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Volle Auftragsbücher, aber Sorgen mit dem Nachwuchs

Ribnitz-Damgarten Volle Auftragsbücher, aber Sorgen mit dem Nachwuchs

Handwerker der Region werben bereits um Fachkräfte in Polen

Ribnitz-Damgarten. Viel zu tun, doch nach wie vor fehlt es an Nachwuchs: Uwe Ambrosat, Chef der Kreishandwerkerschaft Rügen-Stralsund-Nordvorpommern, die immerhin 2000 Handwerksbetriebe unter ihren Fittichen hat, kann diese Einschätzung generell für die Region bestätigen. Das gelte vor allem für Baufirmen. „Die Baubranche hat in diesem Jahr eine sehr gute Auftragslage“, schätzt Ambrosat ein. Sie profitiere vor allem von den niedrigen Zinsen, nennt er eine der Ursachen. „Aber auch, dass wir eine Urlauberregion sind, die angesichts der weltpolitischen Lage nach und nach noch mehr in den Blickpunkt der Deutschen gerät.“ Mecklenburg-Vorpommern habe bei den Übernachtungszahlen 2015 einen Zuwachs von zwölf Prozent gegenüber 2014 erfahren, sagt er.

Davon profitiert das Bauhandwerk, weil neue Übernachtungsmöglichkeiten entstehen.

Doch nicht überall lacht eitel Sonnenschein. Ein großes Problem ist der Nachwuchs. „Gab es vor sechs bis sieben Jahren noch rund 25000 Schulabgänger in der Region, ist diese Zahl jetzt auf ein Drittel gesunken“, rechnet der Stralsunder vor und zeigt damit das Dilemma auf, in dem alle in der Kreishandwerkerschaft vereinigten Innungen stecken. Oft seien deshalb auch die Schulnoten der ohnehin wenigen Bewerber zu schlecht.

Diese Nachwuchssorgen seien branchenübergreifend, erklärt Uwe Ambrosat und zählt Friseure ebenso auf wie Elektriker, Heizungs- und Sanitärinstallateure und Bäcker- und Konditoren. Letztere sind angesichts immer neuer Backwarenangebote in den Supermärkten am meisten gebeutelt. Ambrosat meint, dass gerade das Bäckerhandwerk vor einem dramatischen Umbruch steht. Denn für den traditionellen kleinen Bäckerladen werde es immer schwerer. Viele Innungskollegen hätten deshalb schon aufgegeben.

„Das Handwerk muss grundsätzlich neue Wege gehen, will es die Herausforderungen, gerade bei der Nachwuchsgewinnung, schultern“, erklärt Ambrosat. Deshalb würde bereits verstärkt in Polen geworben, sagt er. Und das funktioniere sogar ganz gut. Insbesondere das Friseurhandwerk kann davon bereits profitieren. So mancher Haarschopf wird zwischen Rügen und dem Darß heute nämlich schon von einer Polin oder einem Polen frisiert. „Das Handwerk muss grundsätzlich noch viel mehr in die Offensive gehen“, zeigt sich Ambrosat auch für die Zukunft entschlossen. Allerdings fehle vielen kleinen Betrieben dazu einfach die Kraft, schränkt er aber sofort ein. Der klassische Handwerksbetrieb in Nordvorpommern und auf Rügen habe drei bis sieben Beschäftigte, erklärt er, wobei der Meister in der Regel voll mitarbeitet. „Da bleibt kaum noch Zeit, sich auch noch um solche Marketing-Dinge zu kümmern.“ Wo die Kreishandwerkerschaft helfen kann, macht sie das bereits. Aber auch ihre Mittel seien begrenzt. Anders als die Bundeswehr oder der Zoll verfügt sie nämlich nicht über Marketing-Abteilungen. „Wir müssen alles aus eigener Kraft stemmen und uns gleichzeitig dem Wettbewerb stellen.“ Dabei sei es aber außerordentlich wichtig, nicht nur zu zeigen, wie attraktiv Handwerk ist, sondern, dass es es hier auch gute Übernahmemöglichkeiten gibt. 54 Prozent aller Azubis erhielten im letzten Jahr nach ihrer Lehre in ihren Ausbildungsbetrieben auch einen Job, sagt Ambrosat. Vor wenigen Jahren lag diese Zahl noch bei 15 bis 16 Prozent.

Ganz oben auf der Hitliste der Lieblingsberufe im Handwerk steht nach wie vor der Kfz-Mechatroniker. 32 Jungen und zwei Mädchen wurden im März in Stralsund als Gesellen freigesprochen, erklärt Ambrosat. Die Mädchen arbeiten jetzt im Autohaus Abraham auf Rügen und bei der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen in Ribnitz-Damgarten.

950 Azubis lernen hier

2000Handwerksbetriebe gibt es in Rügen-Stralsund- Nordvorpommern. 555 davon sind in verschiedenen Innungen organisiert: zum Beispiel Bauhandwerk, Kfz, Friseure, Tischler und Elektro. Die kleinste Innung bilden die Fotografen.

950 Azubis lernen in diesen Unternehmen derzeit einen Beruf. Pro Jahr erhalten etwa 250 bis 260 junge Leute eine Lehrstelle in einem der Handwerksbetriebe zwischen der Insel Rügen, Grimmen und Ribnitz-Damgarten. Aufgrund der abnehmenden Schülerzahl wird die Besetzung schwieriger.

Von Reinhard Amler

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