Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Alles inklusive am Schulcampus Evershagen

Evershagen Alles inklusive am Schulcampus Evershagen

Jakob-Muth-Preis für inklusive Schule erstmals in Mecklenburg-Vorpommern

Voriger Artikel
Badeunfall: 13-Jährige gestorben
Nächster Artikel
Storch aus MV tot in Syrien gefunden

Michelle (11), Jane (11) und Ramtin (11, v.l.) sind gemeinsam im Zirkus-Projekt der Schule.

Quelle: Fotos: L. Kenzler

Evershagen. Großer Bahnhof am Schulcampus Evershagen: Zur Verleihung des Jakob-Muth-Preises für inklusive Schule waren gleich drei Ministerinnen und die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Verena Bentele, anwesend. Die Schule in Evershagen hat mit ihrem umfassenden Inklusionsverständnis die Jury überzeugt – und damit den Inklusions-Preis zum ersten Mal nach Mecklenburg-Vorpommern geholt.

OZ-Bild

Jakob-Muth-Preis für inklusive Schule erstmals in Mecklenburg-Vorpommern

Zur Bildergalerie

„Das ist eine große Wertschätzung und Anerkennung unserer Arbeit“, sagt Schulleiter Gerald Tuschner. „Jedes Kind aufzunehmen, mitzunehmen und es zum für ihn bestmöglichen Schulabschluss zu führen, ist unser Anliegen.“ Das Besondere am Schulcampus ist, dass alle der fast 1000 Kinder in ihrem Alltag und in schwierigen Lebenssituationen unterstützt werden – unabhängig davon, ob ein Förderbedarf diagnostiziert wurde oder nicht. „Förderung“ sei ohnehin ein Wort, das in der Schule oft zu negativ bewertet wird. Das betont auch Birgit Hesse, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur in MV.

„Im Sport ist Förderung immer etwas Großartiges, das muss es auch in Schulen sein, für jedes Kind und alle Belange“, sagt sie. Und am Schulcampus Evershagen besuchen auch Kinder den Zusatzunterricht, ohne dass sie diagnostizierte Defizite haben. „So stelle ich mir inklusive Schule vor, das ist genau der richtige Weg“, lobt die Ministerin den Schulcampus.

Andrea Krause ist Sonderpädagogin und didaktische Leiterin an der Gesamtschule in Evershagen. Sie kümmert sich auch um einen sehbehinderten Schüler, der mit einem Tablet mit Lupenfunktion Tafelbilder abfotografieren und damit ungehindert am Unterricht teilnehmen kann. „Alle Kinder sind individuell. Inklusion heißt nie, alle gleich zu behandeln, sondern jeden Einzelnen zu sehen, niemanden zu übersehen, jeden ernst zu nehmen“, so Krause. Gemeinsam konnte am Schulcampus ein Netzwerk aus Therapeuten, Ärzten, Eltern, dem Jugendamt und weiteren Akteuren erarbeitet werden. „Jeder Schüler kann in eine Krise kommen und dann sind wir da“, sagt Schulleiter Tuschner.

Dass diese Rechnung aufgeht, danken die Schüler. John Nedbaj moderiert gemeinsam mit Ulrich Kober von der Bertelsmann Stiftung die Preisverleihung. „Niemand muss die Schule verlassen, wenn er plötzlich im Rollstuhl sitzt. Das könnten Freunde sein, die einem am Herzen liegen“, berichtet der Schüler über seine eigenen Erfahrungen. „Wir Schüler helfen einander und schauen nicht weg“, erzählt auch Schülersprecher Benedikt Arendt. Und da es ein Mädchen gibt, die mit dem Rollstuhl zur Schule kommt, müsse die Schule unbedingt barrierefrei werden. Ministerin Hesse versprach, dass 118 Millionen Euro in den Umbau von inklusiven Schulen fließen werden.

Preisträger sind auch die Geschwister-Prenski-Schule aus Lübeck, die Antonius-von-Padua Schule aus Fulda und die AG „Inklusion an Oldenburger Schulen“. Gemeinsam mit Britta Ernst, der Ministerin für Schule und Berufsbildung in Schleswig-Holstein und Frauke Heiligenstadt, Kultusministerin in Niedersachsen, sitzen sie in den Reihen bei der Preisverleihung. Leonard kommt aus Oldenburg und wartet auf seinen Auftritt mit der Schülerband. Auf die Frage, wie Inklusion an seiner Schule funktioniere, findet der 13-Jährige so schnell keine Antwort – und merkt gar nicht, dass sein autistischer Mitschüler direkt neben ihm sitzt. Ein Beweis dafür, dass Inklusion keine Illusion mehr ist.

Der Jakob-Muth-Preis für inklusive Schule

2009 wurde der Jakob-Muth-Preis ins Leben gerufen.

Inklusion im Bildungsbereich bedeutet, dass allen Menschen die gleichen Möglichkeiten offenstehen.

Der Preis wurde an den Schulcampus RostockEvershagen, die Antonius-von-Padua-Schule in Fulda und die Geschwister-Prenski-Schule in Lübeck verliehen. Außerdem wurde die „AG Inklusion an Oledenburger Schulen“ ausgezeichnet.

Projektträger des Jakob-Muth-Preises sind die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, die Deutsche Unesco-Kommission und die Bertelsmann Stiftung.

3000 Euro Preisgeld erhalten die Einzelschulen, 5000 Euro der Schulverbund.

Lea-Marie Kenzler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Nationalpark
Erkundung der Wildnis: Ein schmaler Weg führt entlang eines Flusses nahe des Denali.

Der Denali-Nationalpark ist mit Abstand der beliebteste Park in Alaska. In diesem Jahr wird er 100 Jahre alt, und auf den Wegen werden sich mehr Besucher drängen denn je. Wer aber in den Südteil fliegt, erlebt noch menschenleere Wildnis.

mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Werft setzt auf Spitzentechnik

Neptun-Werft behauptet sich mit innovativen Antrieben / Aida ist Pionier-Kunde