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Bürgerinitiative fordert: Pachtverträge prüfen

Klockenhagen Bürgerinitiative fordert: Pachtverträge prüfen

Etwa 90 Gäste verfolgten eine Infoveranstaltung des BUND zum Thema Glyphosat in Klockenhagen / Landwirte wehren sich gegen die Vorwürfe

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Klockenhagen von oben: Die Anwohner wehren sich gegen den Einsatz von Glyphosat auf den angrenzenden Feldern.

Quelle: Olaf Hackthal

Klockenhagen. Nichts genaues weiß man nicht. Und weil das so ist, fordern die einen ein Verbot des Einsatzes von Glyphosat, bis alle Zweifel ausgeräumt sind. Die anderen dagegen meinen, nichts spreche gegen den Einsatz, solange eine schädliche Wirkung des Unkrautvernichtungsmittels auf Menschen und Tiere nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist. Die einen, das sind Naturschützer und besorgte Bürger. Die anderen sind die Landwirte. Beide Seiten trafen am Montagabend im Hotel „Zum Honigdieb“ in Klockenhagen aufeinander.

OZ-Bild

Etwa 90 Gäste verfolgten eine Infoveranstaltung des BUND zum Thema Glyphosat in Klockenhagen / Landwirte wehren sich gegen die Vorwürfe

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Die Klockenhäger Bürgerinitiative für Leben, Landwirtschaft, Natur und Tourismus und der Naturschutzbund BUND hatten zu einer Infoveranstaltung geladen. Etwa 90 Zuhörer waren gekommen. Die Diskussion wurde teilweise emotional geführt. „Die Felder sind wieder braun“, sagte Andreas Lahn von der Bürgerinitiative. Die Anwohner seien besorgt, so sehr, dass sie sich schon an die Stadt gewandt haben (die OZ berichtete).

Während die meisten der Gäste wohl eher gegen den Einsatz von Glyphosat sind, sprang Landwirt Hauke Peters für die Bauern in die Bresche. „Ich bin schockiert darüber, wie wir dargestellt werden. Ich werde alles daran setzen, dass möglichst viel Ertrag rauskommt“, sagte er. Peters betonte, dass die Landwirte sich an die gesetzlichen Vorgaben halten würden. Es seien schwarze Schafe der Branche, die die Landwirte in Verruf bringen.

Dass es die gibt, lässt sich zumindest vermuten. So seien in der Untersuchung von Kleingewässern, die Arndt Müller, Mitglied des Landesvorstandes des BUND, in Klockenhagen am Montag vorstellte, teilweise Stoffe gefunden worden, die seit Jahren verboten sind. Der BUND hatte in ganz MV 15 sogenannte Sölle, also kleine Teiche auf Äckern, auf Schadstoffbelastungen untersucht.

Es sei jedoch „nicht Sinn der Sache, einer Gruppe den schwarzen Peter zuzuschieben“, sagte der 46-Jährige. Es gehe vielmehr um einen Dialog, um einen gemeinsamen Weg.

Den hatte die Klockenhäger Bürgerinitiative Anfang des Jahres gesucht. Doch die Gespräche seien vorerst abgebrochen worden. Zuletzt hatte Ralf Schneider, Gesellschafter des Guts Klockenhagen, gesagt, dass sich der Einsatz von Glyphosat auf seinen Flächen im gesetzlichen Rahmen halte.

Doch die Bürgerinitiative will mehr. Susanne Wieben verwies auf Kühlungsborn, dessen Stadtvertreter im Oktober vergangenen Jahres den Einsatz des Herbizids auf öffentlichen Flächen verboten hatten. „Unser Anliegen ist es, dass die Stadt Verantwortung übernimmt und die Flächen in der Nähe von Siedlungen so bewirtschaftet werden, dass diese Probleme nicht entstehen.“ In Ribnitz-Damgarten ist der Einsatz zumindest auf allen versiegelten Flächen verboten. „Wir möchten keinem Landwirt in die Betriebsführung eingreifen. Aber wir erwarten von den Landwirten Verständnis für die Sorge der Bürger“, sagte Andreas Lahn von der Bürgerinitiative.

Abermals war am Montag eine Überarbeitung der Pachtverträge gefordert worden. Die Stadt Ribnitz-Damgarten ist mit 800 Hektar größter Verpächter der Flächen des Guts Klockenhagen. Bis 2021 laufen die Verträge. Stadtvertreter Tino Leipold, auch Mitglied des Ortsbeirates Klockenhagen, sagte bei der Veranstaltung: „Wenn die Verträge auslaufen, dann werden wir das genau beobachten.“ In die bestehenden Verträge einzugreifen, sei schwer möglich.

Streit um Studien

Seit Jahren tobt ein Wissenschaftsstreit zwischen Befürwortern und Gegnern von Glyphosat. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO ist der Stoff wahrscheinlich krebserregend. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hält den Unkrautvernichter Glyphosat für wahrscheinlich nicht krebserregend. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sei Glyphosat bei korrekter Anwendung nicht gesundheitsschädlich. Arndt Müller kritisierte am Montag, dass die Studien der Glyphosatbefürworter zumeist nicht öffentlich sind. Zudem seien viele dieser Studien von den Herstellern des Pflanzengiftes erstellt worden.

„Bedenklich“ sei zudem, dass nur Rohstoffe auf ihren Glyphosatgehalt untersucht werden, weiterverarbeitete Produkte jedoch nicht. Vor wenigen Wochen sorgte eine Untersuchung für Aufregung, in der Glyphosat in Bier nachgewiesen wurde. Die Werte lagen mit fast 30 Mikrogramm Glyphosat pro Liter über dem zulässigen Grenzwert für Trinkwasser von 0,1 Mikrogramm pro Liter.

Dennoch gelten diese Mengen laut BfR als gesundheitlich unbedenklich.

Von Robert Niemeyer

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