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215 Koffer vertauscht: Urlauber verlangen Schadenersatz

Laage 215 Koffer vertauscht: Urlauber verlangen Schadenersatz

Nach Gepäck-Verwechslung: Flughafen Rostock-Laage weiter in der Kritik

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Auf dem Rollfeld des Flughafens Rostock-Laage werden Koffer in eine Germania-Maschine geladen. Am Freitag ist es dabei zu einer Panne gekommen (Symbolbild).

Quelle: Foto: Frank Söllner

Laage. Als Sabrina und Sebastian Kerwath am Freitag in den Flieger Richtung Antalya stiegen, war die Vorfreude groß: Eine Woche Türkei, eine Woche Sonne. „Wir sind zum ersten Mal geflogen. Das sollte unsere nachgeholte Hochzeitsreise werden“, erzählt die junge Frau aus Loitz. Doch aus dem Traumurlaub wurde nach der Landung ein Albtraum: Denn die Kerwaths gehören zu den 215 betroffenen Urlaubern, deren Gepäck vor dem Abflug auf dem Flughafen Rostock-Laage verwechselt wurde. Die Panne des Airports – sie hat die Kerwaths viel Geld, viel Zeit und einen schönen Urlaub gekostet.

Die Verwechslung hatte sich am vergangenen Freitag ereignet. Nach Angaben des Flughafens wurde das Gepäck zweier Flieger der Fluggesellschaft Germania verwechselt. Koffer, die eigentlich in Antalya landen sollten, flogen nach Mallorca. Und das Gepäck der Mallorca-Reisenden landete in der Türkei. „Mittlerweile haben wir alle Koffer erhalten“, sagt Sabrina Kerwath. Fast 96 Stunden hat es gedauert, bis auch ihr Mann seine Sachen hatte. „Aber der Koffer hat einen Riss, ist beschädigt.“ Die Panne in Laage fiel erst an den Zielorten auf: „Wir haben dann stundenlang am Flughafen gestanden und versucht, an Infos zu kommen.“ Für fast 200 Euro mussten Kerwaths in Side das Nötigste nachkaufen – Zahnbürsten, Badehosen, einen Bikini. „Das geht ja alles noch“, sagt Sabrina Kerwath. „Aber unsere Oma ist mit uns im Urlaub – und für die mussten wir Herzmedikamente besorgen. Die waren nämlich auch in ihrem Koffer.“

Auch andere Urlauber schildern, dass sie sich von der Airline und dem Flughafen im Stich gelassen fühlen: „Dass uns jetzt die Parkkosten erstattet werden sollen – das ist doch wohl ein Witz“, klagt Melanie Schulz (Name auf eigenen Wunsch geändert), die mit ihrem Freund auf Mallorca tagelang ohne Koffer ausharren musste. „Nachdem klar war, dass unsere Koffer nicht mehr kommen werden, haben wir noch vom Flughafen aus versucht, Germania zu erreichen – doch da kam um 19.30 Uhr nur eine Bandansage und der Hinweis, dass das Servicecenter bereits Feierabend habe.“ Ihr Freund Peter ergänzt: „Das ganze Krisenmanagement des Flughafens und der Fluglinie hat auf voller Linie versagt.“ Der Flughafen habe sich bisher zu all dem nur im sozialen Netzwerk Facebook geäußert: „Aber was ist mit älteren Reisenden? Die haben kein Facebook. Die wussten gar nicht, was los ist.“ Drei Stunden habe das Paar allein am Gepäckschalter auf Mallorca warten müssen. „Und als wir dann spätabends im Hotel ankamen, gab es natürlich auch nichts mehr zu essen.“ Das Paar will seine zusätzlichen Kosten erstattet haben – und will zudem eine Entschädigung verlangen. Für „entgangene Urlaubsfreuden“.

In den sozialen Netzwerken ist die Panne in Laage seit gestern das Gesprächs- und Diskussionsthema. Der Kühlungsborner CDU-Chef Lars Zacher gehört zu den Betroffenen und reagierte mit Galgenhumor: Lars Zacher: „Ich will ehrlich sein: Die beiden Flieger von Germania sahen auch echt gleich aus. Bin glücklich, dass ich nicht in der Türkei gelandet bin, sondern nur mein Koffer.“ Grit Oesterreich sieht das ähnlich: „Zum Glück wurden die Urlauber nicht im falschen Land abgesetzt.“ Dass Flughafen-Chefin Dörthe Hausmann die Verwechslung von 215 Koffern unter anderem damit begründet hatte, dass am vergangenen Freitag fünf Flieger nahezu zeitgleich in Laage abgefertigt werden mussten, bringt dem Airport Spott ein: „Wär's nicht so traurig, könnte man fast darüber lachen“, schreibt etwa Juliane Koops.

Es gibt aber auch Stimmen, die den Flughafen verteidigen: „ Wisst ihr, wie es ist, fünf Flieger gleichzeitig abzufertigen? Warum hat man kein Verständnis für die Mitarbeiter? Seid ihr unfehlbar?“, schreibt zum Beispiel Antje Voigt. Und Ronny Müller ergänzt: „Mein Gott. Gibt Schlimmeres. Passiert halt.“

Airport-Chefin Hausmann kündigte gestern erneut an, dass den Betroffenen nicht nur die aktuellen Parkgebühren erlassen werden sollen. „Jeder Fluggast bekommt bei der Landung einen persönlichen Entschuldigungsbrief und einen Parkgutschein für nächstes Jahr. Wir tun alles, um uns bei den Gästen zu entschuldigen.“

Andreas Meyer

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