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Zornower setzt auf tierische Wolfsabwehr

Zornow Zornower setzt auf tierische Wolfsabwehr

Thomas Seemann lässt seine Schafe von Pyrenäenberghunden bewachen / 20000 Euro hat er in den Schutz seiner Tiere investiert

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Zornow. Immer wieder hat der Landesschafzuchtverband die Schweriner Landesregierung aufgefordert, ganz Mecklenburg-Vorpommern als Wolfsgebiet anzuerkennen und so alle Tierhalter, die sich vor dem Wolf schützen wollen, finanziell zu unterstützen. Jetzt endlich scheint eine Lösung in Sicht: So soll nach Auskunft des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern, mit Ausnahme der Insel Usedom, Rügen und Poel, vollständig zum Wolfsgebiet ernannt werden. Wann genau diese Maßnahme umgesetzt werden soll, könne man zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht sagen, hieß es seitens des Ministeriums auf OZ-Nachfrage.

OZ-Bild

Thomas Seemann lässt seine Schafe von Pyrenäenberghunden bewachen / 20000 Euro hat er in den Schutz seiner Tiere investiert

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Am Anfang war das sehr schwierig. Es hat etwa sechs bis acht Wochen gedauert, bis sich die Schafe an die Hunde gewöhnt hatten.“Thomas Seemann, Schafzüchter

aus Zornow

Bisher galten nur die südlichen Landkreise, etwa die Hälfte der Landesfläche, als ausgewiesene Wolfsgebiete. „Dabei ziehen bei uns doch auch Wölfe durch. Sie kommen aus Polen und wollen Richtung Schleswig-Holstein“, berichtet der Zornower Schafzüchter Thomas Seemann. Erst vor kurzem sei ein Jungwolf in Ravenhorst gesichtet worden. „Bisher galten aber nur die Regionen als Wolfsgebiete, in der der Wolf wirklich ansässig ist“, erklärt Thomas Seemann. Dabei könne ein durchziehendes Tier genauso viel Schaden anrichten, wenn nicht sogar noch mehr. „Ein ansässiger Wolf kennt sein Territorium sehr gut und reißt hauptsächlich Wild, ein durchziehender frisst alles, was ihm vor die Füße läuft“, erklärt der Schäfer.

Keine Unterstützung vom Land Zwar habe bisher noch kein Wolf seine Schafe angegriffen, aber so weit soll es schließlich auch nicht kommen. Deshalb entschied sich der 33-Jährige bereits vor etwa drei Jahren in die Wolfsabwehr zu investieren, auch ohne die Unterstützung des Landes. „Ich war bei einem Wolfseminar in Güstrow und habe mich dort informiert“, berichtet Thomas Seemann, der sich daraufhin zwei Pyrenäenberghunde anschaffte. Mittlerweile hat er vier und ist begeistert von den Tieren. Seine Hündin hat bereits Nachwuchs bekommen. Den ersten Wurf, acht Welpen, hat der Zornower an Schäfer verkauft hat. „Zwei bewachen jetzt in Niedersachsen eine Heidschnuckenherde. Insgesamt 1600 Tiere. Hier hatte der Wolf schon großen Schaden angerichtet“, sagt der Züchter.

Doch bevor die Hunde eine Herde bewachen, müsse man sehr viel Zeit und Arbeit investieren. „Pro Hund zahlt man etwa 1200 Euro, ein ausgebildeter kostet etwa 4000 Euro“, berichtet Thomas Seemann.

Entscheidend sei zunächst, dass der Hund bereits in der Schafherde geboren werde. „Dann lernen sie beispielsweise auch von Anfang an, dass sie nicht mit den kleinen Lämmern spielen dürfen.“ Der Wachinstinkt sei den Tieren bereits angeboren. Ebenso der Instinkt, das der Wolf ein Feind ist. Bereits im 18. Jahrhundert seien Pyrenäenberghunde zum Schutz gegen Wölfe und Bären eingesetzt worden.

Wichtig sei, dass der Hund nur eine Bezugsperson habe. „Und sie müssen unbedingt lernen, dass sie nicht über den Zaun springen dürfen“, meint Thomas Seemann. Eingewöhnt würden die Tiere im Stall, im Winter und im Frühjahr während der Lammzeit.

Er selbst habe bereits etwa 20000 Euro für den Schutz seiner Schafe ausgegeben. In den südlichen Landkreisen bekommen Tierhalter eine Unterstützung von 75 Prozent. „Das wäre für mich eine enorme Ersparnis gewesen“, meint der Zornower. Trotz der finanziellen Belastung bereue der Zornower die Anschaffung der Hunde nicht.

Hunde „bemuttern“ die Lämmer Doch auch die Schafe müssten sich erst einmal langsam daran gewöhnen, dass sie 24 Stunden Hunde um sich herum haben. „Am Anfang war das sehr schwierig. Die Schafe sind fluchtartig in die andere Ecke gerannt. Es hat etwa sechs bis acht Wochen gedauert“, erklärt der Schäfer. „Doch nach einigen Wochen haben sie sich den Hunden langsam genähert und dann sogar den Kopf auf die Hunde gelegt.“

Mittlerweile sei es ein sehr vertrautes Verhältnis zwischen den Tieren. „Die Hunde kümmern sich auch um die kleinen Lämmer. Vor kurzem sind alle Tiere in den Stall gegangen, nur ein Lamm war noch ganz alleine draußen. Der Hund ist dann zu diesem Lamm und hat es vorsichtig in den Stall begleitet. Er ist die ganze Zeit nebenher gelaufen“, berichtet Thomas Seemann, der 300 Schafe und etwa 60 Lämmer besitzt.

Richtlinie

Die Förderrichtlinie Wolf des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz trat am 12. März 2013 in Kraft. Die südlichen Landkreise wurden hier zum Wolfsgebiet erklärt. Halter von Nutztieren können eine 75-prozentige Förderung unter anderem für die Anschaffung und Ausbildung eines Herdenschutzhundes bekommen. Ebenfalls gefördert wird die Errichtung spezieller Zäune.

5 Anträge auf Förderung von Herdenschutzhunden sind nach Auskunft der Pressestelle des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz in den vergangenen Jahren eingegangen. Die meisten Tierhalter würden eher in den Bau von Zäunen investieren.

Von Anika Wenning

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