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200 Jahre im Familienbesitz: Hoffest zu Ehren eines Hauses

SIEVERSHAGEN 200 Jahre im Familienbesitz: Hoffest zu Ehren eines Hauses

In Sievershagen wird am Sonnabend auf dem Gehöft von Urda Dubberke gefeiert mit traditioneller Musik und Kunsthandwerk – beides an die Historie angelehnt

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Alles schick machen fürs Fest: Urda Dubberke (r.) bekommt bei der Vorbereitung Hilfe von Tochter Yvonne Brentführer. Das Haus links ist nachweislich 200 Jahre, die anderen Bauten ähnlich alt.

Quelle: Claudia Tupeit

Sievershagen. Ein Haus, das seit 200 Jahren steht und ebenso lange von einer Familie bewohnt wird? Tatsächlich kann Urda Dubberke jeden Winkel, jede Fuge und jede Ritze sich und ihren Vorfahren zuordnen. Das Jubiläum muss gefeiert werden, findet die 58-Jährige: Am Sonnabend, 9. Juli, gibt es ein Hoffest auf ihrem Gehöft in Sievershagen.

Damit das Kulturprogramm zum Ambiente passt, ist es historisch und heimatverbunden: Klöppelkunst, Spinnrad, Holz schnitzen, Stuhlflechter. Die Jagdhornbläser geben um elf Uhr den musikalischen Festauftakt. Um 13.30 Uhr treten die Mecklenburger Drehorgelspieler auf „und kurz vor Schluss gegen 17 Uhr habe ich eine Überraschung mit einer bekannten Gruppe“, verspricht Dubberke.

Sie ist die Jüngste von vier Kindern, die allesamt in dem reetgedeckten Haus geboren und aufgewachsen sind. Das Nesthäkchen wohnt immer noch im Eltern-,Großeltern- und Urgroßelternhaus. Dass sie den Bau des Hauses vor 200 Jahren groß feiert, ist logische Konsequenz. „Bei uns sind Feiern üblich gewesen. Es gab hier immer schon Leben und ein Kommen und Gehen“, sagt sie. So habe der Schornsteinfeger einst von der Mutter seine Tasse Kaffee bekommen oder sich zur Postbotin an den Mittagstisch gesellt. „Je nachdem, wie es zeitlich passte“, sagt Dubberke.

In Kriegsjahren haben Flüchtlinge im Haus gewohnt. Ihre Oma Liesbeth hat sogar Amor gespielt. Ein Pärchen habe sich ineinander verliebt, die Frau sei schwanger geworden, beide haben jedoch nichts besessen, um zu heiraten. „Da hat meine Oma ein Hochzeitsfest organisiert“, sagt Dubberke. Spartanisch mit Eintopf, „aber es muss so lustig gewesen sein, dass der Bräutigam noch Jahrzehnte später regelmäßig aus Berlin gekommen ist“. Zum Besuch im Haus und am Grab der 1976 verstorbenen Liesbeth.

Als das Haus anno 1816 fertig war, bestand der heutige Eingangsbereich aus Stallungen für Schweine und Kühe, dahinter begann die Wohneinheit. Kurz danach sind weitere Ställe und Schuppen auf dem 32 Hektar großen Gelände entstanden. In der Neuzeit hat Urda Dubberke mit ihrem Mann Heinz (65) viel umgebaut. Aus dem Pferdestall ist eine Feierscheune geworden, „die wir Sonnabend nutzen werden, falls es regnet“. Aus Schuppen und Garagen hat das Ehepaar Ferienwohnungen gemacht. Einer ihrer Brüder und zwei ihrer drei Kinder sind nebenan sesshaft geworden. „Ich habe meinen Söhnen und meiner Tochter eingeimpft, dass familiärer Zusammenhalt wichtig ist“, sagt Dubberke. Tochter Yvonne Brentführer ist mittlerweile 36 Jahre alt und wie ihre Brüder „absolut bereit, eines Tages Haus und Hof zu übernehmen“. Das Leben mit zwei oder drei Generationen solle unbedingt weiter geführt werden.

Nach der Wende gab es die Flächen zurück

1816 wurde das Haus Alt-Sievershagen 16 fertig. Früher lebten dort Vieh und Mensch unter dem Reetdach, wenig später kamen Ställe hinzu. Zu DDR-Zeiten war die Familie enteignet, musste die Ackerflächen an die LPG abtreten, bekam sie aber nach der Wende wieder. 250 Quadratmeter Wohnfläche hat sich Nachfahrin Urda Dubberke mit Mann Heinz und ihren Kindern geschaffen – und damit statt eines Viehstalls nun eine große Diele im Eingangsbereich.

All das kann beim Hoffest am Sonnabend, 9. Juli, von 11 bis etwa 18 Uhr besichtigt werden.

Claudia Tupeit

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