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Ämter verschlafen neues Prostituierten-Gesetz

Stadtmitte Ämter verschlafen neues Prostituierten-Gesetz

„Hurenausweis“ wird zur Pflicht / Behörden sind nicht darauf eingestellt

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Auch Kondome sind ab 1. Juli für Prostituierte und ihre Kunden vorgeschrieben – sonst drohen hohe Geldstrafen.

Quelle: Foto: Ove Arscholl

Stadtmitte. Auf die schätzungsweise rund 100 Prostituierten, die in Rostock ihre Dienste anbieten, kommen ab Juli einige Änderungen zu. Mit dem neuen Prostituiertenschutzgesetz gilt für die Damen und Herren des horizontalen Gewerbes eine Anmeldepflicht beim Gesundheitsamt. Bei Kontrollen müssen sie einen Anmeldeschein mit Foto und ihren persönlichen Daten, in der Szene „Hurenausweis“ genannt, vorlegen können. Käuflicher Sex ohne Kondom wird verboten, bei Verstößen drohen Anbietern Geldstrafen von bis zu 10000 Euro, Kunden sogar von bis 50000 Euro.

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„Hurenausweis“ wird zur Pflicht / Behörden sind nicht darauf eingestellt

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57 Wohnungen, in denen Prostituierte arbeiten, gibt es laut Polizei in Rostock. Die Hansestadt ist damit die Rotlicht-Hochburg in MV. In Schwerin gibt es 49 dieser Appartments.

Rotlicht-Aus heißt eine Kampagne, mit der Frauenverbände in Stuttgart ein Verbot von Sexarbeit fordern. Der Landesfrauenrat MV

hat dazu „keine eindeutige Position“,

so eine Sprecherin.

Die Behörden in der Hansestadt und im Land sind auf die Neuerung bisher nicht eingestellt. „Die Landesregierung hat sich leider bis heute nicht zu einer Vorgehensweise bei der Umsetzung des Gesetzes entschieden“, kritisiert Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke). Das Schweriner Sozialministerium arbeitet seit einem halben Jahr an einer Richtlinie. Die soll festlegen, was wie im Detail geregelt wird. Zum Beispiel, wie die Kontrollen aussehen und wer dafür zuständig ist. „Die Vorbereitungen sind noch nicht abgeschlossen“, so die Antwort des Ministeriums vor zwei Wochen auf eine parlamentarische Anfrage. Immerhin: Es gab schon einen Beratungstermin mit den Gesundheitsämtern. Das Ergebnis ist offen. „Es gibt keine neuen Sachstand“, teilt die Behörde mit. So viel Gelassenheit erstaunt. Bereits in zwei Monaten gilt die Anmeldepflicht, die mit regelmäßigen vorgeschriebenen Beratungsgesprächen verbunden ist. Auch Bordelle benötigen eine Genehmigung. Nach einer Übergangszeit bis Ende Dezember muss jeder, der Sex gegen Geld anbietet, den „Hurenpass“ haben.

Der Ausweiszwang könnte vor allem Gelegenheits-Prostituierte zum Ausstieg drängen. „Viele langjährige Sexarbeiterinnen finden das gut“, sagt Sandra Kamitz. Die Leiterin der Beratungsstelle für Menschen in der Sexarbeit (SeLA) berät im Auftrag der Stadt seit 2015 Prostituierte in Rostock. Die Konkurrenz im Rotlicht-Milieu ist groß. „Das Angebot ist größer als die Nachfrage“, meint die Beraterin.

Zusätzlich bieten sich auf Internetseiten mit selbsterklärenden Namen wie „Kaufmich“ Feierabend-Prostituierte an. Für Rostock finden sich Dutzende Einträge. „Die meisten davon führen sonst ein ganz normales Leben, studieren oder haben andere Jobs“, vermutet Sandra Kamitz. Ein amtlicher Hurenpass mache sich da nicht so gut. Zumal auch die persönlichen Daten bei den Behörden gespeichert werden.

57 „Modellwohnungen“, in denen professionelle Prostituierte auf Freier warten, gibt es laut Polizei in Rostock. Die Hansestadt ist damit vor Schwerin (49) die Rotlicht-Hochburg im Nordosten. Im Landkreis Rostock gibt es sieben solcher Appartements, landesweit knapp über 200. Ein großer Teil der Sexarbeiterinnen bleibt nur für ein paar Tage in Rostock und zieht dann weiter in die nächste Stadt, erklärt Sandra Kamitz. Die meisten Frauen machten das freiwillig, rund 70 Prozent seien nichtdeutscher Herkunft.

Kamitz kritisiert, dass bei dem neuen Gesetz noch vieles offen ist. Für die Beratungen seien oft Dolmetscher nötig. Ein weiteres Problem sei die Anmeldung mit Foto und persönlichen Daten im Gesundheitsamt. Denn die gleiche Behörde bietet auch anonyme Test auf Geschlechtskrankheiten an. Dieses Angebot könnte künftig deutlich weniger genutzt werden.

Gerald Kleine Wördemann

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