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Zu viel Nitrat: Wasserversorgung in Gefahr

Lüssow Zu viel Nitrat: Wasserversorgung in Gefahr

Immer mehr Brunnen müssen aufgegeben werden / Diskussion im Umweltausschuss

Lüssow. Die Wasserversorger im Landkreis Vorpommern-Rügen sind in Sorge: Die zunehmende Nitratbelastung des Grundwassers sorgt dafür, dass immer mehr Brunnen nicht mehr genutzt werden können. Situation und Entwicklung der Trinkwasserversorgung in Vorpommern-Rügen waren am Donnerstagabend Thema im Umweltausschuss des Kreistages, der im Wasserwerk von Lüssow bei Stralsund tagte.

Vier Wasserversorger sind im Landkreis tätig. Das sind der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (Zwar), der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Grimmen (Zwag), die Regionale Wasser- und Abwassergesellschaft (Rewa) Stralsund und die Wasser- und Abwasser GmbH Boddenland (Ribnitz-Damgarten).

Dass die Sulfat- und Nitratwerte im Grundwasser steigen, zeigen Untersuchungen der Unternehmen an verschiedenen Standorten. Die Folge: Teils müssen Brunnen außer Betrieb genommen werden oder das Wasser muss mit mehr Aufwand gefiltert werden. Die Stralsunder Rewa hat in Lüssow beispielsweise im vergangenen Jahr eine sogenannte Umkehrosmoseanlage eingeweiht. Die kostete rund 3,4 Millionen Euro, erläuterte der Rewa-Abteilungsleiter für Wasserwerke, Thomas Zimmermann, dem Umweltausschuss. Notwendig wurde dies, nachdem 2011 eine geänderte Trinkwasserverordnung in Kraft trat, derzufolge das Wasserwerk Lüssow mit damals 310 Milligramm Sulfat je Liter den Grenzwert überschritt. In der Anlage wird das Wasser mit hohem Druck durch die Filter gepresst.

Ein aktuelles Problem bei der Trinkwasserversorgung betrifft das Barther Umland. Die Wasserfassung Sundischer Berg weist eine zunehmende Nitratbelastung auf. Konsequenz: Diese Entnahmestelle werde nicht zu halten sein, stellte Eugen Turnow von der Boddenland klar. Wahrscheinlich müsse man sie noch dieses Jahr aufgeben.

Und dann? Weil im Fall Sundischer Berg nur noch das Wasser aus einem der vier Brunnen unter dem Grenzwert liegt, holt die Boddenland bereits jetzt Wasser den Wasserwerken Divitz und Martenshagen.

Hinzu komme, dass der Wasserverbrauch immer mehr steige. Auch wegen der touristischen Entwicklung und des hohen Verbrauches in den Sommermonaten. „Wir blicken sorgenvoll in die Zukunft“, betonte Eugen Turnow. Westlich von Schulenberg könnte die Boddenland ein Wasservorkommen nutzen, als strategische Reserve für 3200 Kubikmeter am Tag. Dazu laufen derzeit Anträge.

Doch nicht nur die Boddenland musste schon Brunnen außer Betrieb nehmen. Auch der Zwag. Dies betraf das Wasserwerk Reinberg, erläuterte Geschäftsführer Eckhart Zobel: „Dort mussten wir einen Brunnen aufgeben“.

Vor allem die Landwirtschaft machen die Versorgungsunternehmen für die Entwicklung verantwortlich. Grund für Ausschussmitglied Michael Schmidt, das Spannungsfeld Landwirtschaft und Wasserversorger zu hinterfragen. „Es geht nur im Miteinander“, betonte Rewa-Geschäftsführer Jürgen Müller. Wasserschutzzonen müssen rechtlich abgesichert werden, um klare Verhältnisse zu schaffen, so Eckhart Zobel. Die entsprechenden Genehmigungsverfahren aber würden viel zu lange dauern und teils über Jahre laufen.

Von Peter Schlag

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