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Ameisen-Alarm in Rostock: Ganze Straßen befallen

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Ameisen-Alarm in Rostock: Ganze Straßen befallen

Asiatische Art lässt sich nicht vertreiben — und breitet sich immer weiter aus. Das Hauptnest erstreckt sich in der KTV.

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Die Vernachl�ssigte Ameise (Lasius neglectus) hat sich Rostock breit gemacht. Im Unterschied zu einheimischen Arten l�sst sie sich kaum vertreiben und bildet Superkolonien.

Quelle: Gert Brovad

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Wann die Ameisen die Kita Kinderwelt im Patriotischen Weg erobert haben, kann Leiterin Ines Kriegisch (45) nicht sagen. „Ich habe 2000 hier angefangen, da waren sie schon da.“ Und nicht nur dort — die sogenannte Vernachlässigte Ameise (Lasius neglectus) habe große Teile der Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) befallen, sagt Kai Gloyna (37), Experte vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock.

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Schädlingsbekämpfer Mathias Conrad (42) kennt Mittel gegen Ameisen — die Lasius neglectus kommt aber schnell zurück.

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Auch der botanische Garten und der Schiffbauerring in Groß Klein sind betroffen, besonders extrem sei die Lage aber an der Doberaner Straße und am Patriotischen Weg, bestätigt Schädlingsbekämpfer Mathias Conrad (42), der dort viele Stammkunden betreut. Das Hauptnest in der KTV erstreckt sich, wie Forscher 2008 nachgewiesen haben, über sieben Hektar.

Das Besondere an der vermutlich aus Vorderasien stammenden Ameisen-Art: Einzelne Kolonien arbeiten eng zusammen, so dass sich die Tiere, wenn sie ein Gebiet erstmal erobert haben, kaum vertreiben lassen. Einzelne Hausbesitzer könnten dagegen gar nichts ausrichten, erklärt Kai Gloyna vom Landesamt für Gesundheit. Im Frühjahr und Herbst kämen besonders viele, erzählt Ines Kriegisch. „Wir kämpfen dagegen, aber die Ameisen finden sofort einen neuen Weg.“ Die Kita hat sich mit den Krabbeltierchen arrangiert. Schließlich seien diese nicht gefährlich, betont Kriegisch. Sie stechen nicht, sie versprühen keine Ameisensäure. „Wir nehmen sie wie Marienkäfer — die Kinder nennen sie Frieda oder Lotta“, erzählt die Kita-Leiterin. Nur dauerhaft verjagen ließen sich die Tierchen nicht.

Mit eingewanderten Schädlingen hat auch Astrid Lehmkuhl (46), Leiterin der Pflanzenschutz-Abteilung beim Gartenfachmarkt Grönfingers, regelmäßig zu tun. Die spanische Wegschnecke breite sich schon lange hier aus, die asiatische Kirschfruchtfliege seit vergangenem Jahr, berichtet sie. Auch der Buchsbaumzünsler ist auf dem Vormarsch. „Das Problem ist, dass diese Schädlinge hier keine natürlichen Feinde haben“, erklärt Lehmkuhl. Im Gegenteil: Die asiatische Ameise beispielsweise verdrängt einheimische Arten flächendeckend. In diesem Frühjahr — nicht zu kalt und nicht zu feucht — seien Ameisen generell „ein großes Problem“, sagt Lehmkuhl und rät zu Ködern.

Davor kann Eva Scholl, Schädlingsbiologin aus Nürnberg, nur warnen. „Zunächst mal muss man ganz genau wissen, mit welcher Ameise man es zu tun hat“, erklärt die 61-Jährige. Bei der Lasius neglectus sei die Bestimmung auch für Experten äußerst schwierig. Wenn Laien einfach Gift auslegten, „ist das wie Öl ins Feuer zu gießen“, sagt Eva Scholl. Die Ameisen breiteten sich blitzschnell drum herum aus. „Dann lassen sie sich noch schwerer bekämpfen.“ Um der Tierchen Herr zu werden, „muss man die Ameisensprache sprechen“. Sie rät dringend dazu, Fachleuten das Feld zu überlassen.

In einem Mehrfamilienhaus in Nürnberg lasse sich seit 2009 beobachten, was passiere, wenn es keine geordnete Gegenwehr gebe, erzählt Scholl. Steckdosen sind dort schwarz vor Ameisen. Vermutlich angelockt von einem Alarm-Hormon, das das erste Tierchen im Todeskampf nach dem elektrischen Schlag abgesondert habe, erklärt die Schädlingsforscherin. „So ist es in befallenen Wohnungen auch schon zu Kurzschlüssen gekommen“, berichtet Gloyna.

Und auch ein Baum vor dem Nürnberger Haus stirbt, weil die asiatische Ameise eine Symbiose mit Blattläusen eingeht. „Eine zehn Zentimeter breite“ Ameisenstraße hat Eva Scholl über den Stamm kriechen sehen. Wenn sich die 80 Eigentümer des Hauses nicht bald auf eine Strategie einigen könnten, werde sich die Lasius neglectus auch in der fränkischen Stadt weiter ausbreiten, prophezeit sie. Von einer verwandten Ameisenart befallene Häuser seien schon abgerissen worden, „weil dort keiner mehr wohnen wollte“.

In Rostock versucht Gloyna gemeinsam mit Schädlingsbekämpfern, einen Überblick zu bekommen, welche Gebiete in der Stadt bereits von der hartnäckigen Ameisenart befallen sind. „Aber das kann nur der erste Schritt sein“, sagt der Biologe. Einige Ideen für weitere habe er schon — „die Frage ist nur, wer sie machen und bezahlen soll“. Schließlich sei das Lagus kein Forschungsinstitut für Schädlinge. Auch ein kalter Winter bringt keine Entspannung. „Diese Art ist kälteresistent“, sagt Scholl. Der einzige Trost, den sie für betroffene Mieter und Wohnungseigentümer hat: Vor Bettwanzen etwa müssen sich diese nicht fürchten. „Die fressen die Ameisen auf.“

Viele Königinnen arbeiten zusammen
Im Unterschied zu einheimischen Arten kooperieren bei der Lasius neglectus viele Königinnen und Kolonien. Eine begattete Königin, die beispielsweise in einem Blumentopf verschleppt wird, reicht aus, um einen neuen Staat aufzubauen. Im Haus nisten die Ameisen bevorzugt im Mauerwerk und in der Wärmedämmung.

Die Tiere ernähren sich vom Honigtau der Blattläuse, die sich im Gefolge stark vermehren und Schäden an Bäumen verursachen. Die Ameisen fressen außer Körner und Samen fast alles — auch Insekten. Eine Bekämpfung ist laut Schädlingsbiologin Eva Scholl sehr aufwändig und noch nicht gelungen.

Mehr: www.evascholl.de.

 

Anne Kobarg

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Die Vernachlässigte Ameise (Lasius neglectus) hat sich Rostock breit gemacht. Im Unterschied zu einheimischen Arten lässt sie sich kaum vertreiben und bildet Superkolonien.

Die kleinen Tierchen, die vermutlich über Gewächshäuser eingeschleppt wurden, könnten sich aufs ganze Land ausbreiten.

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