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Als Rostock im Bombenhagel versank

Rostock Als Rostock im Bombenhagel versank

Vor 75 Jahren griffen britische Bomber die Stadt an / Fast 85 Prozent aller Wohnungen betroffen

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Die Lange Straße, Ecke Breite Straße mit der Ruine der Jakobikirche nach den Bombenangriffen im April 1942 auf die Hansestadt Rostock.

Quelle: Fotos: Archiv Helmut Aude

Rostock. Vor 75 Jahren, vom 23. bis 27. April 1942, bombardierte die britische Royal Airforce in vier mondscheinhellen Nächten Rostock großflächig. Vier Wochen zuvor war das schon in Lübeck geschehen. Bis Juli 1943 (Hamburg) blieben diese beiden die am schlimmsten getroffenen Städte in Hitlerdeutschland.

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Vor 75 Jahren griffen britische Bomber die Stadt an / Fast 85 Prozent aller Wohnungen betroffen

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Die Einwohnerzahl in Rostock verringerte sich von 124 000 auf 69000. 24 Prozent der Wohnungen waren vollständig, 60,5 Prozent teilweise zerstört. Acht Schulen, das Stadttheater, Post- und Telegraphenamt, Oberlandes- und Amtsgericht, zwei Kliniken, vier von fünf Stadttoren, drei der vier Pfarrkirchen fielen den Brand- und Sprengbomben zum Opfer. Die Luftabwehr war schwach, wohl deswegen, weil man von der Ostsee her, die zu dem Zeitpunkt quasi ein deutsches Binnenmeer war, keine Angriffe erwartete. Knapp 80 Prozent der Innenstadt, die gleichbedeutend mit der Altstadt ist, waren dem Erdboden gleichgemacht. Das Echo blieb schwach in Deutschland, weil es im Jahr 1942 ja noch vorwärts bis nach Stalingrad und auf den Elbrus im Kaukasus ging. Zerstörte Städte im Reich?

Ein Ding der Unmöglichkeit!

Unser Bild der Langen Straße, aufgenommen nach der Sprengung und dem Wegräumen der Ruinen, zeigt es sehr anschaulich. So sah auch die Steinstraße aus, dort blieben nur drei Häuser intakt. Ebenso die Nordseite der Friedrich-Franz-Straße (heute August-Bebel-Straße), alle Straßen um die Krämer-Straße herum, die Westseite der Altschmiede-Straße und der Alte Markt, der Neue Markt, wo nur sechs Häuser und das Rathaus leichte Schäden erlitten. Ebenfalls der gesamte Glatte Aal, der vorher kein Platz war, beträchtliche Abschnitte der Großen Wasserstraße, der Grubenstraße, die Große und Kleine Mönchenstraße total, die Koßfelder zu weiten Teilen . . . Die Aufzählung ist unvollständig.

1944 erwischte es auch noch die katholische Kirche am Schröderplatz, bei der es gelang, sie schon bis 1948 vereinfacht wieder aufzubauen. Ihre Sprengung von 1971 ist schon ein anderes Kapitel. Was nun die vierte große Pfarrkirche Rostocks betrifft (mit Ausnahme Lübecks hatten die anderen Hansestädte nur drei), hatte Jakobi nur weniger gelitten als die beiden Gründungskirchen in der Östlichen Altstadt, St. Petri und St. Nikolai. Sie brannte „nur“ aus, verlor Dachstuhl und Turmhaube, die eine doppelte Laterne war. Die gesamte Statik hatte aber Stand gehalten. Gewölbe, Säulen und Außenmauern waren bis auf kleinere Brandschäden, zum Beispiel abgeplatzte Steine, intakt. Schon im Jahr 1943 erhielt das Hauptschiff ein Notdach. Es regnete nicht mehr auf die Gewölbe. Wie es dann mit der Kirche der weitgereisten Fernhändler weiterging, ist ein besonders trauriges und schändliches Spiel der Nachkriegszeit, die erst 1960 endete.

Aus aktuellem Anlass ein Foto des Petritors vor dem Hintergrund des Pfingstmarktes von 1952. Der erstreckte sich den gesamten Stadthafen bis zum Kanonsberg entlang und teilweise in die Straßen hinein, zum Beispiel in die Große Mönchenstraße.

Der Pfingstmarkt begann bereits 1390 als eine Art Messe der Hanse, bis nach deren Ende nur das Volksfest übrig blieb. Das war in Rostock aber immer wichtiger als der Weihnachtsmarkt, auch noch 1952.

1990 wurde der Pfingstmarkt in ganz kleinem Maßstab wiederbelebt. Wollen wir ihn nicht wieder zu Pfingsten und zu Ungunsten des kleinen Ostermarktes bedeutender machen? So hätten wir im Mai, mit der Hanse Sail im August und zu Weihnachten drei wirkliche Höhepunkte.

Die Abbildung zeigt eine Rutschbahn. Es ging zwei Leitern hinauf, oben erhielt man eine Pferdedecke, und ab ging es auf dem Allerwertesten nach unten. So einfach war das!

Nun sind wir auf den Wiederaufbau des Tores gespannt. Ein leider häufig gehörtes Gegenargument: Es sei nicht besonders schön gewesen im Vergleich mit dem Steintor, dem Vorkriegsensemble des Kröpeliner Tores, den Neubrandenburger Toren. Stimmt, aber keines dieser Tore ist so alt wie das Petritor: Ersterwähnung 1232, bereits 14 Jahre nach Verleihung des Lübischen Stadtrechts.

Das Tor ist schön in seiner primären Ursprünglichkeit, stammt es doch direkt aus der Kolonisationszeit, als hier der Urwald gefällt wurde. Dies sollte bei allen modernen Nutzungen heute in Betracht gezogen werden.

Helmut Aude

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