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Abgewiesen trotz Baby: Paar sucht Wohnung

Stadtmitte Abgewiesen trotz Baby: Paar sucht Wohnung

Seit einem halben Jahr suchen die werdenden Eltern verzweifelt nach einem eigenen Heim, doch sie bekommen nur Absagen

Stadtmitte. Es klingt wie die Geschichte von Maria und Josef, ist aber bittere Realität: Claudia Maria Czerwinski (19) und René Thomas Kruth (18) sind seit einem halben Jahr auf Wohnungssuche in Rostock. Im Juni ist der Geburtstermin für ihr gemeinsames Kind, doch alle Wohnungsgenossenschaften (WG), bei denen sich die werdenden Eltern bislang vorgestellt haben, lehnten das junge Pärchen ab. Eine Begründung gab es von keiner der Genossenschaften.

 

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René Kruth und Claudia Czerwinski sind verzweifelt. Bis zur Geburt des gemeinsamen Kindes muss eine Wohnung her.

Quelle: Nele Reiber

„Wir fühlen uns ein wenig im Stich gelassen und langsam verzweifelt“, erklärt Kruth die momentane Gefühlslage des Pärchens. „Wir waren bei so ziemlich jeder Wohnungsgesellschaft.“ Aktuell wohnen beide noch getrennt — Czerwinski im betreuten Wohnen des ASB und Kruth mit vier Geschwistern bei seiner Mutter. „Der reicht es natürlich mit fünf Kindern“, erklärt er, warum die Familienwohnung keine Lösung ist. „Und weil ich ja schwanger bin, können die mich auch nicht mehr länger betreuen“, erzählt Claudia Czernewski von der Situation im Wohnheim.

Eigentlich bräuchte das Paar bereits zum 1. Mai eine eigene Wohnung. „Bis zum 1. Juni könnte man es vielleicht noch hinauszögern“, sagt der werdende Vater. Da der Geburtstermin jedoch bereits am 13. Juni ansteht, drängt es langsam mit den eigenen vier Wänden. Ihr Wunsch: eine Drei-Raum-Wohnung. „Notfalls würde aber auch eine Zwei-Raum-Wohnung gehen“, so Kruth. Abgelehnt hätten sie bislang noch keine Bleibe, die sie sich angeschaut haben. Zahlreiche Bewerbungen hätten sie abgegeben — vergeblich. „Eine Woche später haben wir nachgefragt, und die Wohnungen waren schon an jemand anderen vermietet“, berichtet Kruth enttäuscht.

Die Miete dürfe 500 Euro nicht überschreiten. „Ich arbeite in einer Zeitarbeitsfirma und Claudia bekommt Ausbildungs-Bafög“, berichtet der 18-Jährige. „Nach der Elternzeit möchte ich meine Ausbildung auch weitermachen“, ergänzt seine Freundin.

Hilfesuchend hat sich das Paar bereits an Czerwinskis Betreuer gewandt. „Der hat mal im Jugendamt nachgefragt, und die haben uns ein Mutter-Kind-Wohnheim vorgeschlagen“, berichtet Kruth. Das wäre auch der Tipp, den Katrin Böhm vom Arbeiter-Samariter-Bund dem jungen Paar geben würde. „Das Angebot richtet sich allerdings eher an Alleinerziehende, die dringend Hilfe brauchen“, gibt sie zu bedenken. Für René Kruth würde das bedeuten, dass er nur gelegentlich bei seinem Kind und der Freundin übernachten dürfte. Eine gemeinsame Wohnung sei ihm da natürlich deutlich lieber.

„Junge Familien, die nicht gerade in einer dringenden Notsituation sind, fallen anscheinend schnell durchs Raster“, erzählt Katrin Böhm. Außer dem Jugendamt falle ihr auch keine Stelle ein, bei der sich das junge Paar Unterstützung suchen könne.

Woran genau es bei der Wohnungssuche in den vergangenen Monaten gehapert hat, kann sich das Paar nicht erklären. „Man hat uns auch nie Gründe genannt, wenn wir abgelehnt wurden“, so Kruth. Ein Grund könne der minimale Wohnungsleerstand in Rostock sein, befürchtet Stadtsprecher Ulrich Kunze. „Der liegt ja bekanntlich bei unter einem Prozent.“

KTV hatte 2014 die meisten Wohnungen

118 381 Wohnungen gab es im Jahr 2014 im gesamten Gebiet der Hansestadt. Das waren 561 Wohnungen mehr als noch im Jahr davor.

Die meisten davon, nämlich 11 956 Wohnungen, gab es in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt. 2013 betrug der Leerstand für die Wohnungen in der Hansestadt noch 2,1 Prozent. Inzwischen beläuft er sich auf nur noch unter einem Prozent.

Von Nele Reiber

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