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Aus alter Villa soll ein Paradies für Künstler werden

Stralsund Aus alter Villa soll ein Paradies für Künstler werden

Vincenz Kurze (31) hat vor einem halben Jahr das Gebäude bei der alten Stralsunder Kalkbrennerei gekauft / Er möchte daraus einen Ort für Kultur machen

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An der einstigen Villa bei der alten Kalkbrennerei ist noch einiges zu tun. Fotos (3): Miriam Weber

Stralsund. Es braucht viel Idealismus und jede Menge Fantasie, um an diesem Ort die einstige Villa der alten Kalkbrennerei Franzenshöhe zu erkennen. Doch ein Rundgang durch das Gebäude ist wie eine Reise durch die Zeit, in der man viele Details entdeckt und sich plötzlich ein Bild fügt, wie es einmal ausgesehen haben könnte.

OZ-Bild

Vincenz Kurze (31) hat vor einem halben Jahr das Gebäude bei der alten Stralsunder Kalkbrennerei gekauft / Er möchte daraus einen Ort für Kultur machen

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Ich wünsche mir, dass Kultur wieder als Eigeninitiative begriffen wird.“Vincenz Kurze (31),

bildender Künstler und Eigentümer der Villa

Jemand, der eine ganz klar Vision hat, ist Vincenz Kurze, der das Haus vor einem Jahr erworben hat. „Ich möchte diese Villa zu einem Ort der Begegnung machen“, erklärt der 31-Jährige. Für den bildenden Künstler ist das Ganze ein großes Kunstprojekt. „Ich würde gern gemeinsam mit anderen etwas aufbauen, das dann genutzt werden kann. Ich wünsche mir, dass Kultur als Eigeninitiative begriffen wird“, versucht er zu erklären.

Derzeit ist ein Verein in Gründung, der es sich zum Ziel setzt, das Haus Stück für Stück zu sanieren. „Das sind vor allem Leute, die die Villa dann auch nutzen wollen“, sagt Vincenz Kurze, der auf Usedom geboren wurde, für das Studium nach Dresden ging und schließlich wieder in den Norden zurückkehrte, weil er „das Wasser so vermisste“. Das bedeutet, dass künftig Probenräume für Bands genauso entstehen werden wie Seminarräume oder Räumlichkeiten, in denen Kulturveranstaltungen stattfinden können. Auch der Außenbereich soll gestaltet werden, damit später Openair-Events auf dem Gelände stattfinden können.

„Für mich wäre es toll, wenn viele unterschiedliche Menschen hier zusammenkommen“, sagt Vincenz Kurze. Doch ihm ist auch klar, dass das Ganze nicht auf einen Schlag umgesetzt werden kann. „Dazu sind die Kosten für die Sanierung viel zu hoch, als dass man das mit einem Mal stemmen könnte.“ Zumal Vincenz Kurze genaue Vorstellungen hat, was mit dem Haus geschehen soll. „Wir wollen versuchen, so wenig Bausubstanz wie möglich zu zerstören“, erklärt er. Das heißt, dass die Elektroleitungen nicht unter dem Putz verschwinden werden, dass es nicht überall Steckdosen geben und auch nicht in jedem Raum ein Wasserhahn zu finden sein wird. Alte Drückergarnituren aus Holz an den Türen bleiben erhalten. Und wenn es möglich ist, soll die Außenverglasung vor allem mit Altglas passieren. „Das ist wellig und hat Blasen, wenn das Licht dort durchfällt, sieht das einfach wunderschön aus“, schwärmt der Künstler. Doch nun stehen erst einmal wichtige Reparaturen an: „Das Dach muss gedeckt werden.“

Das Baujahr der zweigeschossigen Villa mit einer Beletage ist unklar. Zwar errichtete der Kaufmann Franz Jacob Friedrich Adolph Kasten schon 1837 auf der Frankenweide eine Steingutfabrik samt Kalkbrennerei und Ziegelei, doch „die Fabrikantenvilla Franzenshöhe 2 soll erst in den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts errichtet worden sein“, sagt Stadthistoriker Dr. Andreas Neumerkel. Doch ein Gebäude muss dort zuvor schon gestanden haben. „Vielleicht wurde die Villa in den 70er-Jahren einfach umgebaut“, sagt Neumerkel.

1848 verkaufte Kaufmann Karsten die Firma an Carl Andreas Rühs aus Lüdershagen bei Barth, der zusätzlich eine Zementfabrik errichtete. Der Stückkalk, der in der Fabrik verarbeitet wurde, kam unter anderem aus Rüdersdorf bei Berlin, aber auch von der schwedischen Insel Öland und der dänischen Insel Seeland. Damals brachten die Schiffe das Gut bis zur Franzenshöher Anlegebrücke, dann übernahm eine Feldbahn den Transport. Von den ehemaligen Brennöfen existiert noch der etwa 20 Meter hohe Rüdersdorfer Kalkschachtofen.

Miriam Weber

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