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Wohnungsbau: Wird Rostock zur Betonwüste?

Rostock Wohnungsbau: Wird Rostock zur Betonwüste?

Umweltverband BUND sieht das Grün der Hansestadt in Gefahr

Rostock. . Kleingärten sollen weichen, Biotope könnten verschwinden und Landschaftsschutzgebiete bebaut werden: „Wir müssen aufpassen, dass Rostock nicht zu einer Betonwüste verkommt“, sagt Markus Brost, Vorsitzender der Kreisgruppe des Umweltverbandes BUND. Brost kritisiert die Pläne der Hansestadt, die erhebliche Teile des städtischen Grüns zur Bebauung freigeben will.

Der BUND fordert, ausreichend Parks und naturnahes Grün zu erhalten.

„Grünflächen sind ein wichtiger Teil einer lebenswerten Stadt“, betont Brost. Parks zum Beispiel dienten als Erholungsraum. Gleichzeitig würden sie im Sommer nachts beim Abkühlen aufgeheizter Gebäude helfen und auch die Luft rein halten.

Die Vorhaben der Stadt seien immens: Im Süden Rostocks solle ein neuer Stadtteil für 13000 Menschen gebaut werden, in Diedrichshagen werde die Bebauung von 35 Hektar Landschaftsschutzgebiet geprüft und im Überseehafen solle im Landschaftsschutzgebiet Peezer Baches ein neues Hafenbecken entstehen. „Gleichzeitig sollen die Kleingärten zwischen Erich-Schlesinger-Straße und Stadthalle sowie ein Großteil der Gärten am Pulverturm bebaut werden“, sagt Brost.

Aber auch im Nordosten und im Nordwesten seien weitere Wohngebiete und eine Verdichtung der Bebauung vorgesehen. Der BUND fordert nun ein Gesamtkonzept für die Hansestadt, das ausreichend Grünflächen erhält. „Der Rostocker Landschaftsplan, kaum zwei Jahre alt, ist schon wieder Makulatur“, so Brost. Oberbürgermeister Roland Mehtling (UFR) und die Bürgerschaft sollten sich nicht nur um den Bau von Wohnungen kümmern, „sondern sich auch für den Erhalt von Grün in unserer Stadt einsetzen“. Aus Sicht der Stadtverwaltung ist die Sorge vor einer Betonwüste hingegen absolut unbegründet. „Wir sind eine grüne Stadt“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Er verweist auf die Statistik: Aktuell bewirtschafte Rostock 879 Hektar öffentliche Grünflächen, das entspreche rund 45 Quadratmetern für jeden Einwohner der Stadt.

Durch die jährlich steigende Zahl an Bewohnern und Arbeitsplätzen sei die Verwaltung gehalten, weiteren Wohnraum zu schaffen. Kunze versichert aber: „Bei der Planung der Bauflächen werden alle Anforderungen an nachhaltige Wohngebiete geprüft und im Detail geplant.“ Grün- und Erholungsflächen würden dabei berücksichtigt. Zum neuen Stadtteil Groß- Biestow gebe es bisher nur eine grundsätzliche Vision, die weiter zu entwickeln sei.

Positive Beispiele seien die zuletzt neu gebauten Wohngebiete, wie Kassebohm, Brinckmanshöhe, Wohnpark Biestow oder Kalverradd. „Diese würden wir nicht als Betonwüsten bezeichnen“, sagt Kunze.

„Deshalb haben wir keine Sorgen, dass in weiteren Wohngebieten nicht auch große, zusammenhängende Grünflächen entstehen können, die auch Teile von öffentlich zugänglichen Kleingartenanlagen und vorhandene Biotope integrieren können“, so der Stadtsprecher weiter. Und über die Bürgerbeteiligung bei den Planverfahren könne sich jeder aktiv mit einbringen – auch der BUND.

Brost ist jedoch skeptisch. Das neue Wohngebiet Kassebohm etwa sei das beste Beispiel dafür, wie es nicht laufen sollte. „Hier wurde im Vicke- Schorler-Ring zwar ein Streifen zur Straße freigelassen.

Aber der ist viel zu schmal. Der Wurzelraum ist zu klein und die Bäume haben keinen Platz anzuwachsen.“ Nötig sei ein mindestens zwei Meter breiter Streifen. Und sogenannte Cups (englisch: Tassen) im Boden könnten den Wurzeln genug Platz sichern. Beispielgebend dafür sei die Anastasiastraße in Warnemünde, so Brost. Zudem sollten in Groß Biestow Heckensäume und die einzigartigen Sölle erhalten werden.

Doch nicht nur ökologische Aspekte sollten in die Planungen mit einfließen. Die Grünflächen sollten auch ansprechend gestaltet werden, sagt Hannes Rother vom Rostocker Verschönerungs-Verein, der sich für Erhalt und Pflege historischer Gartenanlagen einsetzt. „Das geschieht bisher zu wenig“, betont Rother. Aus seiner Sicht sei Rostock aber eine sehr grüne Stadt – was gleichwohl von Stadtteil zu Stadtteil variiere. Die Kröpeliner-Tor-Vorstadt habe zum Beispiel wenig Parkflächen.

Viel Grün gibt es hingegen in der Stadtmitte. Ortsbeiratschef Werner Simowitsch ist zufrieden. „In der nördlichen Altstadt ist seit dem Aufbau 1985 sogar so viel Grün angepflanzt worden, dass das schon zurückgeschnitten werden muss“, sagt Simowitsch. Er empfiehlt, Groß Biestow ähnlich wie die Südstadt zu entwickeln. „Der Stadtteil zeichnet sich durch hochgewachsenes Grün aus.“

André Wornowski

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