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Bauern in Nöten: „Wir sind keine Umweltsünder!“

Trinwillershagen Bauern in Nöten: „Wir sind keine Umweltsünder!“

Nach einem katastrophalen Erntejahr 2016 tritt nun auch noch eine verschärfte Düngemittel-Verordnung in Kraft.

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Die verschärfte Dünge-Regelung bereitet den Bauern große Sorgen. Die bürokratische Arbeit fesselt sie immer mehr an den Schreibtisch, während die Arbeit auf den Feldern liegen bleibt.

Quelle: Frank Hormann/nordlicht

Trinwillershagen. Für die Landwirte war das vergangene Jahr eine Katastrophe. Die Witterung sorgte für Ertragseinbußen von durchschnittlich 40 Prozent, die Milch- und Fleischpreise liegen auch jetzt noch im Keller und decken nicht einmal die Kosten für die Erzeugung. Und nun tritt auch noch eine verschärfte Düngemittel-Verordnung in Kraft, die den Bauern große Sorgen bereitet.

Regeln machen es immer schwerer

Dass die Landwirte es immer schwerer haben, erklärte Dr. Hans-Eberhard Kape beim Bauerntag in Trinwillershagen bei Ribnitz-Damgarten (Vorpommern-Rügen). „Waren die Düngeregeln bislang zahnlose Tiger, so sind ihnen nun scharfe Zähne gewachsen“, sagte der landwirtschaftliche Fachberater. Landwirte müssen nun beispielsweise im Vorfeld ermitteln, wie viel Dünger sie auf ihre Felder bringen und sich dann auch strikt daran halten. Sie können auf Veränderungen, die sich zum Beispiel witterungsbedingt ergeben, nur schwer reagieren. Hellseherische Fähigkeiten wünschen die Landwirte sich nun. „Denn im Vorfeld kann man nicht genau sagen, wie hoch der Ertrag sein wird und deswegen ist es auch schwierig diesen Düngemittelbedarf so genau zu ermitteln“, erklärt Bachelor Kathrin Kröher aus der Nähe von Grimmen.

Düngt der Landwirt über den zuvor angemeldeten Bedarf, so erwarten ihn Bußgelder und eine Schulung, die die Landwirte gern als „Idiotentest“ bezeichnen. Auf Schnee oder gefrorenen Böden darf nun gar nicht mehr gedüngt werden. Kontrolleure werden eingesetzt, die die Umsetzung streng überwachen.

Einhellig ist das Urteil über die neue EU-Verordnung. Frank Hartmann, Vorsitzender des Bauernverbandes Nordvorpommern, spricht das aus, was seine Kollegen denken: „Es sind praxisferne Regeln, die von Politikern gemacht wurden, die keine Ahnung vom Ackerbau oder von der Viehhaltung haben! Das ist fachlich nicht tragbar.“

Mehr Präsenz in der Öffentlichkeit

Nein, die Stimmung beim Bauerntag war alles andere als gut. Als Umweltsünder und Tierquäler sehe die Gesellschaft den Landwirt heutzutage. Eine Diffamierung, die sie sich nicht länger gefallen lassen wollen. „Wir müssen der Öffentlichkeit vermitteln, dass wir staatlich geprüfte Umweltschützer sind. Dass wir uns unser Wissen im jahrelangen Studium aneigneten und nicht immer stärker reglementiert werden dürfen“, rief Hartmann auf. Durch mehr Präsenz in der Öffentlichkeit wollen sie das erreichen.

„Wir haben ja auch vorher nicht wild mit dem Dünger um uns geschmissen. Das ist bares Geld. Aber diese Auflagen sind schwer zu erfüllen“, sagte Kathrin Kröher. Etliche Bodenproben müssen die Landwirte nun nehmen, Nitrat und Phosphatgehalte dokumentieren. Immer mehr Anträge stellen, die selbst die studierten Bauern überfordern und sie an den Schreibtisch fesseln, während die Arbeit auf den Feldern liegen bleibt. „Es ist ein bürokratischer Irrsinn“, schimpft Kröher. Frank Hartmann befürchtet auch Qualitätseinbußen beim Weizen: „Der braucht nämlich eine bestimmte Stickstoffmenge im Boden.“

Die Landwirte sind sich einig: Es werden mehr Politiker gebraucht, die etwas von der Landwirtschaft verstehen und keine praxisfernen Gesetze beschließen. Hartmann riet Bauern zum Beitritt in den Verband, denn er gilt als Interessenvertretung gegenüber der Politik und hilft landwirtschaftliches Recht durchzusetzen. „Wir müssen gemeinsam kämpfen. Es ist unsere Existenz, an der gerüttelt wird. Und wir dürfen nicht leiser werden, nur weil unsere Gegner immer lauter werden!“

Carolin Riemer

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