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Wildtierverbot für Zirkusse vom Tisch

Ribnitz-Damgarten Wildtierverbot für Zirkusse vom Tisch

Ribnitz-Damgartener Ausschussmitglieder legen das Thema auf Eis / Tierschützer wollen dran bleiben

Ribnitz-Damgarten. Heute um 17 Uhr feiert der Zirkus Berolina auf der Gänsewiese in Ribnitz-Damgarten seine Premierenvorstellung. Doch nicht alle in der Bernsteinstadt freuen sich über den Besuch des Zirkusses. Beschmierte und heruntergerissene Plakate sind ein Indiz dafür.

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Ribnitz-Damgartener Ausschussmitglieder legen das Thema auf Eis / Tierschützer wollen dran bleiben

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Bereits im Mai hatte sich die Ribnitzer Kinderärztin Angela Pieplow im Namen des Tierschutzvereins Vorpommersche Boddenlandschaft an Stadtvertreter Tino Leipold (Die Unabhängigen) gewandt – mit der Bitte kommunale Flächen nur noch an Zirkusbetreiber zu vergeben, bei denen es keine Wildtiere mehr in der Manege gibt. Dieser leitete das Anliegen an die Stadtverwaltung weiter (die OZ berichtete), die dem Ansinnen allerdings eine Absage erteilte. Die Begründung: Ein Verbot der Wildtierhaltung würde eine Einschränkung der Gewerbefreiheit darstellen. Doch die Tierschützer gaben nicht auf. Sie forderten den Ausschuss Schule, Kultur, Jugend und Soziales auf, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Diana Brusch vom Amt für Tourismus, Schule und Kultur informierte in der jüngsten Ausschusssitzung, dass nach Schwerin nun auch die Rostocker Bürgerschaft einen Beschluss gefasst habe, keine Stellflächen mehr an Zirkusse zu vermieten, die Wildtiere in ihrem Programm haben. Ausschussmitglied Eckart Kreitlow (Die Linke) sprach sich gegen ein Verbot aus. „Tiere gehören zum Zirkus einfach dazu, vor allem für Kinder. Hier wird Stimmung gemacht. Nur weil eine Stadt xy beschließt, dass Zirkusse mit Wildtieren nicht mehr auftreten dürfen, heißt es nicht, dass Ribnitz-Damgarten das auch machen muss.“ Diskutiert wurde auch darüber, ob die Klage eines Zirkusses gegen das Verbot Erfolg haben könnte.

Die Frage, ob Ribnitz-Damgarten ein Verbot einführen sollte, beantworteten die Ausschussmitglieder mit lediglich einer Ja-Stimme, vier Nein-Stimmen und drei Enthaltungen. „Damit ist das Thema erst einmal auf Eis gelegt“, sagte der Ausschussvorsitzende Leipold.

Melanie Spindler, Pressesprecherin des Zirkus Berolina, freut sich über die Entscheidung. „Ribnitz-Damgarten tut etwas Gescheites. Ein Verbot wäre nicht rechtens, weil es in Deutschland dafür keine gesetzliche Grundlage gibt.“ Sie bedauert die Diskussion um die Wildtiere im Zirkus. „Zumal man bei uns nicht von Wildtieren sprechen kann. Die Tiere haben ihr ganzes Leben im Zirkus verbracht. Wenn man sie jetzt in der Wildnis frei lassen würde, wären sie hilflos. Bei uns geht es den Tieren gut und wir werden vom Veterinäramt überprüft, ob wir uns an die Leitlinien halten.“ Ein Verbot von Wildtieren würde die Existenz des Zirkusses bedrohen. Gegen das Verbot in Schwerin gehe der Zirkus Berolina gemeinsam mit anderen Zirkussen nun gerichtlich vor.

Angela Pieplow kann die Entscheidung der Ribnitz-Damgartener Ausschussmitglieder nicht verstehen. „Ich hätte mir gewünscht, dass Ribnitz mit Rostock und Schwerin mitzieht und dass sich die Ausschussmitglieder genauer mit dem Thema beschäftigen.“ Das Argument der Zirkusleute, dass ein Zirkus ohne Tiere nicht möglich sei, sei Unsinn. „Vor allem Kinder mögen die Clowns und die Artistiknummern. Die Kinder bekommen im Zirkus ein ganz falsches Bild von den Tieren. Sie meinen, dass es normal ist, dass sie solche Kunststücke machen, aber das ist es nicht. Auch wenn die Tiere im Zirkus geboren wurden, bleiben es Wildtiere.“ Trotz der Entscheidung wolle der Tierschutzverein das Thema weiter verfolgen. „Wir bleiben dran“, sagte Pieplow.

Verbote in vielen Ländern

In Deutschland wird über das Verbot von Wildtieren bei Zirkusvorstellungen bereits seit mehreren Jahren diskutiert. 2011 hat Hamburg eine Bundesratsinitiative ausgelöst, die aber keine Gesetzeskraft erlangte. In zahlreichen europäischen Ländern gibt es Einschränkungen und Auflagen. Ein Verbot gilt in Belgien, Bulgarien, Bosnien-Herzegowina, Dänemark (mit Ausnahmen), Griechenland, Großbritannien, Kroatien, Malta, Holland, Österreich, Slowenien und Zypern.

Anika Wenning

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