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Aids: Der lange Kampf gegen Vorurteile

Stadtmitte Aids: Der lange Kampf gegen Vorurteile

HIV-Infizierte leiden unter Diskriminierung / Zwei Männer machen sich gegen Vorurteile stark

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Mit Infomaterial, bei Beratungsgesprächen und mit Aufklärungsunterricht an Schulen wollen Robert Holz (l.) und Tom Scheel Mythen über HIV ausräumen. Denn noch immer werden viele Infizierte ausgegrenzt. FOTO: ANTJE BERNSTEIN

Stadtmitte. „Wie können Sie es wagen, hierher zu kommen. Ich hab' Kinder“, herrscht die Arzthelferin den neuen Patienten an. Sie trägt Schutzkleidung, Mundschutz und Handschuhe, als ob der Mann vor ihr eine hochansteckende Seuche hätte. Dabei will er nur zur Zahnkontrolle. Doch weil er beim Ausfüllen des Anamnesebogens allzu ehrlich war, wird sein erster auch sein letzter Termin in dieser Praxis sein. In einer Spalte hat er sein HIV-Medikament eingetragen. Der Zahnarzt fordert ihn unter einem Vorwand auf, nicht wiederzukommen.

Das ist nur einer jener Vorfälle, die Robert Holz von seinen Klienten noch allzu oft zu hören kriegt. Der 31-jährige Sozialarbeiter berät im Centrum für Sexuelle Gesundheit Rostock (CSG) HIV-positive Menschen. Die kommen dank effektiver Medikamente mit dem Virus gut klar. Zumindest körperlich. Seelisch sieht es oft anders aus: Wer sich als Infizierter oute, müsse damit rechnen, abgelehnt, ausgegrenzt und sogar angefeindet zu werden, bedauert Holz. Manch einen koste zu viel Offenheit den Job, den Freundeskreis, die Familie. Unwissenheit und hartnäckige Mythen schüren Ängste, sagt Holz.

Selbst Betroffene wüssten über HIV oft nicht genau Bescheid. „Dabei können sie alles machen, wie jeder andere auch.“

Wie viele Rostocker das HI-Virus in sich tragen, ist schwer zu sagen. „Viele wissen nicht, dass sie infiziert sind oder lassen sich nicht testen aus Angst vor der Diagnose“, schildert Tom Scheel (41), Sexualberater im CSG. Zehn Menschen haben allerdings seit dem vergangenen Jahr Gewissheit: Sie wurden 2015 positiv auf die Immunschwäche getestet. Die Zahl der Neudiagnosen sei seit Jahren konstant, sagt Scheel.

„Mit HIV kann man heute leben. Mit Diskriminierung nicht.“ So lautet die zentrale Botschaft des heutigen Welt-Aids-Tages. Für Akzeptanz und Respekt gegenüber Menschen mit HIV machen sich Tom Scheel und Robert Holz das ganze Jahr über stark. Sie bieten HIV-Schnelltests an, beraten am Telefon und bei persönlichen Gesprächen in ihrem Büro in der Wokrenter Straße. In Schulen klären sie Kinder und Jugendliche über HIV auf. Dabei beschränken sie sich nicht auf Rostock: Auch für den umliegenden Landkreis und den Kreis Mecklenburgische Seenplatte übernehmen sie die Aidshilfe.

Ihre Arbeit wird von den Kreisen, der Stadt Rostock und dem Land finanziert. Gut 10000 Euro pro Jahr muss das CSG-Team selbst erwirtschaften. Durch Aktionen an Schulen und über Spenden. Mit Letzterem täten sich viele schwer, sagt Scheel. Sätze wie: „Die sind doch selber schuld“, bekäme er häufiger zu hören. Leider geben sich Infizierte selbst oft die Schuld, ergänzt Robert Holz. Aus Angst, andere anzustecken, schotten sie sich ab und geben sämtliche soziale Kontakte auf. „Sie diskriminieren sich quasi selbst. Dabei haben die Bilder, die sie in sich tragen, meistens nichts mit dem zu tun, was real ist.“ Die Diagnose HIV sei kein Grund, sein Leben abzuschreiben. Robert Holz und Tom Scheel wollen weiter gegen Vorurteile ankämpfen. Damit HIV-positive Menschen sich nicht länger zu verstecken brauchen.

Heute ist Welt-Aids-Tag

Positiv zusammenleben, Ausgrenzung ein Kontra geben: Anlässlich des Welt-Aids-Tages findet heute in der Heiligengeist-Kirche ein Gedenkgottesdienst statt. Ab 18 Uhr (Einlass 17.30 Uhr) wird zur Solidarität mit HIV-Positiven aufgerufen. Begleitet wird der Abend vom Trompeten-Klavier-Duo Mond Clee. Im Anschluss wird ein kleines Buffet geboten.

Hier finden Betroffene Hilfe:

Centrum für Sexuelle Gesundheit Rostock, Wokrenter Straße 28

☎ 0381/1285023

Beratungszeiten: Mo. 14-17 Uhr,

Di. 14-18 Uhr, Do 16-18 Uhr

Antje Bernstein

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