bevölkerung recht unbekannt zu sein. „Irgendwo habe ich den Namen schon einmal gelesen“, meint etwa Studentin Michaela Pflaum. „Spontan würde ich dabei an einen Alchemisten aus Prag denken, der 1700 gelebt hat.“ Eine andere Vermutung hat der Rostocker Jürgen Kuska. „Der Name klingt nach einem Wissenschaftler. Ich denke, er war in der Psychologie tätig“, sagt der 61-Jährige. „Gehört habe ich den Namen noch nicht.“

Ähnlich geht es vielen Rostockern. „Das ist schade“, sagt die Passantin Gabriele Malchow. „Brahe war einer der bedeutendste und einflussreichsten Astronomen des 16. Jahrhunderts. Von 1566 bis 1572 hat er in Rostock gelebt und Astronomie und Mathematik an der Universität studiert.“

So kamen von Brahe unter anderem Erkenntnisse zum Planetensystem, die wegweisend für seinen berühmten Assistenten Johannes Kepler (1571-1630) und folgende Wissenschaftlergenerationen waren. Unter anderem fand er heraus, dass sich Planeten um die Sonne bewegen. „Die Erde bewegte sich laut Brahe jedoch nicht“, so Malchow, die als Stadtführerin arbeitet. So sei er von einem geozentrischen Weltbild ausgegangen, bei dem die Erde im Mittelpunkt steht. Die Planeten mit der Sonne bewegen sich demnach um die Erde.

„Wir sind stolz, dass er an unserer Universität gelernt hat. Allein die Entdeckungen, die Kepler nach dem Tod Brahes machte, wären ohne die Aufzeichnungen und Vorarbeiten seines Lehrers nicht möglich gewesen“, sagt Kristin Nölting, Koordinatorin vom Universitätsjubiläum. „Es ist schade, dass viele Rostocker ihn nicht kennen. Wir möchten an ihn erinnern und dazu beitragen, seinen Bekanntheitsgrad zu erhöhen.“

Dafür wird es neben der Ausstellung, die bis in das kommende Jahr hinein gezeigt wird, zusätzlich ein Symposium geben. „Abwechslungsreiche Vorträge von Wissenschaftlern aus Heidelberg, Jena und Rostock beleuchten sowohl Brahes wissenschaftliche Werke, als auch zeitgenössische Themen rund um Stadt und Universität in der frühen Neuzeit“, sagt Nölting. Außerdem bestehe die Möglichkeit, auf das Nachwirken des Wissenschaftlers in späteren Arbeiten Rostocker Gelehrter zu erfahren.

Nach seinem Wirken in Rostock zog Brahe zurück in seine dänische Heimat. Dort war er unter anderem Hofastronom von König Frederik II. Später arbeitete er für Kaiser Rudolph II. in Prag. 1601 starb Brahe vermutlich an einer Quecksilbervergiftung und wurde in der tschechischen Hauptstadt beigesetzt.

Der Rostocker Jens Hoffmann hat sich mit der Astronomie nie befasst. „Ich denke, es gibt viele Parallelen zur Musik“, sagt der Musiker. „Beide Bereiche messen Schwingungen.“ Auch der 40-Jährige hat bisher noch nichts von dem Dänen gehört. „Für mich klingt der Name eher griechisch als dänisch“, gesteht er.

Bekannter als der Wissenschaftler dürfte vielen das Sprichwort „eine goldene Nase verdienen“ sein. „Das stammt von Brahe“, erklärt Gabriele Malchow. „Bei einem Streit mit einem Kommilitonen verlor er ein Teil seiner Nase und bekam eine goldene Prothese.“

Das Symposium und die Ausstellung wurden vom Projektteam „Universitätsjubiläum 2019“ und dem Institut für Physik organisiert. Am Vortag, am 11. November, werden die Norddeutschen Raumfahrttage eröffnet.

Katharina Ahlers

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