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65 Jahre Ehe: Sieverts feiern Eiserne Hochzeit

Gehlsdorf 65 Jahre Ehe: Sieverts feiern Eiserne Hochzeit

Die gebürtigen Rostocker waren 17 Jahre lang als Botschafterpaar der DDR in Südamerika / Heute leben sie wieder in der Heimat

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Günther und Ingrid Sievert waren als Botschafterpaar unter anderem in Brasilien.

Quelle: Fotos: Claudia Tupeit

Gehlsdorf. Sie lacht verschmitzt, wenn sie über die Episoden aus dem gemeinsamen Leben spricht. Die schwarzgefärbten Haare sind elegant zurückgesteckt, die Stöckelschuhe klappern beim Gehen. „In flachen Schuhen tun mir die Füße weh.“ Er guckt sie verliebt an, schmunzelt mit Lausbubenblick.

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Die gebürtigen Rostocker waren 17 Jahre lang als Botschafterpaar der DDR in Südamerika / Heute leben sie wieder in der Heimat

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Günther und Ingrid Sievert (87 und 85) haben sich 1948 in Rostock gefunden, seit 1951 gehen sie verheiratet durchs Leben — oder besser sie jetten. Die Rostocker, die am 4. Mai ihre Eiserne Hochzeit gefeiert haben, waren 17 Jahre lang für die DDR als Botschafterpaar in Südamerika im Einsatz. Von 1973 bis 1983 zunächst in Brasilien. Kommunistische Ideologie traf auf Militärdiktatur — und brasilianische Lebensfreude. Letztere ist bei den Sieverts bis heute vorhanden. Oder wohl schon immer da gewesen.

Kein Jammern, keine Reue begleitet ihre Erzählungen, weder die vom Zweiten Weltkrieg noch solche von verpassten Karrierechancen: Als Ingrid Sievert ihren Ökonomie-Abschluss an der Karl-Marx-Uni bekam, dachte sie an Beförderung. „Stattdessen hat man meiner Frau mitgeteilt, dass wir nach Brasilien sollen“, erzählt Günther Sievert, der zunächst Betriebsleiter des Eisen- und Stahlhandels in Rostock gewesen ist. Ab Mitte der 1960er lebte er mit seiner Familie (die Töchter kamen 1953 und 1955 zur Welt) in Berlin als Direktor der DDR-Eisenhandelsbetriebe.

In Brasilia, der Hauptstadt, angekommen, hauste das neue Botschafterpaar wenig standesgemäß in einem Neubau, später in einer Residenz mit Garten. „Wir gaben vier Mal pro Woche Empfänge. Irgendwo mussten wir mit den Gästen ja hin“, sagt sie. Ihre schicken, aufwändigen Kleider hat sie genäht. Zu knapp war das Geld, das die Entsandten bekamen. „Da haben viele hier besser verdient“, erzählt er.

Schnell hatten sie Portugiesisch drauf; wurde gelästert, dann auf Platt — mit ungeahnten Folgen: Der griechische Botschafter kam zum Antrittsbesuch und Sieverts amüsierten sich „über den Betrunkenen“. Wie sich herausstellte, hatte er zuvor in Hamburg gelebt ... „Das war so peinlich“, sagt sie. Halb so wild. Günther Sievert bekam für seine Dienste einen Orden, Ingrid Sievert wurde „Frau des Jahres“ in Brasilien. „Für meinen karitativen Einsatz.“ Die letzten sieben Jahre bis kurz vor der Wende verbrachten sie als Botschafterpaar in Venezuela, einem Land, das ihnen nicht so gefallen habe wie Brasilien.

Bis vor einigen Jahren verbrachten Sieverts regelmäßig mehrere Monate in Südamerika — in Paraguay, wo die älteste Tochter lebt. „In Brasilien und Venezuela waren wir nie wieder.“ Sie wollten es so in Erinnerung behalten, wie es war, als sie gingen. „Naja, und damals wurden wir hofiert, waren wer, heute ist das anders. Das wäre schon ein komisches Gefühl“, gibt Günther Sievert zu.

Holz, Gold, Diamant

1 Jahr lang Verheiratete feiern Baumwollhochzeit, bei fünf Jahren ist es die Holzhochzeit. Bei zehn Jahren gibt es die Rosenhochzeit.

25 Ehejahre sind bekannt als Silberne Hochzeit. Wer es doppelt so lange miteinander aushält, hat die Goldene Hochzeit geschafft, zehn Jahre weiter, zum 60. Jahrestag der Eheschließung, folgt die Diamantene.

7 Jahrzehnte (Gnadenhochzeit) sind selten; Queen Elizabeth II. und ihr Philip könnten es am 20. November 2017 schaffen.

Von Claudia Tupeit

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