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Wie Luther im Norden Spuren hinterließ

Greifswald/Stralsund Wie Luther im Norden Spuren hinterließ

Pastoren, Historiker und andere bereiten das Reformationsjubiläum 2017 in Vorpommern vor — und wollen zeigen: Viele Veränderungen ziehen sich bis in die Gegenwart

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Reformatorisches Recycling: Aus einem Priestergewand schnitt man ein Altartuch für die Kirche Zarnekow, erklärt Joachim Krüger.

Quelle: Sybille Marx

Greifswald/Stralsund. Welche Thesen Martin Luther am 31. Oktober 1517 in Wittenberg an die Schlosskirche schlug — hier oben im Herzogtum Pommern bekam das anfangs keiner mit. „Bei uns ist erstmal gar nichts passiert“, sagt Historiker Joachim Krüger vom Pommerschen Landesmuseum in Greifswald trocken. Erst nach und nach hätten die revolutionären Ideen der Refomatoren, ihre Kritik am Ablasshandel der Kirche und vielem anderen auch den Norden erreicht. Eine Umwälzung der Gesellschaft begann, die zur Geburt des Protestantismus führte und bis heute nachwirkt, „positiv wie negativ“, sagt Krüger.

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Pastoren, Historiker und andere bereiten das Reformationsjubiläum 2017 in Vorpommern vor — und wollen zeigen: Viele Veränderungen ziehen sich bis in die Gegenwart

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Eben das wollen Vertreter des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises, Historiker, Stadtvertreter und andere aus der gesamten Nordkirche dieses und nächstes Jahr zeigen, mit vielen Aktionen zum 500-jährigen Jubiläum des berühmten Thesenanschlags. Theaterstücke sind geplant, Musicals, Vorträge, Ausstellungen, Kirchenführungen, Feste, Konzerte, ein Kirchentag in Greifswald . . .

„Die Reformation war ja eine Bildungsbewegung, die in alle Lebensbereiche ausstrahlte, darum betrifft sie im Grunde jeden“, sagt Hans-Jürgen Abromeit, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern.

Luther übersetzte die Bibel ins Deutsche. „Auf einmal wurde in den Kirchen auch auf Deutsch gepredigt, nicht mehr auf Latein“, sagt Abromeit. Jeder Gläubige sollte lesen lernen, sollte die Bibel ohne Vermittlung durch kirchliche Instanzen verstehen können. In Barth wurde darum auch 1588 die erste Bibel auf Plattdeutsch gedruckt. Im Bibelzentrum in der Stadt kann man sie heute noch bewundern.

Aber viele Probleme habe die neue Bewegung auch aufgeworfen, sagt Joachim Krüger. Klöster in der Region wurden zum Teil gestürmt und geplündert, wie etwa 1525 das Johanniskloster in Stralsund, heute Sitz des Stadtarchivs. Andere wurden schleichend aufgelöst, wie das Nonnenkloster in Krummin auf Usedom.Dringend nötige Bildungsstätten fielen damit weg, „es gab ja kaum städtische Schulen“, sagt Krüger. Das Schulwesen und auch die Versorgung der Armen und Kranken musste darum neu geregelt werden. In Pommern kümmerte sich darum vor allem Schulrat Johannes Bugenhagen, der in Greifswald studiert hatte. 1518 kam er mit Luthers Schriften in Berührung, wurde nach anfänglichem Entsetzen zum Fan und Reformator des Nordens.

Wie genau hat Bugenhagen hier gewirkt? Unter anderem diese Frage will das Pommersche Landesmuseum in Greifswald ab Mai 2016 in der Ausstellung „Luthers Norden“ beantworten, zusammen mit den Landesmuseen Schloss Gottorf in Schleswig-Holstein.

Wer sich anschauen will, wie einzelne Kirchen in MV im Zuge der Reformation umgestaltet wurden, findet 18 Ausflugstipps im Heft „Wege protestantischer Kirchraumgestaltung“. Allein der Glaube mache selig, hatte Luther gepredigt. Heilige als Vermittler zwischen Gott und Mensch wurden damit unnötig, aus manchen Kirchen verschwanden Nebenaltäre und Heiligenbilder, in St. Marien Bergen auf Rügen etwa wurden Wandmalereien überstrichen. Luther und Bugenhagen, sagt Krüger, wurden allerdings so etwas wie die neuen Heiligen. In der Kirche Schaprode etwa malte man sie 1723 an die Kanzel.

500 Jahre Thesenanschlag

In ganz Deutschland und dem Ausland wird Martin Luthers berühmter Thesenanschlag von 1517 nächstes Jahr gefeiert. Die Evangelische Kirche in Deutschland hatte 2007 sogar eine ganze Lutherdekade ausgerufen.

In Mecklenburg-Vorpommern wurde extra eine Arbeitsstelle eingerichtet, um alle geplanten Aktionen rund um das Jubiläum zu koordinieren. Die Stelle ist derzeit aber nicht besetzt.

• www.kirche-mv.de/reformation

Von Sybille Marx

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